: Gunter Gerlach
: Ich bin der andere Roman
: dotbooks
: 9783958240940
: 1
: CHF 5.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Karten werden neu gemischt: 'Ich bin der andere' von Gunter Gerlach jetzt als eBook bei dotbooks. Was passiert, wenn man sein Leben mit einem anderen tauscht? Alles hinter sich lassen, nie wieder zurückkehren, ein neues Leben aufbauen - das ist sein Ziel. Auf dem Flughafen begegnet der Aussteiger einem Mann namens Hendrik, der ebenfalls sein altes Leben zurücklassen will. Spontan tauschen sie die Pässe und ihre Identitäten. Nun ist er Hendrik, und fliegt statt nach Australien in die Südstaaten der USA. Dort reist er quer durch das Land und versucht zu vergessen. Aber bald erkennt der neue Hendrik, dass ihn sein altes Leben nicht so einfach loslässt und dass er sich in einem weiteren Netz aus Abhängigkeiten befindet ... Die Presse über Gunter Gerlach: 'Was und wie dieser Autor schreibt, das ist selten in der deutschsprachigen Literatur.' - Hamburger Abendblatt 'Gunter Gerlach ist ein Autor, der auf intelligente Art zu unterhalten versteht.' - Frankfurter Rundschau Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Ich bin der andere' von Gunter Gerlach. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Gunter Gerlach, Jahrgang 1941, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Er schreibt Hörspiele, Rundfunkserien, Kurzprosa und außergewöhnliche Krimis, für die er u. a. 1995 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Gunter Gerlach zählt zu den am häufigsten mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichneten Autoren, lebt in Hamburg. Bei dotbooks erscheinen Gunter Gerlachs Romane »Herzensach«, »Das Jahr, in dem ich beschloss, meinen Großvater umzubringen«, »Ich bin der andere«, »Der Haifischmann« und die Allergie-Trilogie »Kortison«, »Katzenhaar und Blütenstaub« und »Neurodermitis«, sowie der Kurzgeschichtenband »Melodie der Bronchien« und die Literatur-Quickies »Gold im Gebirge« und »Vorlieben«.

6


Wir schweigen uns an, trotten eine Straße entlang.

»Frauen«, sagt er. Und nach einer Weile: »Was ist mir dieser Messerheldin? Was ist mit ihrem Namen?«

»Weißt du, vielleicht kann ich ihren Namen nicht sagen, weil ich noch nicht weit genug gereist bin. Ich brauche Abstand zu ihr. Es muss räumliche Zeit vergehen …« Ich habe unsere Absprache vergessen. Robert spreizt seinen Bart. Ich rede schnell weiter, um meinen Fehler zu übertönen: »Vielleicht, weil ich noch nicht auf eine Kröte getreten bin und dabei dreimal in Richtung Westen gespuckt habe. Ich brauche Magie. Und weil ich mich eben noch nicht mit Ziegenfett eingerieben und nackt durch eine Bahnhofshalle gelaufen bin, kann ich bestimmte Dinge nicht tun. Verstehst du, ich muss weggehen, um anzukommen. Ich muss an einer Grenze anlangen und dann noch einen Schritt weiter gehen. Nur einen.«

Robert zischt und neigt den Kopf. Der Blick eines Hundes. »Immer auf der Flucht?«

Er rollt seine Schultern, schüttelt sein Fell. Er schnüffelt, als suche er etwas Essbares.

Er hat ja Recht. Die Geschichten von Männern, die von Frauen enttäuscht werden, lassen die Gelenke einschlafen. Es ist besser, die Sinne zu schärfen, nach einem Knochen zu schnuppern. Er streckt sich.

Ich brumme vor mich hin.

Robert winkt. Ich soll ihm folgen.

Ich schüttle den Kopf. Nein, nein, geh doch allein. Du weißt doch, ich löse meine Probleme, indem ich mich entferne.

»Warte.« Ich laufe hinterher. »Hör zu. Ein Mann geht in eine Bar, und dort sitzt eine Frau an der Theke. Er sieht sie an und merkt, dass er ihrem Blick nicht standhalten kann. Zugleich registriert er die Beschaffenheit ihrer Haut. Nicht besonders glatt, ein paar kleine Pickel sogar, aber gleichmäßig gebräunt, so als wäre Vanille mit Sahne gemischt worden. Die Hände des Mannes zucken, fast zwanghaft muss er sie berühren. Am Arm. Sie lässt es sich gefallen. Er sieht ihr Lächeln, aber nicht in ihre Augen. Denn sie stößt ihn ab und zieht ihn zugleich an. Wahrscheinlich ahnt er schon zu diesem Zeitpunkt, dass sie eine Form der Nähe sucht, die für ihn tödlich sein kann.«

Ich mache eine Pause. Robert reagiert nicht.

»Der Mann betrachtet ihren Mund, ihre Nase, ihre Ohren. Er ist fasziniert von ihrer Haut, aber er sieht ihr kaum in die Augen. Erst später wird ihm bewusst, dass es die Augen einer Verrückten sind, doch da ist es bereits zu spät. Sie liegen im Bett, haben miteinander geschlafen, und nun beginnt sie, das Betttuch in schmale Streifen zu schneiden, knüpft sie aneinander und wickelt sich wie eine Mumie darin ein.«

Robert kratzt sich an den Armen, am ganzen Körper. Er bleibt stehen, reibt seinen Rücken an einer Hausmauer. Dann geht er schneller voran. Ich bin noch nicht am Ende. »Die beiden bleiben zusammen, und mit der Zeit gelingt es dem Mann, ihrem Blick standzuhalten. Ihm schwindelt dabei, und nur die Berührung ihrer Haut beruhigt ihn. Ihre Haut lässt ihn alles ertragen. Sie mischt ihm heimlich Betäubungsmittel in Getränke. Er erwacht, und sie hat ihm zum Beispiel die Haare abrasiert und sich mit dem Blut der Schnittwunden bemalt. Er erwacht und fühlt eine Schlinge um seinen Hals, die sie am Bettpfosten verknotet hat. Manchmal entdeckt er Flecken auf seiner Haut, deren Herkunft er sich nicht erklären kann. Aber es ist ihm unmöglich, diese Haut zu verlassen.«

Immer bin ich ein Stück hinter Robert. Er hat die Richtung gewechselt. Er sieht sich nicht nach mir um. Er bleibt vor einem kleinen Haus im French Quarter stehen. Die blaue Farbe blättert an vielen Stellen ab. Er geht die drei Stufen zum Eingang hinauf.

Ich breite