: Marion Alexi, Nina Gregor
: Silvia-Duett - Folge 13 Wer falschen Küssen Glauben schenkt/Dein Herz weiß nicht, was Liebe ist
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732512669
: Silvia-Duett
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 112
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Wer falschen Küssen Glauben schenkt.

Gibt es irgendwo ein schöneres Fleckchen Erde als Hartenland? Nicht für Amelie! Seit sie als Gesellschafterin der reizenden, alten Sophie Falckenberger auf deren Gut lebt, ist sie einfach nur glücklich. Nie hat sie irgendetwas vermisst, obwohl das Leben auf dem herrlichen Anwesen in fast verträumten Bahnen verläuft. Nur der Nachbar Michael Raaben sorgt dafür, dass es nicht zu still wird. Amelie schätzt den jungen Mann sehr. Allerdings hält er etwas sorgsam vor ihr verborgen: seine Gefühle für sie. Und was ist mit ihr? Amelie verdrängt jeden Gedanken an Liebe, jedes Sehnen nach Leidenschaft. Zu groß sind ihre Ängste, und das hat gute Gründe ...

Dein Herz weiß nicht, was Liebe ist.

Wage es nicht, Alexander von Wallau', flüstert die schöne Stella de Witt unhörbar, während sie jeden Schritt, jedes Lachen, jedes Wort ihres Verlobten heimlich beobachtet und registriert. Bisher hatte er nur Augen für sie, doch heute Abend ist das anders, nämlich seit diese Fremde den Ballsaal betreten hat. Stella wittert instinktiv Gefahr für ihre Beziehung zu dem jungen Gutsherrn und für ihre Pläne mit ihm. Es ist die Art, wie die beiden miteinander sprechen, wie sie einander ansehen ... 'Wage es nicht!', murmelt sie noch einmal. 'Du gehörst zu mir, und nur zu mir.' Nicht etwa, dass Stella ihn so sehr liebt - nein, sie will ihn besitzen!

Die junge Frau ritt auf das Herrenhaus zu und genoss es sichtlich, die warme Morgensonne auf der Haut zu spüren. Ihre Haare hatten sich aus dem Knoten gelöst und flatterten frei im Wind. Vor dem Grün der dicht belaubten Parkbäume und der schier endlosen Rasenflächen leuchtete die weiße Baumwollbluse, die sie zu den sandfarbenen Reithosen trug.

»Hallo!«, rief Amelie von Cahlden der alten Dame zu, die sie jetzt auf der Terrasse entdeckte. Und in ihrer ausgelassenen Stimmung winkte sie ihr so lebhaft, als hätte man sich lange nicht gesehen. Es war die Schönheit des Hauses und der Umgebung, die Amelie einmal mehr mit Freude und Bewunderung erfüllte.

Konnte es ein herrlicheres Fleckchen Erde geben als Gut Hartenland? Ach, sie war ein Glückspilz, dass sie hier leben durfte! Hatte sie nicht früher, als materielle Not sie bedrängte und sie ihre ganze Kraft aufbringen musste, um sich von den hässlichen Seiten des Lebens nicht zermürben zu lassen, sehnsüchtig von einem solchen Ort geträumt?

Amelie glitt aus dem Sattel und übergab den Braunen dem Gärtner, dem alten Karl, der bis eben die Rosen gewässert hatte. Das Pferd schnaubte und nahm den Stoff von Karls alter Jacke zwischen die Zähne, um mutwillig daran herumzuzupfen. Der Gärtner lachte gutmütig, klopfte ihm den Hals und zog den Apfel aus der Tasche, den er am frühen Morgen für den Braunen eingesteckt hatte. Erst jetzt setzte sich das Tier in Bewegung und ließ sich widerstandslos am Zügel in Richtung Stall führen.

»Ist es nicht ein himmlischer Tag?« Amelie streifte die Reithandschuhe ab und stieg die wenigen Stufen zur Terrasse empor, wo sie die alte Dame mit einem strahlenden Lächeln begrüßte.

Sophie Falckenberger nickte zustimmend. »Deshalb habe ich hier draußen auf der Terrasse aufdecken lassen, wo es viel luftiger ist als drinnen. Es ist Ihnen hoffentlich recht.«

»Sehr sogar, eine gute Idee!« Als Amelie am Frühstückstisch Platz nahm, entdeckte sie das hübsch verpackte Kästchen auf ihrem Teller. Verdutzt betrachtete sie es.

»Das ist für Sie, meine Liebe.« Die alte Dame lächelte verschmitzt und gab der im Hintergrund wartenden Haushälterin das verabredete Zeichen, jetzt den Kaffee zu bringen.

»Für mich?«, fragte Amelie überrascht, während Maria die beiden Damen mit heißem, herrlich aromatischem Kaffee versorgte und sich anschließend am Tisch aufbaute.

»Tja«, sagte Sophie Falckenberger, »ich wollte auch bloß gratulieren …«

»Mir etwa?« Amelie lachte etwas verunsichert. »Ich fürchte, da liegt ein Irrtum vor, denn ich habe heute nicht Geburtstag.«

»Ich weiß.« Sophie Falckenberger sah sie wohlwollend an. »Trotzdem gibt es etwas zu feiern, ein sehr wichtiges Jubiläum sogar.«

Die junge Frau mit den feinen, regelmäßigen Gesichtszügen zog die Brauen zusammen und wirkte ratlos. Was übrigens bei ihr, der gewandten Amelie, die als so umsichtig und als Meisterin der Organisation und Improvisation galt, sehr selten vorkam.

»Meine besten Glückwünsche«, bemerkte Maria herzlich. Und dann knickste sie noch, wie man es ihr vor vielen, vielen Jahren beigebracht hatte und zog sich zurück.

»Mögen die nächsten fünf Jahre genauso angenehm verlaufen wie die, die hinter uns liegen«, erklärte die alte Dame mit einem wohlwollenden Nicken.

Amelie begriff. »Tatsächlich!«, rief sie verblüfft, und ihre Miene hellte sich au