Der Kampf um jeden Quadratmeter
Was Mieter so erleben
Erziehung falsch verstanden
Nach meiner Ausbildung zur Erzieherin in der bayerischen Provinz wurde es mir zu eng bei meinen Eltern, und ich entschloss mich, in die nächstgrößere Stadt, nach Regensburg, zu ziehen, um eine Weiterbildung zu machen. München war damals schon sehr teuer und mir außerdem zu groß, in Regensburg gab es wegen der Uni viele junge Leute, und die Stadt gefiel mir schon lange.
Ich besorgte mir also drei verschiedene Zeitungen und sah die Anzeigen durch – das Internet gab es erst seit Kurzem, und Wohnungssuchportale mussten wie so vieles andere erst noch erfunden werden. Da nichts dabei war, was mir zusagte, gab ich schließlich selbst eine kleine Annonce auf. Ich hielt den Text relativ kurz, damit das Ganze nicht zu teuer wurde. »Erzieherin (22) sucht Einzimmerwohnung mit Balkon im Westenviertel, Innenstadt oder Stadtamhof bis 300 Mark warm«, lautete der Text, dahinter stand die Telefonnummer meiner Eltern.
Die Anzeige erschien an einem Samstag in derSüddeutschen. Ich hatte von Freitag auf Samstag bei einer Freundin übernachtet, und als ich gegen Mittag nach Hause kam, öffnete mir meine Mutter kreidebleich die Tür.
»Ist was mit Papa?«, fragte ich sofort.
Doch der kam in diesem Moment aus dem Wohnzimmer und meinte: »Wir müssen dringend mit dir reden!«
Die beiden führten mich zum Anrufbeantworter und spielten mir eine Nachricht nach der anderen vor, die mich immer blasser werden ließen. Bald sah ich ähnlich fahl aus wie meine Mutter.
»Seit gestern Abend um acht geht das jetzt schon so«, schimpfte mein Vater, und wie zum Beweis klingelte in jenem Augenblick das Telefon.
Zu dritt hörten wir zu, wie eine männliche Stimme aufs Band sprach: »Sie sind also Erzieherin, soso … Sie verstehen sich aufs Züchtigen, ja? Haben Sie denn auch eine Peitsche? Ich mag’s, wenn man mich für meine kleinen Sünden hart bestraft.« Der Anrufer stöhnte, dann hinterließ er eine Nummer und legte auf.
Seit dem gestrigen Abend hatten insgesamt dreißig Leute angerufen, ausschließlich Männer. Sie hatten meiner Mutter ins Ohr gestöhnt, ihr dezente, aber auch sehr eindeutige Sexangebote gemacht, sie beschimpft, um Strafe und vieles Unaussprechliches mehr gebettelt. Irgendwann war nur noch mein Vater rangegangen, der sich anhören durfte, dass er eine sehr tiefe Stimme für eine Domina habe.
Meine Eltern ließen das Telefon zwei Tage lang durchklingeln, dann war der Spuk zum Glück vorbei. Am Montag ging mein Vater los und kaufte eine Trillerpfeife, die jedoch nicht mehr zum Einsatz kam.
Eine Wohnung in Regensburg habe ich damals schließlich über eine Bekannte gefunden – die hätte ich wahrscheinlich gleich fragen sollen.
Eine Erzieherin aus der Oberpfalz
Wo die Sonne immer scheint
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