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UNSER GAST
4. Juni 2122
Ripley hatte um die Krankenstation derNOSTROMO lange Zeit einen großen Bogen gemacht. Die weißen Wände und die grelle Beleuchtung verjagten selbst den kleinsten Schatten, und die Luft war ständig vom elektrischen Summen diverser medizinischer Apparate erfüllt.
Als dritte Offizierin derNOSTROMO verbrachte sie den Großteil ihrer Zeit im grauen Zwielicht der Raumschiffkorridore und Schotts, wo nur flackernde Neonlichter die Dunkelheit in Schach hielten. Schon seltsam – sie war auf so vielen Schiffen gereist, dass ihr die Schatten vertrauter gewesen waren als das Licht.
Doch all das hatte sich geändert.
DieNOSTROMO war mit zwanzig Millionen Tonnen Roherz durch das Zeta2-Reticuli-System in Richtung Erde geflogen, als der Bordcomputer – auch »Mutter« genannt – ein Notrufsignal von einem Planetoiden namensLV-426 aufgefangen hatte. Kurz darauf hatte er die Crew aus dem Hyperschlaf geweckt und ihr befohlen, dem Ursprung des Signals auf den Grund zu gehen.
Ripley war diese Anweisung von Anfang an suspekt gewesen. Sie waren weder Planetenforscher noch Kolonisten; so etwas gehörte nicht zu ihrem Aufgabenbereich.
Aber Befehl war Befehl. Kapitän Dallas hatte sie daran erinnert, dass allein der Konzern darüber entschied, was zu ihrem »Aufgabenbereich« gehörte und was nicht. Also hatten sie nachgeforscht.
Nach der Landung hatte Dallas mit seinem Ersten Offizier Kane und der Navigationsoffizierin Lambert die Planetenoberfläche betreten und sich auf die Suche nach der Quelle des Signals gemacht. Sie fanden ein verlassenes Raumschiff, das definitiv nicht menschlichen Ursprungs sein konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatten bei Ripley alle Alarmglocken geklingelt. Zum einen hatten sie keine Ahnung, welche Gefahren in dem Schiff auf sie lauerten, zum anderen waren der Kapitän, der Erste Offizier und die Pilotin die falsche Besetzung für eine solche Expedition.
Sie liefen direkt in einen Albtraum.
Danach fühlte Ripley sich in den Schatten derNOSTROMO nicht mehr so wohl wie zuvor. Jetzt hielt sie sich so oft wie möglich in der Krankenstation auf – nicht etwa, weil sie ärztliche Hilfe gebraucht hätte, sondern wegen der guten Beleuchtung. Die Krankenstation war Ashs Reich – der wissenschaftliche Offizier des Schiffs, der sie mit seiner Überheblichkeit regelmäßig auf die Palme brachte. Manchmal hat