Constanzia Prinzessin von Beiersreuth hatte schon lange nicht mehr an den alten Gutshof ihrer Großtante Henriette gedacht. Auch mit ihrer Großtante hatte sie schon längere Zeit nicht mehr gesprochen. Nun war Henriette von Beiersreuth im Alter von immerhin achtundachtzig Jahren verstorben. Und Constanzia quälte das schlechte Gewissen, weil sie nicht öfter von München auf das Gut rausgefahren war, denn sie hatte ihre Großtante gern gehabt.
»Das machen nur diese blöden Hochzeitsvorbereitungen«, sagte sie zu sich selbst. »Sie lassen einem zu nichts mehr Zeit.«
»Wie bitte?«, fragte Constanzias Mutter, Fürstin Sophia, zu deren Ohren nur ein undeutliches Murmeln gedrungen war.
»Ach nichts.« Constanzia winkte ab. »Ich habe mir nur eben Gedanken darüber gemacht, dass ich Tante Henriette öfter hätte besuchen sollen.«
»Zu solchen Gedanken besteht keinerlei Anlass. Deine Großtante war bis zu ihrem Ende eine überaus beschäftigte Person, die nicht auf Besucher angewiesen war. Du weißt doch, dass sie für ihr Gut mit dem ganzen Viehzeug gelebt hat. Bis zum letzten Atemzug hatte sie irgendwelche Pläne mit ihrer Landwirtschaft, statt den ganzen Krempel einfach zu verkaufen.«
Fürstin Sophias Tonfall verriet deutlich, dass ihr Verhältnis zu Henriette von Beiersreuth nie ganz ungetrübt gewesen war. Das rührte daher, dass Henriette von Beiersreuth und Fürstin Sophia vollkommen verschiedene Auffassungen vom Leben hatten.
Während Constanzias Großtante nicht viel auf ihren Adelstitel gegeben hatte und nie einer Arbeit aus dem Weg gegangen war, liebte Fürstin Sophia alles, was exklusiv war, beziehungsweise was sie dafür hielt. Das lag vermutlich daran, dass sie selbst aus bürgerlichen Verhältnissen stammte. Ein Umstand, den Tante Henriette ihr immer dann unter die Nase gerieben hatte, wenn Fürstin Sophia diese besonders hoch gehalten hatte. Das wiederum war etwas, was Sophia ihr schwer nachtrug.
Außerdem hatte sie wirklich nie verstehen können, wie man freiwillig mit Pferden, Schweinen, Kühen und Hühnern auf einem bescheidenen Gutshof leben konnte.
Prinzessin Constanzia hingegen hatte es immer geliebt, ihre Schulferien auf dem Gut