: Liz Klessinger
: Notärztin Andrea Bergen 1263 Was das neue Jahr wohl bringen mag...
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732505302
: Notärztin Andrea Bergen
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Fassungslo starrt die hübsche Ruth Freiberger ihren Neurologen an, und nur mühsam gelingt es ihr, das Unfassbare zu begreifen: Sie leidet an Multipler Sklerose, und einzig eine sofortige Kortison- und Beta-Interferon-Therapie kann das Fortschreiten der Krankheit aufhalten! Die Nebenwirkungen, die Dr. Späher ihr schildert, klingen geradezu albtraumhaft, und siedend heiß erkennt Ruth, dass nun auch ihr größter Traum zerbricht: Sie wird die Weltreise, die sie im nächsten Monat mit ihrem geliebten Tom antreten wollte, absagen müssen!

Doch es kommt noch schlimmer, viel schlimmer: Tom eröffnet ihr, mit einer so kranken Frau nicht leben zu können. Gerade erst hat er seine Mutter bis zu deren Tod gepflegt - und nun will er einfach nur noch aus dem Vollen schöpfen und sorglos sein! Als er sich von ihr abwendet, zieht sich Ruth von aller Welt zurück - und droht zu verzweifeln ...

»Wir gehen heute zum Silvesterball insHotel Schlossgarten.« Charlotte Pabst sah Andrea Bergen mit ihren müden Augen an. »Mein Mann und ich haben noch kein Silvester dort ausgelassen.«

Die beiden Sanitäter Jupp Diederichs und Ewald Miehlke fuhren die Trage aus dem Rettungswagen. Andrea Bergen behielt die betagte Patientin im Auge.

»Silvester ist aber erst in ein paar Wochen«, antwortete Andrea geduldig. »Jetzt feiern wir erst einmal Weihnachten.«

»Da irren Sie sich, junge Frau«, widersprach die alte Dame vehement. »Heute ist Silvester, mein Mann und ich gehen zum Ball insHotel Schlossgarten

Diederichs und Miehlke fuhren die fahrbare Trage in die Notaufnahme. Andrea Bergen hielt den Infusionsbeutel hoch und ging neben der alten Dame her.

Charlotte Pabst lag auf der Trage und strich gedankenverloren ihr Kleid glatt, es war ein altmodisches Abendkleid aus steifem, silbernem Brokatstoff. Die schmalen Träger waren von ihren mageren Schultern gerutscht. Mit einer fahrigen Handbewegung schob sie einen wieder hoch.

Andrea legte beruhigend ihre Hand auf den Arm der Patientin, während die Rettungssanitäter Ewald Miehlke und Jupp Diederichs die fahrbare Trage durch die Tür der Notaufnahme bugsierten. Dort erwartete sie bereits Maria Barber, die diensthabende Ärztin.

»Instabiler Kreislauf, außerdem ist die Patientin dehydriert, sie hat vermutlich seit Tagen zu wenig getrunken«, informierte Andrea sie.

»Mein Mann und ich gehen heute zum Silvesterball.« Charlotte Pabst sah Maria Barber zu, die ihre Lunge abhörte.

»Können Sie mir sagen, wie Sie heißen?«, fragte die Ärztin sie anschließend.

Die alte Dame runzelte die Stirn. Dann hellte sich ihr Gesicht wieder auf.

»Heute ist Silvester. Wir gehen auf den Ball.«

»Frau Pabst, Sie sind im Elisabeth-Krankenhaus.« Besorgt blickte Maria Barber die Patientin an.

»Ich habe mich schon umgezogen.« Die alte Dame zeigte auf ihr Abendkleid. »Wo bleibt denn nur mein Mann?« Verwirrt sah sie sich um.

Maria Barber trat zur Notärztin, die etwas abseits stand.

»Lebt Frau Pabst allein?«, fragte sie Andrea.

»Ihr Mann ist vor ein paar Monaten gestorben, Angehörige gibt es keine«, erklärte die Notärztin mit