2. Kapitel
Am nächsten Tag schienen Sonnenstrahlen freundlich durch mein Bürofenster. Der März ließ sich heute nicht so schlecht an. Mein Büro befand sich hinter dem Ravensburger Bahnhof, mitten in einem Wohngebiet, unweit der Schussen. Die Randlage spiegelte sich in der gut bezahlbaren Miete wider – zumal die anderthalb Zimmer auf knapp 20 Quadratmeter verteilt waren. Mein Vermieter war ein optimistischer Philanthrop und pensionierter Deutsch- und Gemeinschaftskundelehrer, der nicht unbedingt auf die Mieteinnahmen angewiesen war. Das erklärte, warum er manchmal ein Auge zudrückte, wenn ich mit der Zahlung im Verzug war. Erlassen hatte er mir aber noch nie auch nur einen Cent. So etwas gab es vermutlich in Schwaben nicht und schon gar nicht bei Vermietern.
›Privatermittlungen E. Denz‹ stand auf dem gut sichtbaren Türschild auf blau-weißem Grund. Die Farbwahl entsprach den Farben der Stadt Ravensburg. Ich hoffte, dass meine potenzielle Klientel das E. für Eberhard oder einen anderen soliden schwäbischen Vornamen hielt. Dass ich Enzo hieß, würde vielleicht doch so manchen Kunden davon abschrecken, meine Dienste in Anspruch zu nehmen. Das konnte ich mir nicht leisten.
Verschmitzt dachte ich an das leckere Sixpack Bier, das ich mir am Abend gegönnt hatte, während Fußball im Fernsehen lief. Der VfB Stuttgart hatte sich ganz wacker geschlagen. Glanz und Gloria vergangener Zeiten lagen allerdings in weiter Ferne. Es war auch nicht ersichtlich, wie der VfB an die goldenen Zeiten anknüpfen wollte. Guido Buchwald, Fritz Walther und Maurizio Gaudino – Meisterjahr 1984 mit Dinkelacker-Bier auf dem Trikot. Dann einige Jahre später das goldene Dreieck: Krassimir Balakow, Giovane Elber und Fredi Bobic. Nichts war davon mehr zu sehen.
Der VfB sorgte nicht nur für ausgelassene Freude.
Gedankenblitz. Switch. Ich schloss die Augen und begann zu träumen: von meinem nagelneuen Alfa Romeo Giulia. Ganz in Schwarz. Eine Verführung zu nicht unschuldigem Fahrverhalten. Vor ein paar Monaten hatte ich mir den lang gehegten Traum erfüllt. Man lebt schließlich nur einmal. Was meine Bank glücklich machte und mich mittelfristig hoch verschuldete. So what? Im Moment juckte mich das wenig, Hauptsache der Fahrspaß stimmte.
Allerdings: Ich hatte ein paar Jahre sparen müssen. Der letzte Urlaub lag lange zurück. Teneriffa. Ich war in die Vollen gegangen. Vier-Sterne-Hotel. AI. All inclusive. RIU. Beste Küche, bestes Essen. In der Nähe von Las Americas. Ehemaliges