: Reinhard Kriese
: Eden City, die Stadt des Vergessens
: Neues Leben
: 9783355500227
: 1
: CHF 7.10
:
: Science Fiction
: German
: 264
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eden City ist eine Bunkerwelt in den Rocky Mountains, in die sich die Urheber eines Atomschlages zurückgezogen haben. Seither sind viele Jahre vergangen, fast alles ist in Vergessenheit geraten. Eine strenge Hierarchie bringt die genetisch manipulierten Einwohner Eden Citys in eine verhängnisvolle Lage. Dana und Ral gehören mit ihren Gefährten zu den wenigen, die einen Ausweg suchen und das Vergessen überwinden wollen.

Reinhard Kriese, geboren 1954 in Weißenfels, war nach Abitur und Studium mit dem Abschluss Diplomingenieur langjährig als Konstrukteur tätig. Sein schriftstellerisches Debüt gelang ihm 1985 mit dem Roman 'Eden-City, Stadt des Vergessens'. Es folgte wenige Jahre später der Sience-Fiction-Roman 'Mission SETA II'. Nach der Wende arbeitete Reinhard Kriese als Beratungsingenieur im Außendienst. Er ist verheiratet und hat einen Sohn.

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Der Gong ertönte. »Ich wünsche Ihnen einen guten Morgen und beste Effektivität.« Wie Glockenschläge drangen die Worte der Weckautomaten aus der Membran.

Ral lag auf einer elastischen Schlafliege, die seinen Körper aufnahm, als versänke er in weichen Daunen. Er rekelte sich und gähnte genußvoll, ehe er sich erhob, um die Automatik abzuschalten, die sonst in den nächsten zehn Minuten ihren Text immer wieder von sich geben würde. Ral hatte nichts gegen die Weckautomatik, die sich jede Woche einer anderen Stimme bediente. Aber ihm ging ihr monotones Gesäusel dann doch auf die Nerven. Da gefiel ihm das morgendliche Plate-Programm von Eden-TV schon besser. Das brachte ihn wenigstens auf andere Gedanken und ließ ihn nicht länger grübeln.

Er wußte, daß er gut war. Seine Arbeit befriedigte ihn zwar nicht immer, oftmals langweilte er sich sogar, aber Pflichterfüllung lag ihm nun mal im Blut, und es hatte sich bisher ja auch gelohnt, einer der Besten zu sein. Lebte er nicht bedeutend besser als die meisten anderen TC? Er nannte ein Appartement sein eigen, das sich sehen lassen konnte. Stolz blickte er sich im Zimmer um. Da waren die nagelneue Liege oder auch der zwei Meter mal zwei Meter große TV-Plate mit hervorragender Farbwiedergabe, gar nicht zu reden von der Duschkabine mit ihrer prickelnden Frische, die so wohltat.

Seine Wohneinheit bestand aus einem Wohnraum und einer Serviceeinheit. Das wichtigste war jedoch der Kontaktblock ­ auch eine Sonderzuteilung. Er enthielt einige Rückinformationsbereiche, zum Beispiel den Kopulationsvollzugsmelder, bestand aber eigentlich nur aus Programmbereichen mit einem kleinen Schlitz daneben, in den der Eigentümer seine Kennmarke steckte. Nach einem Knopfdruck konnte er den gewünschten Artikel der Ausgabebox entnehmen. Jeder TC trug seine Kennmarke an einem Kettchen um den Hals, denn was war ein TC ohne Marke – noch weniger als ein SC! TC war die allgemeingültige Abkürzung für Thinking Clons, die denkenden Clons.

Ral konnte sich immerhin zehn verschiedene Speisen und fünf verschiedene Getränke auswählen, und wer sonst vermochte das schon? Einmal war er bei einer TC des Sektors L gewesen, deren Kontaktblock nur zwei Speisen und ein Getränk auswies. Höchstwahrscheinlich uneffektiv die Dame, ähnlich wie bei der Kopulation. Nun ja, es war auch fast eine Strafe, im Abfallsektor L, Last Station, zu arbeiten. Wie der Great Calculator auf die gekommen war, wußte er sich bis heute nicht zu erklären.

An und für sich gab es für ihn keinen Grund, mit dem Great Calculator unzufrieden zu sein. Die Kopulationsanweisungen erreichten ihn ebenso regelmäßig wie die Worte der morgendlichen Weckautomatik, und welcher TC konnte das schon von sich sagen? Es lag an jedem selbst, aus dem Leben was zu machen. Jeder wußte, daß die Arbeitsplatzkontrolle alle Handgriffe exakt registrierte und analysierte, um festzustellen, ob effektiv gearbeitet wurde oder nicht. Ebenso war bekannt, daß das Punktekonto bei Effektivität wuchs und bei Uneffek