1 (Prolog)
Heute Nacht würde es klappen.
Mit einer Frau.
Christi Himmelfahrt tobte in Kevelaer die Kirmes auf dem Marktplatz. Bierbuden, Fahrgeschäfte, grelle Lichter und laute Musik. Auch im Partyzelt auf dem Parkplatz neben dem Bühnenhaus. Es wimmelte vor feierfreudigen und flirtlustigen Frauen. Es sollte ein Leichtes sein, jemanden mit nach Hause zu nehmen.
Selbst für ihn.
Er hatte sich in Schale geworfen. Hatte seine beste Jeans aus dem Schrank gekramt und aufgebügelt. Trug sogar ein Hemd, das er zunächst in die Hose stopfte. Doch als er sich im Spiegel betrachtete, war sein Bauch deutlich zu erkennen gewesen. Er wölbte sich sanft über den Gürtel, weshalb er das Hemd wieder herausgezerrt hatte und es nun locker über der Hose trug.
Wie immer, wenn er ausging, war er aufgeregt. Die Hoffnung, jemanden kennenzulernen, war immer größer als die eigentliche Chance. Ihm war es in den letzten Jahren nicht gelungen, eine Bekanntschaft zu machen, also warum ausgerechnet heute?
Weil heute heute ist, sagte er sich und gab sich seinen lebhaften Fantasien von langen blonden Haaren und einem umwerfenden Hintern hin.
Der Abend entwickelte sich wie jeder andere. Mit einem Pils in der Hand saß er an der langen Theke im Partyzelt am Bühnenhaus neben Hunderten anderen Menschen und lauschte den Halbplaybacks der Schlagersänger, die versuchten, die Größen des Metiers zu imitieren. Ein zu kurz geratener „Wolle“-Petry-Verschnitt stieß auf der Bühne einen Arm in die Luft, der mit Freundschaftsbändchen geschmückt war, und hielt die Kevelaerer Partygemeinschaft dazu an, abzutanzen. Die Besoffenen auf der Tanzfläche gaben ihr Bestes.