: Álvaro Enrigue
: Aufschlag Caravaggio
: Karl Blessing Verlag
: 9783641164447
: 1
: CHF 2.70
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: Erzählende Literatur
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Einzigartig, originell, unbekümmert um alle Konventionen

Francisco de Quevedo, genialer Poet und berüchtigter Rauf- und Trunkenbold, befindet sich auf der Flucht vor der spanischen Justiz, als er in Rom auf den italienischen Maler Caravaggio trifft. Eine gemeinsam durchzechte Nacht endet im Streit, und um seine Ehre wiederherzustellen, fordert Quevedo den Künstler heraus – doch nicht zu einem Duell mit Waffen, sondern zu einer Tennispartie, die zur Metapher wird für den Wettstreit der beiden Supermächte der Spätrenaissance: Italien und Spanien. Ein furioser Zweikampf mit weitreichenden Folgen.

Frei von jeder Bildungshuberei entführt uns Álvaro Enrigue mit diesem Roman hinein in die Welt der Geschichte, der Kunst und der stürmischen Entwicklungen, die uns in die Moderne schleudern sollten. Ein kurzweiliges und überraschendes Lesevergnügen in der Tradition von Umberto Eco und Italo Calvino.

Álvaro Enrigue, geboren 1969 in Guadalajara, studierte in Mexico City Kommunikationswissenschaften, lehrte anschließend Literatur des 20. Jahrhunderts und promovierte an der University of Maryland. Seit seinem 1996 erschienen Debüt »La muerte de un instalador« gehört er zu den wichtigsten iberoamerikanischen Gegenwartsautoren und gilt als der bedeutendste mexikanische Autor seiner Generation. Seine Werke sind preisgekrönt und wurden in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt erschienen im Blessing Verlag »Aufschlag Caravaggio« (2015), »Jetzt ergebe ich mich, und das ist alles« (2021) und »Von Königreichen hast du geträumt« (2023). Álvaro Enrigue lebt in New York.

Erster Satz, zweites Spiel

Bevor die nächste Runde begann, ging der Spanier erneut zu seinem Kampfrichter. »Der Kerl hat Kraft, und er kenntdas Spielfeld genau«, sagte der Adlige, »den ersten Punkt hast du gewonnen, weil er dir nichts zugetraut hat.« – »Ich bin jünger als er«, erwiderte der Dichter, »was die Kraft angeht, kannich mithalten.« – »Aber eines deiner Beine ist kürzer als dasandere.« – »Damit kann ich ihn überraschen.« – »Doppeltanstrengen musst du dich trotzdem.« – »Soll ich weiter vorn spielen?« – »Mit seinen langen Linienbällen macht er dich fertig.« – »Die geb ich ihm volley zurück.« – »Das ist zu riskant, besser, du spielst auf Zeit, dass er nicht viel Energie hat, merkt man ihm an. Immer Punkt für Punkt: hinten, vorn, dann in die Ecken.« Der Dichter schnaubte, wischte sich den Schweiß von der Stirn, stemmte die Arme in die Hüften und sah zu Boden, als wartete er auf genauere Anweisungen. Hätte er nicht einen solchen Kater gehabt, hätte er womöglich größere Hoffnungen in den erfolgreichen Ausgang der Partie gesetzt. »Eng wird es auf jeden Fall«, sagte er dann. »Du kannst auch zurückziehen«, erwiderte der Adlige, »das mit dem Duell war deine Idee.« Der Dichter sah weiterhin zu Boden. »Oder wir machen mit dem Schwert weiter, dann ist die Sache schnell erledigt.« Der Herzog schüttelte den Kopf. »Nicht schon wieder Ärger. Außerdem ist der Kerl mit dem Schwert ein alter Hase.« Der Dichter knurrte: »Bisher habe ich noch nie verloren.« – »Eben darum.« – »Na gut, Punkt für Punkt also.« Bevor er aufs Feld zurückkehrte, sagte er noch: »Hast du gemerkt, dass die überhaupt nicht miteinander sprechen?« – »Wer?« – »Er und sein Gönner.« Der Herzog schien dem keine Bedeutung beizumessen. »Na und? Gestern Abend haben sie sich auch nicht unterhalten, ich glaub, die sind nicht mal befreundet, sieh sie dir doch an.« Der Gegner des Dichters war noch kein einziges Mal an die Galerie getreten. Und der Mathematiker schien ganz und gar in die Betrachtung der vor ihm durch die Luft schwebenden Staubteilchen versunken.

Der Spanier und sein Kampfrichter wandten den Blick wieder dem Mann aus der Lombardei zu. Dass der so ernst dreinblickte, verhieß nichts Gutes. Er wirkte nicht mehr so selbstsicherwie zu Beginn, aber genau das spornte offensichtlich seinen Ehrgeiz an. Es ging nicht mehr um Leben oder Tod, sondern um Sieg oder Niederlage, die Angelegenheit war also wesentlichschwerwiegender und komplizierter, schließlich braucht, wer im Duell mit dem Schwert unterliegt, sich danach keine Gedanken mehr zu machen.

Der Dichter nahm seinen Widersacher genauer in Augenschein. Er war leichenblass und sein pechschwarzes Haar völlig zerzaust. Er hatte buschige Brauen und einen üppigen, ungepflegten Vollbart rings um einen dunkelroten Mund, der an eine weibliche Scham erinnerte. Der Dichter kniff die Augen zusammen, um den anderen noch besser in den Blick zu bekommen. Er war stark und von kräftiger Statur, wie ein Soldat, so sehr er ansonsten den Anschein eines von allen möglichen körperlichen Übeln geplagten Menschen machte. Ein Gefallener aus den Reihen eines neapolitanischen Infanterieregiments, der auf die Erde zurückgekehrt war, um eine letzte Partie Tennis zu spielen und den Lebenden dabei was auch immer zu beweisen. »Ob der immer so fertig aussieht, oder liegt es am Kater?«, fragte der Dichter den Herzog. »Wer?« – »Der Künstler.« – »Ich weiß nicht, mich interessiert eher sein Kampfrichter, sieh dir den doch mal genauer an.« Der Mathem