: Marina Anders
: Notärztin Andrea Bergen 1264 Paulas erster Schnee
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732505319
: Notärztin Andrea Bergen
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Eine leise Melodie erklingt im Zimmer der kleinen Paula, und noch ehe sie eintritt, weiß Dr. Andrea Bergen, dass sich immer noch nichts an dem besorgniserregenden Zustand des zweieinhalbjährigen Mädchens geändert hat. Die herzkranke Paula aus der Karibik, die in diesen Tagen am Elisabeth-Krankenhaus einer Herzklappen-Operation unterzogen werden sollte, hat sich in Deutschland mit einer lebensgefährlichen Streptokokken-Endokarditis angesteckt und ringt nun mit dem Tod! Einzig die winterliche Musik aus Paulas heiß geliebter Schneekugel scheint sie noch mit den Lebenden zu verbinden ...

Auf leisen Sohlen nähert sich Andrea Bergen dem Krankenbett, doch als ihr Blick auf das reglose, bläulich angelaufene Gesichtchen des Kindes fällt, erschrickt sie bis ins Mark: Wird sich Paulas größer Wunsch, ein einziges Mal echten Schnee zu sehen, nun niemals erfüllen? Ist das Schlimmste bereits eingetreten?

Cathrin Stegmann konnte nicht sagen, was sie geweckt hatte. Waren es Geräusche von späten Heimkehrern gewesen? War der Wind stärker geworden? Es war immer noch Hurrikan-Saison, und obwohl St. Maarten nicht unbedingt zu den gefährdetsten Gebieten in der Karibik gehörte, hatte sie doch immer Angst, dass es das Hotelresort einmal erwischen könnte.

Sie lauschte in die Dunkelheit. Oder war Paula unruhig geworden? Sie machte sich immer Sorgen um die Kleine, denn sie war nicht gesund. Doch aus dem angrenzenden Kinderzimmer, dessen Tür offen stand, kam kein Laut.

Von der anderen Seite des Bettes allerdings auch nicht. Cathrin tastete neben sich und stellte fest, dass es leer war.

»Nick?« Sie setzte sich auf und knipste das Licht an.

Er war nicht da. Sein Bett sah auch noch reichlich unbenutzt aus. Cathrin seufzte frustriert, als sie sah, dass es fast zwei Uhr morgens war. Hatte er nicht gesagt, dass er bald nachkommen würde, als sie zu Bett gegangen war?

Warm erleuchtete der Schein der Nachttischlampe das Schlafzimmer. Vor dem Fenster bauschte sich die Gardine in der nächtlichen Brise, vom Meer her konnte man die Wellen an den Strand rollen hören. Es war eine friedliche Atmosphäre, und dennoch glaubte Cathrin, eine leise Bedrohung zu spüren. Etwas war nicht mehr in Ordnung.

Eine schmerzliche Sehnsucht zog durch ihr Herz. Sehnsucht nach Nick und jener Zeit, als sie noch glücklich und unbeschwert gewesen waren. Doch diese Zeit schien unendlich lange zurückzuliegen, auch wenn es erst einige Jahre her war.

Cathrin stand auf. Jetzt, da sie wach war, würde sie wieder ewig nicht einschlafen können. Sie kannte das. Ständig würden neue Gedanken auf sie einstürmen, und sie alle würden mit ihrer kranken Tochter Paula und Nick zu tun haben, der sich innerlich immer mehr von ihr entfernte.

Leise ging sie hinüber ins Kinderzimmer. Paula schlief fest, doch ihr Atem ging leicht rasselnd. Automatisch legte Cathrin ihr die Hand auf die Stirn. Nein, sie hatte kein Fieber.

Beruhigt kehrte sie wieder ins Schlafzimmer zurück. Im Moment brauchte sie sich keine großen Sorgen um die Kleine zu machen. Doch die Angst um ihr bedrohtes Leben blieb bestehen.

Als Paula vor zweieinhalb Jahren zur Welt gekommen war, hatte sie sich mit Streptokokken infiziert. Außerdem hatte man einen Herzklappenfehler festgestellt, der korrigiert werden sollte, wenn sie etwas älter war. Wäre es nach Cathrin gegangen, wäre dies bereits geschehen. Doch Nick, der sein Töchterchen abgöttisch liebte, hatte panische Angst vor dem Eingriff. Dabei hatte Dr. Andhuisen vom