Katja ging nervös im Flur des Standesamtes auf und ab. In zehn Minuten sollte ihre Trauung sein, und Oliver war noch immer nicht da. Mit ihm fehlten auch seine Freunde, die die Trauzeugen sein sollten.
Noch zehn Minuten!
Das junge Mädchen versuchte sich zu beruhigen. In zehn Minuten konnte ja noch einiges geschehen. Vielleicht waren Oliver und seine Freunde durch den Verkehr aufgehalten worden. Wenn man mit dem Wagen fuhr, konnte man schließlich die Ankunft nie auf die Minute voraussagen.
Die eleganten grauen Pumps klickten auf dem Steinboden. Sie passten im Ton genau zu dem schicken Pariser Kostüm, das Katja an diesem besonderen Morgen trug. Ihr glattes dunkelblondes Haar, das anmutig auf die Schultern fiel, leuchtete im Sonnenlicht. Katja Fischer war in jedem Fall eine aufregende Erscheinung.
Das dachte auch Peter Holm, der ebenfalls auf dem langen Flur wartete und Katja schon eine Weile beobachtete. Er war gekommen, um die Sterbeurkunde seiner verstorbenen Tante zu holen. Er brauchte das Dokument, um in den Besitz des beträchtlichen Vermögens zu kommen, das sie ihm hinterlassen hatte.
Doch Katja bemerkte den gut aussehenden Mann gar nicht. Sie wurde immer aufgeregter.
In was für eine Situation war sie da gekommen! Wie peinlich war das! Die Minuten verstrichen, aber kein Oliver Lindemann tauchte auf.
Katja biss sich auf die Fingerknöchel. Sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte.
Nur noch wenige Minuten, und der Standesbeamte würde sie ins Trauzimmer bitten, wie er das beim vorigen Brautpaar getan hatte.
Katja ließ die Hand sinken und starrte die Eingangstür an. Sie öffnete sich, aber nur eine ältere Dame kam herein, die sich zögernd umsah und auf eines der Zimmer zuging.
Katja stand wie gelähmt da. Das kleine, kostbare Bukett weißer Orchideen in ihrer Hand zitterte. Die Blumen für das Standesamt, die Oliver für sie bestellt hatte, waren pünktlich an diesem Morgen geliefert worden. Aber das war auch das Einzige, was pünktlich war!
Wütend sah Katja die unschuldigen Blumen an.
Nur noch wenige Augenblicke, dann würde das Unglück seinen Lauf nehmen. Katja wünschte sich nichts sehnlicher, als im Erdboden zu verschwinden. Zudem kamen jetzt auch noch drei junge Männer herein, die sich angeregt unterhielten.
Katja war den Tränen nahe. Sie hasste Oliver in diesem Augenblick. Wie der Fremde dort drüben zu ihr hinüberblickte! Oh, auc