Charlotte Thomas blickte verstohlen durch die Gardine auf die Straße hinaus.
»Sein Wagen hält, Clementine«, berichtete sie aufgeregt. »Er steigt aus, und er hält einen großen Blumenstrauß in der Hand.« Schnell drehte sie sich zu ihrer Tochter um. »Es ist so weit! Oh, Clementine! Was für ein Glück! Wir müssen dem Himmel dankbar sein.«
Clementine Thomas lauschte nach innen, als wollte sie sich fragen, wie ihr Herz empfand. Hatte es nicht immer heftig geschlagen, wenn Georg Freiherr von Korff sie bewundernd anblickte?
Charlotte Thomas strahlte, als sie auf ihre Tochter zuging.
»Clementine, du liebst ihn doch?«, forschte sie. »Der Altersunterschied macht dir doch gewiss nichts aus? Er wird dich auf Händen tragen. Wenn Vater das noch erlebt hätte!«, sprach sie.
Die Türklingel schrillte.
Charlotte Thomas eilte hinaus.
Clementine trat zum Spiegel und blickte sich aufmerksam an.
Liebe ich Georg von Korff?, fragte sie sich. Macht mir der Altersunterschied tatsächlich nichts aus? Georg ist zweiundvierzig Jahre alt, also zweiundzwanzig Jahre älter als ich. Nein, es macht mir nichts aus. Ich wundere mich bloß, dass er an mir Gefallen gefunden hat.
Nie kann ich so werden wie Carla, Georgs erste Frau. Von ihr spricht er nur in Ehrfurcht und Bewunderung. Werde ich nicht immer gegen ihren Schatten ankämpfen müssen?
Die Tür öffnete sich.
»Er ist da«, flüsterte Charlotte Thomas.
»Ja, ich komme«, sagte Clementine. Tapfer drückte sie die Türklinke nieder.
Georg Freiherr von Korff stand in der Mitte des Raumes. Er hielt zwei Blumensträuße in den Händen. In der Rechten trug er einen üppigen Strauß mit Teerosen, in der Linken hielt er langstielige blutrote Rosen.
Als Clementine eintrat und leise die Tür hinter sich zudrückte, ging er einen Schritt auf sie zu.
»Clementine«, sagte er, und seine Stimme klang heiser.
»Guten Tag, Georg.« Sie starrte ihn an und fand, dass er so gut aussah wie kein anderer Mann auf Erden. Die silbern schimmernden Schläfen gaben ihm etwas Überlegenes, Weltmännisches.
»Wie schön du bist!« Er legte den gelben Rosenstrauß auf den Tisch und ging auf sie zu. »Weißt du, warum ich hier bin?«, fragte er leise. Er hob die Linke mit dem Strauß roter Rosen.
»Ich glaube, ja«, stotterte sie.
Er nahm ihre Hand und zog sie an die Lippen.
»Clementine«, murmelte