Golden stieg die Sonne über die Spitze des Stocker. Ihr Licht färbte den klaren Winterhimmel in einem hellen Blau und ließ das tief verschneite Tal von Mühldorf märchenhaft glitzern und schimmern. Es war Winter im oberbayerischen Land, die Berge trugen dicke weiße Mützen, die Nächte waren bitterkalt und die Tage erfüllt von strahlendem Sonnenschein. Seit Wochen war es nun beständig im Tal von Mühldorf nahe Bayerischzell.
In dem idyllisch gelegenen Dorf am Fuße des Wendelstein gab es mehrere Fremdenpensionen. Es war ein beliebtes Ferienziel, die Gäste kamen, um die schönen Abfahrten am nahen Stocker zu nutzen oder den endlos scheinenden Langlaufloipen zu folgen, die zwischen hohen Tannen und dem zugefrorenen Vogelsee durch die majestätische Berglandschaft führten.
In Mühldorf hatte man sich schon früh auf den Fremdenverkehr verlegt. Es gab zwar auch noch mehrere Bauern, doch die meisten Menschen im Tal lebten vom Tourismus. Doch man hatte hier aus den Fehlern der anderen Ortschaften gelernt. Riesige Bettenburgen oder Skilifte, die nur als Naturfrevel zu bezeichnen waren, suchte man in Mühldorf vergebens.
Der kluge Ortsvorsteher setzte auf den sanften Tourismus und fuhr damit seit Jahren gut.
Die Menschen im Tal hatten ihr Idyll erhalten und waren zugleich mit der Zeit gegangen. Ein Spagat, der weiß Gott nicht überall im schönen Bayernland geglückt war.
Doch die Mühldorfer gaben etwas auf ihre Tradition und waren im besten Sinne des Wortes bodenständig.
Das galt auch für den Berghof oberhalb des Dorfes. Der Schöntaler-Hof war seit Jahrzehnten bei Feriengästen bekannt und beliebt. Im Sommer kamen Kraxler und Bergwanderer, im Winter Skiläufer oder einfach nur Menschen, die es sich bei Hüttenromantik und großartigem Panorama gut gehen lassen wollten. Und das konnte man auf dem Schöntaler-Hof.
Vor über zwanzig Jahren hatten Vroni und Sepp Schöntaler es gewagt, ihr Leben ganz umzukrempeln. Sie hatten die unrentabel gewordene Almwirtschaft aufgegeben, den Hof zur Fremdenpension umbauen lassen und sich dann auf die herrliche Landschaft verlassen, die schon lange als Touristenmagnet wirkte.
Freilich hatte es eine gewisse Anlaufzeit gebraucht, bis der Berghof richtig bekannt geworden war. Doch mit ausgesucht freundlichem Service und einer herzlichen Ursprünglichkeit, wie man sie sonst in Hotels und Pensionen kaum fand, hatten die Schöntalers es schließlich geschafft.
Mittlerweile waren Vroni und Sepp im Ruhestand. Sie hatten sich einen Traum erfüllt und verbrachten ihren Lebensabend auf der Sonneninsel Mallorca. Vor gut fünf Jahren hatte ihre Tochter Barbara den Berghof übernommen und führte diesen nun ebenso erfolgreich weiter.
Zu dieser Zeit hatte