Unschlüssig ließ Christina von Siedenstein ihre Blicke durch die Ankunftshalle des Flughafens von Florenz schweifen.
Paare umarmten sich voller Wiedersehensfreude, ein kleines Mädchen lief mit wehenden blonden Locken auf eine ältere Frau zu und warf sich ihr mit einem jauchzenden »Nonna!«, in die Arme.
Nur sie, die junge Gräfin von Siedenstein, fühlte sich sonderbar alleingelassen, weil sie von niemandem erwartet wurde. Dabei hätte sie sich doch denken können, dass ihre Freundin Elena so kurz vor ihrer Hochzeit anderes zu tun hatte, als sie vom Flughafen abzuholen. Das konnte Christina ihr nicht verübeln.
Und es war ja auch kein Problem, mit einem Taxi nach Fiesole zur Villa der Familie di Nantare zu fahren, in der an diesem Wochenende die Hochzeit Elenas mit dem jungen Conte Tiziano stattfinden sollte.
»Verzeihung, Signorina«, klang da eine angenehme Männerstimme in Christinas Gedanken. »Contessa von Siedenstein? Christina von Siedenstein?«
Christina fuhr herum – und hielt unwillkürlich den Atem an, als sie im nächsten Moment in strahlend grünen Augen versank.
Der Mann, zu dem sie gehörten, sah umwerfend aus. Er war sehr groß, schlank und hatte schwarzes Haar. Seine langen Beine steckten in verwaschenen Jeans. Dazu trug er eine lässige Lederjacke. Er mochte Anfang bis Mitte dreißig sein.
Der Fremde sprach perfektes Deutsch, und nur ein winziger, charmanter Akzent verriet seine italienische Herkunft.
Unwillkürlich schlug Christinas Herz schneller.
»Ja …« Ihre Stimme klang belegt, sie räusperte sich und betete darum, unter seinem bewundernden Blick nicht wie ein naiver Teenager zu erröten, spürte aber gleichzeitig verräterische Wärme ihren Hals hinauf in ihre Wangen kriechen. Ärgerlich über sich selbst, ergänzte sie unwillig: »Ja, die bin ich. Aber ich wüsste nicht, was Sie das …«
Er hob beschwichtigend die Hände. »Ich bin Matteo Rosario«, erwiderte er unbeeindruckt freundlich, »ein Freund von Elena und Tiziano. Elena hat mich gebeten, Sie abzuholen, d