: Will Jordan
: Gegenschlag Thriller
: Blanvalet
: 9783641159122
: Ryan Drake Series
: 1
: CHF 8.90
:
: Spannung
: German
: 672
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bei einem Anschlag in Washington D.C. werden mehrere russische Abgeordnete getötet. Ryan Drake, Chef einer CIA-Eingreiftruppe, traut seinen Augen kaum. Hat sich die ehemalige Agentin Anya, die er vor Jahren aus einem russischen Gefängnis befreit hat, einer terroristischen Vereinigung angeschlossen? Die Suche nach Antworten führt Drake bis nach Moskau. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner Pflicht als CIA-Agent und seiner Loyalität zu Anya. Kann Ryan Drake sie stoppen? Will er das überhaupt?

Will Jordan lebt mit seiner Familie in Fife in der Nähe von Edinburgh. Er hat einen Universitätsabschluss als Informatiker. Wenn er nicht schreibt, klettert er gerne, boxt oder liest. Außerdem interessiert er sich sehr für Militärgeschichte.

PROLOG

Beslan, Schule Nr. 1, 3. September 2004

Benommen von Furcht und Erschöpfung, hob Natascha den Blick von den alten zerschrammten Bodendielen, die sie seit etlichen Stunden unablässig anstarrte.

Ihr Wächter stand etwa zehn Meter von ihr entfernt und paffte achtlos eine Zigarette. Während er rauchte, lag das sperrige Sturmgewehr in seiner Armbeuge. Er hatte grobe, ungehobelte Gesichtszüge, charakteristisch für Männer in diesem Teil des Landes. Die Haut war von Aknenarben übersät, und er war unrasiert. Der Blick seiner grauen ausdruckslosen Augen war starr geradeaus gerichtet, ohne etwas wahrzunehmen.

Was ging wohl hinter diesen seelenlosen Augen vor?

Ein gedämpftes Husten neben ihr lenkte ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre unmittelbare Umgebung. Mehr als fünfhundert Männer, Frauen und Kinder jeden Alters waren in der Turnhalle zusammengepfercht. Sie standen so dicht zusammen, dass sie kaum Platz hatten, sich auch nur zu setzen. Es herrschte eine erdrückende Hitze, und über allem lag der Gestank von Schweiß, Furcht und Urin.

Man hielt sie seit zwei Tagen und Nächten hier fest, ohne dass sie hätten schlafen oder sich erleichtern können, und es war ihnen verboten, sich zu bewegen oder auch nur miteinander zu reden. Als man sie unter viel Geschrei und Schüssen hier zusammengetrieben hatte, waren viele Kinder nahezu hysterisch vor Panik gewesen. Einige hatten vergeblich gefleht, die Turnhalle verlassen zu dürfen, so als wäre dies der Sportunterricht, von dem man sich irgendwie befreien lassen konnte. Andere, die noch zu jung waren, um zu begreifen, was hier vorging, hatten sich wie Schafe Hilfe suchend um ihre Lehrer geschart, den einzigen Trost, den sie hatten.

Aber nach drei Tagen ständiger Angst, Schlafmangel und Androhung von Gewalt waren die Nerven aller Anwesenden vollkommen überreizt, und Natascha hörte nur noch ein gelegentliches Husten, ein Stöhnen oder ein ersticktes Schluchzen. Die Menschen waren körperlich und geistig gebrochen und warteten düster auf das, was da kommen mochte.

Die meisten von ihnen hielten ihre Blicke gesenkt und versuchten, nicht aufzufallen, versuchten, nichts zu tun, was die Aufmerksamkeit auf sie lenken würde. Sie alle hatten den Wert der Anonymität kennengelernt. Am ersten Tag hatten ihre Häscher einen Mann einfach nur deshalb hingerichtet, weil er sich nicht schnell genug hingekniet hatte, und einen anderen dafür, dass er das heimische Ossetisch und nicht russisch gesprochen hatte.

Am zweiten Tag hatten sie zwanzig der gesündesten und leistungsfähigsten Männer zusammengetrieben und sie in den ersten Stock hinaufgeführt. Nur wenige Augenblicke späte