Kapitel 1
„Theda! Theda, komm her und hilf deinem Vater, die Milchkannen aufzuladen! Ist es denn so schwer, deinen Eltern eine Hilfe zu sein?“
Schwungvoll stieß Theda die Forke, mit der sie gerade noch frische Einstreu für die Kälber verteilt hatte, in den Heuhaufen und brüllte zur Stalltür hinaus:
„Für mich nicht! Ich bin seit fünf Uhr auf den Beinen und tue nichts Anderes! Aber warum kann Mattis sich nicht auch einmal nützlich machen?“
„Dein Bruder hilft unserem Nachbarn beim Aufstellen der Weidezäune", brüllte ihr Vater genauso laut zurück."Also lass dich nicht lange bitten, Mädchen und pack endlich mit an!“
Theda seufzte ärgerlich, stapfte die Stallgasse entlang und zupfte sich dabei mit beiden Händen Heureste aus ihrem schulterlangen, braunen Haar. Laut knallten ihre Holzschuhe auf den Bodendielen.
„Guck dich nur mal an, wie du wieder aussiehst. Als ob du im Stall geschlafen hättest. Du weißt, was deine Mutter dazu sagen wird, wenn sie dich ohne Haube und mit Heu in den Haaren erwischt.“
Theda holte gerade Luft, um ihrem Vater die passende Antwort zu geben, verstummte aber, als ihr Blick von den vielen Milchkannen neben dem Leiterwagen zu ihrem Vater wanderte, der an einem ganz normalen Arbeitstag sein bestes Hemd und auffallend saubere Beinkleider trug.
Matthias Barrer war ein stattlicher Mann, groß und breitschultrig und einer der reichsten Milchbauern im Dorf. Doch, dass er im Sonntagsstaat die Milch auslieferte war eher ungewöhnlich.
Theda krauste ihr kleines Stupsnäschen und stemmte die Hände in die schlanke Taille.
„Du verrätst mir auf der Stelle, wo diese Fuhre hingeht, oder du kannst die schweren Kannen allein aufladen.“
„Freche Göre! Wie kommst du darauf, dass dich das irgendetwas angeht?“ Seine Stimme klang streng, doch seine Augen lachten.
Theda grinste spitzbübisch wurde jedoch ernst, als ihre Mutter, mehrere in Tücher eingeschlagene Käseleiber auf dem Arm, durch die Tür des Wohnhauses trat und sich mit schnellen Schritten näherte. Mit der Mutter war nicht gut Kirschen essen.
„Theda! Sieh dich nur an! Sofort gehst du ins Haus und setzt deine Haube auf! Und beeile dich! Dein Vater braucht eine helfende Hand!“
Dem Vater zu widersprechen war Eines, der Mutter jedoch etwas völlig Anderes. Nicht, dass Theda ihr nicht dennoch gerne widersprochen hätte. Doch in diesem Moment hätte ein Streit mit der Mutter nur dem Vater die gute Laune verdorben und das war nicht in Thedas Sinne. Und so klapperte Theda