: Tessa Philipp, Isa Halberg
: Silvia-Duett - Folge 07 Zwischen zwei Feuern/Wegen unüberwindlicher Zuneigung
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732509539
: Silvia-Duett
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Zwischen zwei Feuern:

Ein Sommertag in der Heide. Wie verwunschen liegt die Landschaft in der Glut der Mittagshitze. Und wie eine Fee aus einem Märchen erscheint dem Wanderer die einsame Frau im Gras. Gefühle werden wach, Träume für wenige Stunden Wirklichkeit. Dann - vorbei. Zwei Menschen trennen sich, kehren namenlos in ihre Welt zurück. Aber in Isabels wie auch in Timos Herzen lebt der andere weiter. Und mit dieser Sehnsucht im Herzen gibt Isabel einem Mann ihr Jawort, der dem Fremden aus der Heide ähnlich sieht - und doch ganz anders ist. Bis sie dann eines Tages zwischen zwei Brüdern steht, die sich zutiefst hassen ...

Wegen unüberwindlicher Zuneigung:

Wild trommelt Carl Schuster gegen die Tür. Mein Gott, sie ist doch im Laden, warum öffnet sie nicht? Es geht um ihr Leben! Nebenan brennt alles lichterloh, und sie ist in höchster Gefahr.

Paulette Fischer, die Besitzerin der Wollboutique, entschließt sich nur zögerlich, jetzt nach Ladenschluss noch die Tür zu öffnen. Und danach läuft alles wie ein zu schnell gedrehter Film ab: die Versuche, von ihrem Geschäft zu retten, was zu retten ist, der Einsatz der Feuerwehr - und mitten in dem Chaos der Mann, dem sie ihr Leben verdankt. Allerdings ist er nicht der gute Mensch, für den sie in dieser Situation hält ...

Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

Strahlende Augustsonne ließ das lilafarbene Heidekraut in einem goldenen Licht leuchten. Dazwischen setzten die dunkelgrünen Wacholder einzigartige Farbakzente.

Vom Wilseder Berg, einer fast einhundertsiebzig Meter hohen Erhebung mitten in der Lüneburger Heide, schaute Isabel Weichsler wie verzaubert in den sogenannten Totengrund hinab, in dem dicht an dicht die Wacholderbüsche standen.

Einige waren schon uralt und bildeten seltsam verzweigte Formen, dazwischen wuchsen frische zartgrüne Wacholdersetzlinge, die einen wunderbaren Kontrast bildeten.

Ein Summen lag über dem sandigen Grund, ungezählte Bienen waren unterwegs, um Nektar für Honig zu sammeln.

Jetzt, um die Mittagszeit, war es still, die meisten Wanderer und Ausflügler saßen beim Essen in einem der gemütlichen Heidelokale.

Isabel genoss die Ruhe. Sie begann zu träumen, als sie in das grüne, von der Sonnenhitze flirrende Tal hinabblickte.

Es gab so viele Sagen und Märchen, die sich um dieses Gebiet rankten, von Elfen, Zwergen und Heidegeistern.

»Es ist wunderschön, nicht wahr?«, fragte wie aus dem Nichts eine Stimme hinter ihr.

Isabel schrak heftig zusammen und fuhr herum.

»Mein Gott«, sagte sie und atmete erleichtert auf. »Haben Sie mich erschreckt! Einen Moment lang habe ich wirklich geglaubt …«

Sie hielt inne und warf einen Blick auf den jungen Mann, der unbemerkt näher gekommen war.

»Was haben Sie geglaubt?«, fragte der große, schlanke Fremde und musterte sie belustigt aus klaren, blauen Augen. »Am Ende haben Sie mich mit irgend so einem Heidegeist verwechselt, der sich heimlich anschleicht. Die sollen ja hier ihr Unwesen treiben. Aber vielleicht bin ich sogar der Elfenkönig?«

Isabel musste lachen. »Na ja, das wäre gar nicht so übel, aber eigentlich sehen Sie nicht danach aus. Sie kommen mir doch sehr real vor. Aber recht haben Sie schon. Ich habe Sie nicht kommen gehört …«

»… und da dachten Sie, ich sei ein Wesen aus einer anderen Welt«, scherzte der junge Mann.

Tatsächlich sah er in seiner sportlichen Kleidung, Jeans und dunkler Lederjacke doch sehr diesseitig aus.

Ein leichter Wind bewegte seine lockigen, haselnussbraunen Haare, die er etwas länger trug.

Strahlend lächelte der Mann die hübsche Isabel an.

»Wollen Sie da hinunter, in den Totengrund? Da kann man sich verlaufen. Sie sollten aufpassen. Leider kann ich Sie nicht begleiten, ich bin mit ein paar Freunden hier. Wir haben Fahrräder gemietet. Sie warten auf mich am Wilseder Heimatmuseum. Ich hab mich bloß mal kurz abgesetzt, um ein Stück zu Fuß zu gehen. Und es hat sich gelohnt, wie ich sehe. Sonst hätte ich Sie nicht hier getroffen …«

»Also, wissen Sie!« Isabel lachte. »Sie tauchen aus dem Nichts auf und raspeln Süßholz! Was s