Zwei
»Ich glaube, es hat alles gut geklappt«, sagte Irene. »Hat es dir gefallen?«
»Ja«, antwortete er. »Gut. Danke. Du hast dir meinetwegen viel Mühe gemacht.«
»Ach.« Sie sah zu ihm hinunter. »Das war doch das Mindeste, was ich tun konnte.«
»Danke«, sagte er noch einmal. Er blickte in ihre ehrlichen grauen Augen mit den winzigen Krähenfüßen und auf ihren großen, von feinen Falten umrahmten Mund.
»Alles in Ordnung bei dir?«, fragte sie.
»Ja. Ich bin nur etwas müde. Irene?«
»Mmm.«
»Wir sollten mal wieder zusammen wegfahren, so wie früher. Wie in alten Zeiten.«
»Ab ins Bett!«, sagte sie und dachte an überzogene Konten, Termine, die Tagesmutter, Heimweh.
»Es ist mein Ernst. Irgendwohin, wo im Februar die Sonne scheint, nur du und ich. Die Kinder kommen inzwischen auch ohne uns zurecht. Es ist lange her, dass wir so etwas gemacht haben. Wir könnten …«
»Nun komm schon«, sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen. Er nahm sie und bemerkte, dass ihre Nägel abgekaut waren und ihr Ehering locker saß.
»Sollen wir nicht erst noch aufräumen?«
»Lass nur. Das hat Zeit bis morgen.«
Er beobachtete, wie sie den Morgenmantel auszog und an den Türhaken hängte. Sie war blass, hatte Sommersprossen auf den Schultern, einen Leberfleck an der Hüfte und vorstehende Rippenknochen. Früher war sie schlank und flink gewesen – wie eine Flamme, hatte er, von Liebe überwältigt, einmal zu ihr gesagt; wie eine Wildblume. Jetzt hingegen war sie mager. An ihren Armen sah man die Sehnen, und ihre Haut war schon ein wenig schlaff. Es fiel ihm schwer, keinen Vergleich mit dem anderen herrlichen Körper anzustellen, der in einem Tarnwerk aus Blättern wie eine reife Frucht geleuchtet hatte. Und als sich Irene neben ihm in das Bett legte, das sie seit zehn Jahren teilten, umarmte und küsste er sie und spürte dabei ihre hervorstehenden Rückenwirbel wie einen Reißverschluss an seiner Brust.
»Ich rieche immer noch nach Erbrochenem.«
»Das macht nichts.«
Er legte eine Hand auf ihren flachen Bauch zwischen ihren spitzen Beckenknochen. Sie achtete sorgfältig darauf, ihn weder abzuweisen noch zu e