Die Tür flog mit einem heftigen Knall ins Schloss und ließ die Fensterscheiben klirren.
Erwin Fürst von Rothenstein, der im ledernen Klubsessel im Herrenzimmer saß, hob den Kopf und blickte seiner Adoptivtochter unwillig entgegen.
»Lauter geht es wohl nicht mehr, Sandra«, rügte er.
Sandra, Prinzessin von Rothenstein, antwortete nicht. Mürrisch ließ sie sich auf die Couch der Sitzgruppe fallen und schlug die Beine übereinander.
Die Dreiundzwanzigjährige war eine ungewöhnlich hübsche, junge Frau, groß gewachsen und mit sportlicher Figur. Ihre langen, dunklen Haare umrahmten ein zartes Gesicht, dessen sanfter Bronzeton jedes Make-up überflüssig machte.
Am meisten beeindruckten jedoch die blauen Augen, die so klar wie ein Bergsee waren und einen wunderbaren Kontrast zu ihrer sonst eher exotischen Erscheinung bildeten. Diese Augen ähnelten aber einem sturmgepeitschten Meer, wenn Sandra in Wut geriet – so wie jetzt.
»Warum hast du mich ins Schloss beordert, Papa?«, fragte sie unwillig. »Du weißt doch, dass ich mitten in den Abschlussprüfungen stecke.«
Sandra wohnte nicht auf Schloss Rothenstein, das sich inmitten der idyllischen Bergwelt Bayerns auf einem sanften Hügel erhob, sondern in einem Penthouse in München.
Die ehemalige Ritterburg, die sich schon seit vielen Jahrhunderten im Besitz des ehrwürdigen Geschlechts derer von Rothenstein befand, war fast eine Stunde Fahrzeit von der Landeshauptstadt entfernt, wo Sandra Medizin studierte.
Wortlos schob Fürst Erwin der Prinzessin eine Zeitschrift zu, die auf dem Tisch lag.
»Ich würde das nicht unbedingt zu deinen Prüfungsvorbereitungen zählen«, grollte er und deutete auf die Titelseite, wo in großen Buchstaben die Schlagzeile prangte.
Partyprinzessin wieder on Tour. Darunter war ein Foto abgedruckt, das Sandra inmitten einer Gruppe junger Leute zeigte. Alle schnitten dem Fotografen mehr oder minder freche Grimassen, die Prinzessin nicht ausgeschlossen. Sie streckte dem Mann wenig damenhaft die Zunge heraus.
»Ach Papa, das ist doch nur die Rache des Paparazzos, weil ich mich nicht fotografieren lassen wollte«, verteidigte sich Sandra verdrossen. »Keinen Schritt konnte ich tun, ohne dass der Mann nicht die Kamera zückte. Da ist mir der Kragen geplatzt, und ich habe ihm eben verdeutlich, dass er sich ver …«
»Sandra, bitte achte auf deine Sprache!«, fiel der F