Mit kräftigen Armschlägen schwamm ich immer weiter in die Tiefe. Der Widerstand des Wassers gab mir das Gefühl, durch Honig zu pflügen. Meine Lungen wollten platzen. Meter für Meter kämpfte ich mich voran. Ein Hustenreiz, den ich kaum noch unterdrücken konnte, stieg mir die Kehle hoch. Ich musste auftauchen. Ich brauchte Luft! Wo war der Ausgang? Mein Orientierungssinn wurde hysterisch, und ich gleich mit.
Die Augenlider zusammengepresst schoss ich wie ein Torpedo in die Höhe. Nach Atem ringend durchstieß ich die Wasseroberfläche und blinzelte desorientiert. War ich weit genug getaucht? Oder sogar schon über die verlangte Marke hinaus? Dann wären die anderen Teilnehmer bestimmt sprachlos am Beckenrand neben mir hergeeilt.
Oh! Sie hatten tatsächlich an Land meinen Tauchweg verfolgt. Ich sah eine Gruppe Beine und ein Mopsgesicht, das mich anbellte. Auf den Fliesen stand allerdings das gesamte Equipment des Tauchkurses. Dort, wo es eben auch gestanden hatte. War ich im Kreis geschwommen? Mein Blick wanderte von den Füßen der Gruppe die Beine hinauf nach oben. Ich schaute in lachende Gesichter. Genauer gesagt in Gesichter von Menschen, die sich krümmten vor Lachen.
„Mensch, Kay. Das war ja eine Leistung! Du bist die erste Teilnehmerin, die beim Langstreckentauchen keinen einzigen Meter geschafft hat“, rief mir Nick, der Tauchlehrer, zu. Während er sprach, tanzten seine Grübchen über die Wangen. Er sah aus wie ein erfolgreicher Heiratsschwindler, aber er war wohl früher ein bekannter Extremtaucher gewesen. Eigentlich hieß er Rainer, wurde aber von allen Nick genannt – nach Nick Nolte, dem Hauptdarsteller des Taucherfilms „Die Tiefe“. Am ersten Tag hatte er mit einem Blick auf meine Figur angemerkt, dass ich nur noch sehr knapp in Größe M passen würde. Da hätte ich gehen sollen. Tauchkurs und Golfkurs standen nicht in meinem Lebensbuch.
Ich wischte mir das Wasser aus dem Gesicht, um Zeit für eine Antwort zu finden. Keinen Meter? Ich war doch geschwommen wie eine Nixe! Leider konnte ich unter Wasser die Augen nicht aufmachen. Schon in der Schule war ich im Schwimmen eine Niete gewesen. Den Freischwimmer hatte ich nur erworben, weil ich sonst nicht in die nächste Klasse versetzt worden wäre. Dabei hätte mir persönlich das Seepferdchen-Abzeichen völlig ausgereicht. Zumal ich die Ringe, die ich bei der Seepferdchen-Prüfung vom Boden des Schwimmbeckens hochholen sollte, nur durch Tasten gefunden hatte. Nun klammerte ich mich an den Rand eines riesigen Olympia-Beckens und alle lachten. Sogar Bernd, mein Leih-Mops, bellte mit. Der hätte eigentlich meine Ausrede sein sollen, dass ich auf keinen Fall diesen Kurs antreten wollte. Hunde durften niemals in Schwimmanlagen. Das galt als unhygienisch. Sascha hatte leider an alles gedacht. Das Schwimmbad war in privater Trägerschaft und die Saison vorbei. Es würde nur noch der Tauchkurs stattfinden, und dann sollte es