: Veronika Bicker
: Schmetterlingsschatten Die Arena Thriller
: Arena Verlag
: 9783401800295
: Arena Thriller
: 1
: CHF 6.20
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Im Wald hat man die Leiche eines Mädchens gefunden. Elena würde am liebsten davonrennen. Wieder kommt alles hoch, was sie krampfhaft zu vergessen versucht: Der Tod ihrer Schwester Laura vor einem Jahr. Ganz in der Nähe des Ortes, an dem man das tote Mädchen gefunden hat. Gibt es da einen Zusammenhang? Und war Lauras Tod wirklich ein Unfall?

Veronika Bicker wurde 1978 in Karlsruhe geboren. Sie schreibt und liest bereits seit ihrem vierten Lebensjahr. Während der Schulzeit schrieb sie Geschichten als Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke für ihre Freunde. Seit 2001 veröffentlichte sie mehrere Geschichten in Fanzines und Anthologien. 2006 hat sie ihr Ökologiestudium abgeschlossen und widmet sich seitdem voll und ganz dem Schreiben. Die junge Autorin lebt heute mit ihrem Mann in Aachen. Foto © W. Jünger

Kapitel 1

Samstag, 15. Juli 2005

Heute habe ich einen Menschen getötet. Ich weiß immer noch nicht genau, was eigentlich passiert ist. Meine Hände zittern, wenn ich daran denke, und ich kann mein Herz beinahe hören, so schnell schlägt es. Mir ist kalt, und schlecht ist mir auch, aber vielleicht kommt das auch vom Wodka. Immer wieder taucht dieses Bild vor meinen Augen auf: der Körper, voller Blut, das so seltsam unwirklich aussieht, wie Holundersirup. Ich wusste nicht, dass Blut so aussehen kann. Ich wusste nicht, dass ein Mensch so viel Blut in sich hat.
Ich kann nicht weiter, ich muss es beenden. Ich habe nur Angst, dass es jetzt schon zu spät ist.

»Hast du’s schon gehört?« Vivienne kam ihr entgegengerannt, kaum dass Elena den Fuß auf den Schulhof gesetzt hatte. In ihrem Gesicht spiegelte sich eine Aufregung, wie Elena sie gar nicht an ihrer besten Freundin kannte. Nina folgte ihr, etwas langsamer, aber offensichtlich nicht weniger aufgeregt.

»Was gehört?«, fragte Elena, als Viv außer Atem innehielt, verlagerte ihren Rucksack von der rechten auf die linke Schulter und versuchte, nicht allzu neugierig zu wirken.

»Sie haben eine Leiche gefunden, drüben im Wald zwischen Frankenach und Lensberg, bei der Landstraße. Ein Förster ist drübergestolpert.« Vivienne sprach hastig, als hinge ihr Leben davon ab, Elena von dem Fund zu berichten. Ihre Wangen färbten sich rötlich und ihre Augen glänzten, ihre Haare waren mal wieder ein einziges Chaos aus blonden Löckchen. Ärgerlich fuhr sie mit der Hand hindurch und machte es damit nur noch schlimmer.

»Weiß man, wer es ist?« Sie bemühte sich, ihre Stimme möglichst ruhig und milde interessiert klingen zu lassen. Als wäre sie gar nicht auf die Idee gekommen, als hätte die Landstraße keinerlei Bedeutung für sie.Ich werde nicht weinen. Ich komme klar!

Nina, die sich inzwischen zu ihnen gesellt hatte, zuckte mit den Schultern. »Niemand von hier.« Sie strich sich eine lange braune Strähne aus dem Gesicht und musterte Elena neugierig von unten herauf. »Ein fremdes Mädchen. Es heißt, sie ist überfahren worden. Vielleicht ein Unfall. Sag mal, ist das nicht genau wie…« Elena wandte sich halb ab und Nina verstummte abrupt.

Elena starrte an den anderen beiden vorbei das Schulhaus an. Der graue, unfreundliche Betonklotz erschien ihr noch weniger einladend als sonst. Selbst das jetzt schon gleißende Sonnenlicht konnte daran nichts ändern. Hinter den Fenstern schien sich nur dunkles Nichts zu verbergen. Elena biss sich auf die Unterlippe, um die Tränen zurückzuhalten, die in ihre Augen drängten. Rasch sah sie wieder zu den anderen.

Viv kaute verlegen an einer ihrer Ringellocken, Nina hatte ihren hellrosa Blümchenrucksack abgesetzt und