: Isa Halberg, Roma Lentz
: Silvia-Duett - Folge 15 Tränen in den Flitterwochen/Hoffnungslos verliebt
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732516414
: Silvia-Duett
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 112
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Tränen in den Flitterwochen.

K rina spürt Hendriks Lippen noch auf den ihren. Ihre Wangen brennen, ihr Herz flattert - ja, Amors Pfeile sitzen genau da, wo man sie nicht mehr herausziehen kann ...

Während die junge Frau immer wieder an die zärtlichen Liebesstunden mit Hendrik von Bernach und an seinen romantischen Heiratsantrag denkt, geht der junge Freiherr in seiner Wohnung nervös auf und ab. Sein Gesicht ist voller Sorge, und sicher wäre Karina sehr beunruhigt, wenn sie ihn so grüblerisch sehen würde. Aber dass Hendrik ein quälendes Geheimnis vor ihr verbirgt, soll Karina erst nach der Hochzeit erkennen, und schon in den Flitterwochen weint sie bittere Tränen ...

Hoffnungslos verliebt

Marc Weigand kann nur den Kopf schütteln. Er hat wirklich reichlich Erfahrung mit Frauen, aber eine wie diese Christine von Lessem ist ihm noch nie untergekommen. Mit seiner Hände Arbeit soll er fünftausend Euro verdienen! Erst dann sei sie bereit, seine Einladung zu einem Abendessen anzunehmen. Das ist dem erfolgsgewohnten Mann noch nie passiert: Eine Frau, die ganz offen zugibt, dass sie ihn höchst sympathisch findet, und die ihn dennoch vehement ablehnt - wegen seines Geldes. Als wäre er ein Gauner! Dabei ist er nur reich, sehr reich allerdings. Aber zum ersten Mal im Leben hat er ein Problem damit - ein bildhübsches Problem namens Christine ...

Es war ein betriebsamer Vormittag in der historischen Neckarstadt Tübingen. Man schrieb zwar erst Mitte März, aber das Wetter verwöhnte die Menschen mit viel Sonne und frühlingshaften, milden Temperaturen. Die Straßencafés hatten bereits geöffnet, in den Modegeschäften lockten die Modelle der neuen Saison, und am Marktplatz wurden bunte Primeln und Stiefmütterchen verkauft.

Vor dem Buchgeschäft »Gerber«, das in einem entzückenden alten Fachwerkhaus am Neckar auf zwei Etagen Lesestoff für jeden Geschmack bot, rückte Karina die große Terrakotta-Schale mit Frühlingsblumen zur Seite. Die Kunden sollten schließlich bequem durch die Tür hereinspazieren können!

Markus Gerber, dem das Fachgeschäft gehörte, kümmerte sich drinnen gerade um eine ältere Dame, die nach spannenden Reiseberichten suchte.

»Ich bin in meinem Leben leider nicht sehr weit herumgekommen«, meinte sie. »Von Tübingen bis nach Meran und wieder zurück, das war schon das Höchste. Mein Mann hasste Reisen jeder Art, und jetzt, nachdem er verstorben ist, will ich auch nicht mehr fort. Nun möchte ich die fremden Länder auf andere Weise kennenlernen. Filme oder Videos möchte ich mir nicht ansehen, ich lese lieber. Es geht nichts über ein gutes Buch. Bücher können echte Freunde sein, sage ich immer!«

»Es freut mich, dass Sie so denken. Und welche Länder bevorzugen Sie?«, fragte der junge Buchhändler, der mit seinen dreißig Jahren sehr mutig den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hatte.

»Je weiter weg, desto besser«, bekam er zur Antwort. China, Australien, Neuseeland und sogar die Antarktis interessierten die Kundin, aber auch der afrikanische Kontinent und Südamerika.

Karina Sendler, die ihren Jugendfreund Markus in seinem neu gegründeten Geschäft tatkräftig unterstützte, beobachtete lächelnd, wie er der Dame im dunkelblauen Kostüm mehrere Bände vorlegte.

Die hübsche, siebenundzwanzigjährige Karina mit dem samtbraunen Haar hatte Literaturwissenschaft studiert. Sie war sich noch nicht sicher, für welchen Weg sie sich in der Zukunft entscheiden sollte.

Es gab viele Möglichkeiten, angefangen von der hochinteressanten Arbeit in einem Verlag, bis zu einer Dozentenstelle in einer Uni. Vorläufig kam ihr die Arbeit in dem geschmackvoll eingerichteten Buchladen gerade recht, und Markus war ihr für seine Hilfe sehr dankbar. Karinas Sachkenntnis, ihre Freundlichkeit und ihr Charme waren für viele Kunden ein Grund, das Geschäft in dem schönen Fachwerkhaus immer wieder aufzusuchen.

Aushilfsweise erschien an drei Tagen pro Woche von halb neun bis vier Uhr nachmittags die fleißige Gabi Winter, die früher in einer Bibliothek gearbeitet hatte. Seit zwei Jahren war sie verheiratet, aber es kriselte stark in der jungen Ehe. Meistens hatte sie verweinte Augen und musste mit viel Make-up nachhelfen, damit man ihr im Geschäft den Kummer nicht ansah.

Heute kam Gabi nicht, obwohl man sie dringend gebraucht hätte. Mehrere Kartons mit Neuerscheinungen waren eingetroffen, im Büro häuften sich die Abrechnungen, und außerdem gaben sich die Kunden regelrecht die Klinke in die Hand.

Einige wussten genau, was sie wollten, andere wiederum