Ich hole mein Smartphone aus dem Seitenfach meines Rucksacks hervor und will gerade WhatsApp aktivieren, als es an der Haustür klingelt.
Bestimmt hat Anna etwas vergessen!, schießt es mir durch den Kopf. Oder sie hat es sich anders überlegt und will doch noch eine Weile mit mir abhängen. Ich werfe das Handy aufs Bett und stürze aus dem Zimmer, doch leider ist mein Bruder schneller als ich. Als er mich bemerkt, legt er sogar noch einen Zahn zu und springt die Klinke an, als wäre er Spiderman höchstpersönlich.
»Ey, du Lappen!«, rufe ich und hechte ihm hinterher. »Das ist sowieso für mich.«
»Kannst du neuerdings durch Wände gucken?«, frotzelt Teo und reißt die Tür auf. »Oder erwartest du deinen Lover?«
»Na, das nenne ich ja mal eine stürmische Begrüßung«, freut sich Oma Berlin und strahlt zuerst Teo an und dann mich.
Sie putzt sich die Schuhe auf der Fußmatte ab und tritt in den Flur.
»Moms ist nicht da«, sagt mein Bruder. »Sie kommt freitags nie vor acht Uhr nach Hause.«
»Kein Grund, mir die Tür gleich wieder vor der Nase zuzuschlagen«, erwidert meine Großmutter.
Teo läuft knallrot an.
»Das hatte ich gar nicht vor«, verteidigt er sich.
»Sollte ja auch bloß ein Scherz sein«, meint Oma Berlin und spaziert an uns vorbei zur Garderobe. »Offenbar kommt es euch gar nicht in den Sinn, dass mein Besuch auch euch gelten könnte, hm?«
Sie nimmt ihr dünnes dunkelblaues Wolltuch ab und mustert uns mit hochgezogenen Brauen.
»Na ja«, sage ich. »Es ist ja auch schon eine ganze Weile her, dass du hier …«
»Ich weiß«, unterbricht sie mich und zieht ihre Jacke aus. Sie stopft das Tuch in den Ärmel und hängt die Jacke über einen Bügel. Anschließend zupft sie sich vor dem Spiegel ihre dichten grau gesträhnten Haare zurecht. »Und ich möchte jetzt bitte keine Vorwürfe hören.«
»Aber ich wollte doch gar nicht …«, stammele ich. »Ich finde es nämlich total okay, wenn wir zu Opa und dir kommen … und Teo bestimmt auch. Wir haben uns bloß gewundert.«
»Oh Mann!«
Mein Bruder verdreht stöhnend die Augen und stapft auf sein Zimmer zu.
»Stopp! Hiergeblieben!«, hält Oma Berlin ihn zurück. »Es mag ja sein, dass du anderer Auffassung bist als deine Schwester, aber ich habe mit euch beiden zu reden. Am besten, wir setzen uns gemütlich ins Wohnzimmer.« Sie wendet sich mir zu und streicht mir sachte über die Wange. »Emely, Schätzchen, bist du so lieb, und besorgst uns etwas zu trinken?«
»Ich hab keinen Durst«, brummt Teo. Er ändert die Richtung und stapft nun aufs Wohnzimmer zu. »Und besonders viel Zeit habe ich auch nicht.«
»Was gibt’s denn so Wichtiges am ersten Ferientag?«, fragt meine Großmutter belustigt. »Geschäfte?«
Dabei weiß sie ganz genau, wie sehr mein Bruder und ich es