: Robyn Young
: König des Schicksals Historischer Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641173920
: Robert The Bruce
: 1
: CHF 8.90
:
: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 640
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn Menschen zu Legenden werden, wird Geschichte neu geschrieben

Robert Bruce hat sein Ziel erreicht: Er ist der gekrönte König Schottlands. Doch er hat den Zorn Edwards von England auf sich gezogen. Unter dem gefürchteten Drachenbanner zieht Edward in den Norden, entschlossen, Schottland zurückzuerobern. Die Engländer sind nicht Roberts einzige Feinde. Nach dem Mord an seinem Rivalen John Comyn hat sich das Reich geteilt, seine Truppen sind erschöpft und viele seiner Männer haben sich gegen ihn gestellt. Bruce hat die Krone, doch er hat kein Reich, er hat den Willen, ein Anführer zu sein, doch er hat keine Autorität mehr. Sein Ziel ist es nun, sich den Respekt seiner Nation zurückzuverdienen …

Mit ihrem Debüt »Die Blutschrift« gelang der Britin Robyn Young in Großbritannien und den USA ein großartiger Durchbruch, der sie auf die Bestsellerlisten schnellen ließ. Geboren 1975 in Oxford, begann sie schon früh, Gedichte und Kurzgeschichten zu schreiben. Aber erst während eines Seminars in Kreativem Schreiben fand sie den Mut, ihre Ideen für einen Roman zu Papier zu bringen. Heute lebt Robyn Young in Brighton, und wenn sie nicht gerade an einer Trilogie schreibt, unterrichtet sie Kreatives Schreiben an verschiedenen Colleges.

Lochmaben, Schottland,
(A.D. 1292)

Sie brachen auf, während die Abenddämmerung den Tag des letzten Lichts beraubte. In der trüben Novemberdüsterkeit wirkten die von Kapuzen beschatteten Gesichter der Männer bleich. Nur wenige sprachen bei der Arbeit, Träger wuchteten Truhen auf Karren, Knappen überprüften die Geschirre der Zugpferde, huschten zwischen den Rittern umher, die bereits auf ihren Pferden saßen, zurrten Sattelgurte fest und rückten Steigbügel zurecht. Ihre durch die Kälte starr gewordenen Finger kämpften mit den Schnallen. Die Luft war regenverhangen, verdunkelte die Strohdächer der hölzernen Gebäude, die sich im Burghof drängten, und verwandelten den Hof in einen glitschigen Morast aus Pferdemist, Erde und verrottenden Blättern.

Robert, der sich Uathachs Leine um die zur Faust geballte Hand geschlungen hatte, verfolgte die Vorbereitungen. Vor einer Woche hatte es hier von Lords und ihren Gefolgen gewimmelt, die sich zu dem Fest einfanden, der Hof war von Stimmen und Gelächter erfüllt gewesen, und aus der Halle seines Großvaters war Musik und Feuerschein geströmt. Vor einer Woche hatte er diesen Hof mit Eva durchquert, ihre Röcke hatten an seiner Seite geraschelt, und die eisige Kälte hatte die weinselige Röte aus seinem Gesicht vertrieben. Doch dann war die Nachricht eingetroffen, angekündigt vom Klirren der eisenbeschlagenen Hufe und ausgespien von den Mündern der Boten; vier Worte, die alles verändert hatten.

John Balliol wird König.

War das erst eine Woche her? Es kam ihm viel länger vor.

Robert blickte sich um, als zwei mit einem Weidenkorb, aus dem hastig zusammengepackte Kleidungsstücke heraushingen, beladene Diener aus dem Gebäude hinter ihm stolperten. Uathach sprang bellend auf sie zu, wurde jedoch durch einen scharfen Ruck an der Leine zurückgezogen. Der Welpe lehnte sich gegen Roberts Stiefel und blickte fragend zu seinem ausdruckslosen Gesicht auf. Als die Diener auf den Karren zusteuerten, bemerkte Robert, dass etwas aus dem Korb gefallen war, etwas Weißes, das zerknüllt auf dem dunklen Boden lag. Er ging hinüber und hob es auf. Es war ein jetzt schlammverschmierter Schleier seiner Mutter. Als er hinter sich eine sanfte, über das Krachen und Kratzen der Truhen, die verladen wurden, hinweg kaum vernehmbare Stimme hörte, drehte er sich um.

Gräfin Marjorie lächelte, als sie auf ihn zutrat und eine kühle Hand über die seine mit dem schmutzigen Schleier darin legte. »Agnes wird sich darum kümmern.«

Im vergangenen Jahr war Robert in die Höhe geschossen und überragte dank dieses plötzlichen Wachstumsschubs seine einst so imposante Mutter, die zur selben Zeit geschrumpft zu sein schien. Sie versank förmlich in ihrem pelzbesetzten Reiseumhang, und als er jetzt auf sie hinunterschaute, kam er sich vor wie ein Riese; seine vom Umgang mit dem Schwert schwieligen Hände ließen die ihren fast zwergenhaft erscheinen, und seine muskelbepackten Arme vermochten ihre schmale Gestalt zu zermalmen. Er dachte an die wässrigen Blutflecken auf den Laken, die er Agnes, ihre Wäscherin, früher am Nachmittag aus der Kammer hatte tragen sehen. »Das ist Wahnsinn«, murmelte er. »Bleib hier. Wenigstens über Nacht.«

Marjories Lächeln verblasste. Ihre Brauen zogen sich zusammen, al