Dr. Frieda Wilhelmy bat ihren hochgestellten Patienten in die Salonecke, wie sie die gemütliche Sitzgruppe nannte, die sich in ihrem ansonsten recht nüchternen Sprechzimmer in einer Ecke am Fenster befand.
Auch mit gut sechzig Jahren übte Frieda Wilhelmy ihren Beruf als Ärztin noch mit ungebrochener Leidenschaft aus.
Sie bot ihrem Patienten einen der hochlehnigen Sessel an, zögerte jedoch, sich zu ihm zu setzen. Sie musterte ihn eindringlich.
Herrmann Fürst von Fredensholt war seit Jahrzehnten ihr Patient. Mit ihm verband sie ein inniges Vertrauensverhältnis, das sie sich mühsam mit Geduld und Warmherzigkeit hatte erarbeiten müssen, denn der Fürst galt als schwierig und war ein ausgesprochener Menschenfeind.
Fürst Herrmann hatte die Siebzig weit überschritten. Er war nicht sonderlich groß und eher mager als schlank. Seinen schmalen, eiförmigen Kopf zierte kein einziges Haar, dafür jedoch trug er einen dichten Oberlippenbart, dessen Enden, kunstvoll gezwirbelt, wie Speerspitzen abstanden.
Der Fürst fand selten den Weg in die enge Kleinstadtpraxis seiner Ärztin, doch in den letzten Wochen hatten ihn zermürbende Kopfschmerzen und eine unnatürliche Müdigkeit geplagt. Eingehende Untersuchungen hatten ihn gezwungen, sein geliebtes Wasserschloss zu verlassen, das versteckt in einem ausgedehnten Waldgebiet idyllisch auf einer Insel in einem kleinen See lag.
Im Grunde verließ er das Schloss nur zu ausgedehnten Spaziergängen, denn die Welt hatte dem alten Herrn nichts zu bieten, und so zog er es vor, sein Leben inmitten seiner weithin bekannten Kunstsammlung zu verbringen, die die einzige wirkliche Freude in seinem Leben war.
Mürrisch blickte der Fürst seiner Ärztin entgegen, die sich nun endlich zu ihm setzte. Frieda Wilhelmy war immer noch eine aparte Erscheinung, wenn auch zu ihrem Leidwesen ein wenig mollig. Brünettes, wild gelocktes Haar verlieh ihrer kleinen Gestalt etwas Exzentrisches.
Fürst Herrmann konnte in ihren warmen, mitleidsvollen Augen erkennen, dass sie ihm an diesem Vormittag keine guten Nachrichten zu überbringen hatte.
»Die Untersuchungsergebnisse sind eingetroffen, Durchlaucht.« Ihre klare Stimme klang warm und freundlich.
»Es sieht wohl nicht gut aus, wie?«, vermutete der alte Fürst schnarrend.
Die Ärztin schüttelte langsam den Kopf. »Nein, leider nicht.«
»Krebs?«
Wieder schüttelte die Ärztin den Kopf. »Ein Aneurysma.«
Der Fürst sah sie ratlos an, und sein Blick forderte erschöpfendere Informatio