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Ashley Hanes strich sich den Rock glatt und betrachtete sorgenvoll ihr Spiegelbild. Sie hatte ein höllisches Jahr hinter sich, sich ganz ihrem Studium gewidmet und nichts sonst. Sie war noch nie zuvor so erschöpft gewesen. Natürlich war sie auch noch nie zuvor so glücklich gewesen, und das eine hing mit dem anderen zusammen.
Sie hatte auch die Unabhängigkeit genossen, die das Singledasein mit sich brachte. Und heute war es definitiv wieder einmal so weit.
Denn heute Abend war sie wirklich,wirklich geil, und sie hatte ein einziges Ziel: einen Mann aufzugabeln und zu einem vollkommen zügellosen One-Night-Stand mit nach Hause zu schleppen. Seit Monaten war nichts mehr gelaufen. Sie musste das Verlangen befriedigen, bevor sie jeden Monat ein ganzes verdammtes Päckchen Mignonbatterien verbrauchte.
Das Ziel war klar. Und sie wusste genau, was sie wollte.
Also musste sie cool bleiben und sich darauf konzentrieren, einen Mann aufzureißen. Aber sie konnte sich nicht einmal aufraffen, die Toilette der Bar zu verlassen, ohne ein wenig in Panik zu geraten.
Sie hörte eine Toilettenspülung rauschen und drehte den Wasserhahn auf, um nicht den Eindruck zu erwecken, sie lungere grundlos hier herum. Die Damentoilette war eigentlich nicht groß genug, um darin abzuhängen. Sie warwinzig, genau wie die Bar. The Green Frog war ein Lokal mit einer guten Mischung aus Einheimischen und Touristen, perfekt für ihre Absicht, sich heute Nacht flachlegen zu lassen.
Aber die Rückkehr nach Rehoboth Beach – ihrer Heimatstadt – weckte viel zu viele Erinnerungen anihn. Ethan Pierce. Er war ihr bester Freund gewesen – bis zum Silvesterabend des Abschlussjahres, als er plötzlich nicht mehr mit ihr redete. Sie hatte ihn seit dem Abschluss nicht mehr gesehen, aber sie wusste, dass er über die Ferien in seinem Elternhaus in der Stadt war.
Aber war es … vielleicht … möglich, dass erhierherkommen würde?
Ihr Herz schlug schneller in der Erwartung, ihn wiederzusehen. Was würde sie dann tun? Wie würde sie reagieren? Sie wusste nicht, warum er nach all dieser Zeit immer noch eine solche Wirkung auf sie hatte. Sie wusste nur, dass er eines Tages aufgehört hatte, mit ihr zu reden.
Aufgehört hatte, sie anzusehen.
Einfachaufgehört hatte.
Jeden Tag war er mit abweisendem Gesicht im Schulflur an ihr vorbeigegangen, als seien sie nicht noch kurz vorher die besten Freunde gewesen. Sie hatte monatelang jeden Tag versucht, sich mit ihm in Verbindung zu setzen – Anrufe, E-Mails, war ihm sogar nachgeschlichen –, bis sie endlich kapiert und aufgegeben hatte. Ohne die