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Wir schweigen uns an, trotten eine Straße entlang.
»Frauen«, sagt er. Und nach einer Weile: »Was ist mir dieser Messerheldin? Was ist mit ihrem Namen?«
»Weißt du, vielleicht kann ich ihren Namen nicht sagen, weil ich noch nicht weit genug gereist bin. Ich brauche Abstand zu ihr. Es muss räumliche Zeit vergehen …« Ich habe unsere Absprache vergessen. Robert spreizt seinen Bart. Ich rede schnell weiter, um meinen Fehler zu übertönen: »Vielleicht, weil ich noch nicht auf eine Kröte getreten bin und dabei dreimal in Richtung Westen gespuckt habe. Ich brauche Magie. Und weil ich mich eben noch nicht mit Ziegenfett eingerieben und nackt durch eine Bahnhofshalle gelaufen bin, kann ich bestimmte Dinge nicht tun. Verstehst du, ich muss weggehen, um anzukommen. Ich muss an einer Grenze anlangen und dann noch einen Schritt weiter gehen. Nur einen.«
Robert zischt und neigt den Kopf. Der Blick eines Hundes. »Immer auf der Flucht?«
Er rollt seine Schultern, schüttelt sein Fell. Er schnüffelt, als suche er etwas Essbares.
Er hat ja Recht. Die Geschichten von Männern, die von Frauen enttäuscht werden, lassen die Gelenke einschlafen. Es ist besser, die Sinne zu schärfen, nach einem Knochen zu schnuppern. Er streckt sich.
Ich brumme vor mich hin.
Robert winkt. Ich soll ihm folgen.
Ich schüttle den Kopf. Nein, nein, geh doch allein. Du weißt doch, ich löse meine Probleme, indem ich mich entferne.
»Warte.« Ich laufe hinterher. »Hör zu. Ein Mann geht in eine Bar, und dort sitzt eine Frau an der Theke. Er sieht sie an und merkt, dass er ihrem Blick nicht standhalten kann. Zugleich registriert er die Beschaffenheit ihrer Haut. Nicht besonders glatt, ein paar kleine Pickel sogar, aber gleichmäßig gebräunt, so als wäre Vanille mit Sahne gemischt worden. Die Hände des Mannes zucken, fast zwanghaft muss er sie berühren. Am Arm. Sie lässt es sich gefallen. Er sieht ihr Lächeln, aber nicht in ihre Augen. Denn sie stößt ihn ab und zieht ihn zugleich an. Wahrscheinlich ahnt er schon zu diesem Zeitpunkt, dass sie eine Form der Nähe sucht, die für ihn tödlich sein kann.«
Ich mache eine Pause. Robert reagiert nicht.
»Der Mann betrachtet ihren Mund, ihre Nase, ihre Ohren. Er ist fasziniert von ihrer Haut, aber er sieht ihr kaum in die Augen. Erst später wird ihm bewusst, dass es die Augen einer Verrückten sind, doch da ist es bereits zu spät. Sie liegen im Bett, haben miteinander geschlafen, und nun beginnt sie, das Betttuch in schmale Streifen zu schneiden, knüpft sie aneinander und wickelt sich wie eine Mumie darin ein.«
Robert kratzt sich an den Armen, am ganzen Körper. Er bleibt stehen, reibt seinen Rücken an einer Hausmauer. Dann geht er schneller voran. Ich bin noch nicht am Ende. »Die beiden bleiben zusammen, und mit der Zeit gelingt es dem Mann, ihrem Blick standzuhalten. Ihm schwindelt dabei, und nur die Berührung ihrer Haut beruhigt ihn. Ihre Haut lässt ihn alles ertragen. Sie mischt ihm heimlich Betäubungsmittel in Getränke. Er erwacht, und sie hat ihm zum Beispiel die Haare abrasiert und sich mit dem Blut der Schnittwunden bemalt. Er erwacht und fühlt eine Schlinge um seinen Hals, die sie am Bettpfosten verknotet hat. Manchmal entdeckt er Flecken auf seiner Haut, deren Herkunft er sich nicht erklären kann. Aber es ist ihm unmöglich, diese Haut zu verlassen.«
Immer bin ich ein Stück hinter Robert. Er hat die Richtung gewechselt. Er sieht sich nicht nach mir um. Er bleibt vor einem kleinen Haus im French Quarter stehen. Die blaue Farbe blättert an vielen Stellen ab. Er geht die drei Stufen zum Eingang hinauf.
Ich breite