: Marion Alexi
: In Adelskreisen - Folge 48 Das Schicksal derer von Amelung
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732504817
: In Adelskreisen
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Einfach perfekt! Das denkt jeder, der die Fürstenfamilie von Amelung kennenlernt. Familienidylle wie aus dem Bilderbuch: glücklich, schön und erfolgreich. Doch der Schein trügt. Fürst Richard, nach außen hin der Charme in Person, ist alles andere als ein aufmerksamer Vater und liebevoller Ehemann. Als er seinem Sohn die Ehe mit der Frau, die der Prinz über alles liebt, verweigert und mit Enterbung droht, verlässt Prinz Justus Schloss Amelungshöhe für immer. Auch die Fürstin flieht voller Schmerz und Enttäuschung in ihre schwedische Heimat. Fürst Richard vermisst seine Familie zunächst nicht. Dann allerdings geschieht ein schrecklicher Unfall ...

»Und was halten Sie von unserem Blauen Salon?«

Astrid Fürstin von Amelung ließ die Journalistin einen Blick in den riesigen Raum werfen, der einheitlich und bemerkenswert geschmackvoll in Blautönen eingerichtet war, von Aquamarinblau über Türkis bis hin zu einem tiefen Violett.

»Super!« Susanne Bergengrün war sichtlich hingerissen. Sie bestaunte mit unbefangener und daher sympathischer Ergriffenheit das Kuppelgemälde mit seiner figurenreichen Komposition. »Toll, wie die früher die Wolken hingekriegt haben!«, flüsterte sie andächtig. »Ich glaube, so etwas können die heutigen Maler gar nicht mehr.«

»Oh, sicherlich«, erwiderte die Fürstin mit ihrer sanften Stimme und dem zauberhaften Akzent der geborenen Schwedin. »Nur will niemand mehr solche Deckengemälde haben. Sie wären auch viel zu teuer. Und die Herstellung dauert seine Zeit.«

»Meine Eltern haben eine Holzdecke in ihrem Wohnzimmer«, erzählte Susanne. »Das sieht gemütlich aus, aber auch ziemlich düster, wenn Sie wissen, was ich meine.«

»Holzvertäfelungen geben einem Raum viel Wärme.« Die letzte Bemerkung der Fürstin hatte ein wenig wehmütig geklungen.

Kein Wunder, Astrid von Amelung hatte an ihre schwedische Heimat gedacht, wo ihre Familie ein schönes Gutshaus besaß. Es lag sehr einsam, dieses romantische Haus auf dem Land, und besonders komfortabel war es auch nicht, verglichen mit dem eleganten Luxus, den Schloss Amelungshöhe bot. Aber die Fürstin war dort aufgewachsen und verband daher viele liebe Gefühle mit ihrem Elternhaus.

Zum Glück war die junge Journalistin vollauf damit beschäftigt, die Fülle der Kostbarkeiten im Blauen Salon zu registrieren, sodass sie den flüchtigen Augenblick der Melancholie nicht mitbekommen hatte. Es wäre fatal gewesen, wenn sie etwas bemerkt hätte.

Und Astrid mochte gar nicht daran denken, was ihr Gemahl dazu gesagt hätte. Denn schließlich waren sie von Journalisten bereits gewöhnt, dass ausgerechnet das, was nicht ausgesprochen wurde, als besonders interessant galt, und dann prompt veröffentlich wurde.

»Ein fabelhaftes Zimmer, wirklich«, meinte Susanne. »Aber es wirkt vielleicht ein wenig museal … im Sinne von imperial …«

Nun ja, dachte Fürstin Astrid