: Peter Mayle
: Eine korsische Gaunerei
: Karl Blessing Verlag
: 9783641164355
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Russen kommen! Doch haben sie eine Chance gegen Peter Mayles Charme?

In seinem luxuriösen Palais auf einem Hügel über der Bucht von Marseille wartet Francis Reboul auf Sam Levitt. Als der Rechtsanwalt mit dem ausgeprägten detektivischen Spürsinn und dem Hang zu unkonventionellen Ermittlungen zusammen mit seiner Freundin Elena Morales aus Kalifornien endlich eintrifft, wartet Arbeit auf ihn. Denn ein Oligarch namens Oleg Vronsky ist in der Bucht mit seiner Luxusjacht vor Anker gegangen und observiert das Palais von Reboul. Immer dreister werden seine Versuche, den Franzosen zum Verkauf des historischen Gebäudes zu bewegen: Er schaltet sogar die korsische Mafia ein. Offenbar würde er auch vor einem Auftragsmord nicht zurückschrecken. Doch Sam Levitt heckt einen Gegenplan aus, der es in sich hat ...

Farbig und charmant beschwört Peter Mayle den Zauber der mediterranen Welt und entführt uns in ein Marseille und ein Korsika zum Erschrecken und zum Verlieben.

Peter Mayle wurde 1939 in Brighton geboren. Er war Kellner, Busfahrer und erfolgreicher Werbetexter, bevor er 1975 dauerhaft in die Provence zog und Schriftsteller wurde. Seine Bücher wie"Ein guter Jahrgang" (Blessing, 2004) wurden internationale Bestseller. Mit"Ein diebisches Vergnügen" (Blessing, 2010) begann Peter Mayle eine neue Serie um den mit detektivischen Fähigkeiten ausgestatteten Anwalt Sam Levitt und seine Freundin Elena Morales.

1. KAPITEL

Francis Reboul saß in der Sonne und war gänzlich in dieBetrachtung seines Frühstücks vertieft: einem Schnapsglasmit Olivenöl, nativ und extra vergine, von dem die Franzosen steif und fest behaupten, es sei ein Segen für menschliche Verdauungsprozesse allerArt, gefolgt von einer großen Schalecafé crèmeund einem Croissant von so außerordentlicher Leichtigkeit, dass es beim kleinsten Windstoß vom Teller abzuheben drohte. Von der Terrasse aus überblickte er die schimmernde, unendliche Weite des frühmorgendlichenMittelmeers, das sich ultramarin bis zum Horizont erstreckte.

Das Leben präsentierte sich von seiner Sonnenseite. Sam Levitt und Elena Morales, seine Freunde und Weggefährten bei früheren Abenteuern, würden im Verlauf des Tages aus Kalifornien eintreffen, um einen ausgedehnten Urlaub imSüden Frankreichs zu verbringen. Sie planten, rund um Korsika zu segeln, dann Saint-Tropez anzusteuern, wo sie vor Anker gehen würden, um ein paar Tage auf Rebouls Gestüt in der Camargue auszuspannen. Natürlich wollten sie auch ihre Bekanntschaft mit den Gourmettempeln von Marseille auffrischen. Es war ein Jahr her, seit er seine Freunde das letzte Mal gesehen hatte – ein ereignisreiches Jahr –, und es gab viel zu erzählen und nachzuholen.

Reboul legte die Zeitung beiseite und kniff die Augen zusammen, um sie gegen das grelle, vom Wasser reflektierteSonnenlicht zu schützen. Eine Reihe kleiner Segelboote nahm gemächlich Kurs auf die Frioul-Inseln, das zerklüftete, Marseille vorgelagerte Archipel aus Kalkfelsen, geformt von dem Mistralwind. Ihr bizarres Relief ließ auch aus der Ferne erahnen, dass diese Insel einst mit dem Festland verbunden gewesen war. Während er sie betrachtete, wurde seine Aufmerksamkeit von einem Schatten abgelenkt, der hinter der Landzunge auftauchte. Allmählich nahm er Konturen an und wurde größer. Erheblich größer. Es war eine Luxusyacht von ungewöhnlichen Dimensionen – an die hundert Meterlang, windschnittig und dunkelblau, mit vier Decks, Radarausrüstung, dem obligatorischen Hubschrauber, auf seinem Landeplatz im Heck festgezurrt. Diese Yacht war nicht etwa mit einem Dingi versehen, sondern hatte, wenn er es richtig sah, zwei superschnelle Riva-Beiboote im Schlepptau. Diese eleganten Sportboote – schon Onassis, Sean Connery oder Brigitte Bardot hatten sich nur mit dieser Marke über die Wellen tragen lassen – hatten Armaturen aus Mahagoni und Sitze aus bestem Leder. Mit ihren Windschutzscheiben, dem vielen Chrom und dem perfekt modellierten Gashebel erinnerten sie an amerikanische Straßenkreuzer.

Jetzt befand sich die Yacht unmittelbar vor Francis Reboul, keine dreihundert bis vierhundert Meter vom Ufer entfernt. Sie drosselte die Fahrt, kam allmählich zum Stillstand. Winzige Gestalten erschienen auf dem Oberdeck, die ihn anzustarren schienen. Im Laufe der Jahre hatte er sich an diese Form der Begutachtung durch vorbeidriftende Seefahrer mehr oder weniger gewöhnt. Sein Wohnsitz, das Palais du Pharo, im 19. Jahrhundert als Sommerresidenz für NapoleonIII. erbaut, dann lange als Medizinschule genutzt, war nun einmal das größte private Anwesen in Marseille, und das imposanteste. Früher hatte diese Landzunge Tête de Mare geheißen, und Pharo bezeichnete eigentlich die kleine Bucht weiter westlich. Alles, was auf dem Wasser kreuchte und fleuchte, vom E