»Vergiss es, Paps!«, fuhr Prinz Nicolas seinen Vater verärgert an. »Ich werde die Fabrik nicht übernehmen – und wenn sie zehnmal mein Erbe sein wird!«
Ambros Fürst von Beilstein runzelte die Stirn. Dann beugte er sich vor und schlug in dem marmornen Aschenbecher, der auf dem niedrigen Couchtisch vor ihm stand, seine Pfeife aus. Mit Mitte sechzig war der Fürst immer noch ein gut aussehender Mann, groß und schlank. Außerdem war er weltgewandt und zudem außerordentlich charmant. Und diese Eigenschaften hatte sein Sohn von ihm geerbt.
»Aber es ist Tradition«, erwiderte der Fürst zum wiederholten Male wie ein Mantra. »Du wusstest es von Kindesbeinen an, dass du die Fabrik eines Tages übernehmen musst, und es wird Zeit, dass du dich in das Porzellangeschäft einarbeitest. Du weißt …«
Prinz Nicolas unterbrach seinen Vater mit einem tiefen Seufzer und warf seiner Schwester Valerie, die stumm und mit zusammengepressten Lippen neben ihm auf der Couch im Wohnzimmer saß, einen resignierten Blick zu.
»… die Beilsteinsche Porzellanfabrik ist seit fünf Generationen in Familienbesitz«, beendete der Prinz den angefangenen Satz seines Vaters. »Aber ich verstehe nichts von Porzellanherstellung und dergleichen, und ich will auch nichts davon verstehen, Paps! Ich arbeite gern für Diego de Santos.«
»Ach, dieser Wichtigtuer aus Südamerika«, bemerkte der Fürst abwertend.
Der Prinz runzelte erzürnt die Stirn.
»Diego hat sich aus eigener Kraft ein Imperium aufgebaut, Paps! Er konnte nicht auf ein reiches Erbe zurückgreifen. Alles musste er sich selbst erarbeiten, und das war sicher nicht einfach«, erwiderte er voller Leidenschaft und zeigte damit, wie sehr er seinen Arbeitgeber bewunderte. »Schließlich kommt er aus einem Armenviertel von Buenos Aires und hat als Laufbursche in einem Hotel angefangen. Heute gehört ihm das Hotel und noch ein Dutzend andere auf der ganzen Welt! Diego de Santos ist jetzt der König der Luxushotels …«
»Und dieser Mann ist dein Vorbild?« Sein Vater konnte es nicht verstehen. »Willst du denn immer in seinem Schatten stehen? Willst du nicht dein eigener Herr sein?«
»Du kennst meinen Traum, Paps«, entgegnete der gut aussehende, dunkelblonde Prinz lakonisch, und der Fürst nickte.
»Ich werde dir unser Palais bei Hameln jedoch nicht überlassen, damit du daraus ein Luxushotel machen kannst«, meinte Fürst Ambros entschieden.
»Du lässt mir keine Wahl. Dann bleibe ich einer von Diegos Hotelmanagern.