Kapitel 1
Puh! So eine Hitze!«, stöhnt Joey und schaut mich mit tränenerfüllten Augen an. »Das hält ja kein Mensch aus.« Ich liege neben ihr in der prallen Sonne auf dem Asphalt und rühre mit den Händen in einer Pfütze herum. »Die Brühe hier ist auch schon pisswarm«, murmele ich voller Unbehagen und sehe aus den Augenwinkeln, wie sich Joeys Gesicht zu einer verzweifelten Fratze verzerrt. Plötzlich fängt sie richtig an zu heulen. »Du bist schuld!«, schreit sie, bäumt sich einmal auf und lässt ihr Gesicht anschließend in die Pfütze sinken. Vollkommen reglos liegt sie da, lang ausgestreckt und ihre dunklen Haare schwimmen auf dem Wasser. Daneben steigen kleine Blubberblasen auf. »Joey, nein!«, rufe ich. »Du darfst das nicht tun!« »Hey«, ertönt eine sanfte Stimme neben mir. Ich spüre eine warme Hand auf meiner Schulter und springe auf. »W-wo bin ich?«, stammele ich. »W-was ist mit Joey?« »Keine Ahnung«, sagt die Stimme. Völlig perplex starre ich ihn Junias Gesicht, das vom fahlen Licht, welches der Mond in mein Zimmerfensterwirft, nur schwach beleuchtet ist.»Was machst du hier?«, frage ich verwundert.»Ich war aufm Klo«, erwidert Junia. »Da hab ich dich reden gehört.«»Hä?«, mache ich. »Du hast unten bei euch aufm Klo gehört, wie ich hier oben in meinem Zimmer rede?«»Nein, ich war bei euch, weil Mama . . .« Junia verdrehtdie Augen. »Muss ich dir das so haargenau erklären?«Ich schüttele den Kopf. »Willst du dich zu mir legen?«,frage ich.Junia grinst.»Klar«, sagt sie, schlüpft unter meine Decke und kuscheltsich an mich. »Du hast von Joey geträumt«, sagt sie.»Muss irgendwas Schreckliches gewesen sein.«»Allerdings«, sage ich und seufze leise. »Sie wollte sich ineiner Pfütze ertränken.«»Nee, ne?«»Doch. Sie hat einfach ihr Gesicht hineinfallen lassen: Irgendwann wäre sie tot gewesen.«»Glaubst du ehrlich, dass sie sich was antut?«, fragt Junialeise.»Weiß nicht«, murmele ich und drücke meine neueSchwesterfreundin an mich.Nachdem meine Eltern sich getrennt haben, sind Mamaund ich zu ihrer Freundin Sabine und deren Tochter Junia ins Haus gezogen. Anfangs konnte ich Junia überhaupt nicht ausstehen. Eine Zeit lang dachte ich sogar,dass sie mir Cobi ausspannen will. Die beiden gehen nämlich in dieselbe Schule und mögen sich total gern. Irgendjemand hat das gewusst und mir heimlich Briefchen zugesteckt, in denen stand, dass Cobi mich betrügt. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich rausbekommen habe, dass meine ehemals beste Freundin Joana Baske dahintersteckte. Sie ist nämlich auch in Cobi verliebt. Genau genommen, ist daran unsere Freundschaft zerbrochen. Ich habe zwar noch eine ganze Weile versucht, alles zu retten, ich wollte für Joey sogar auf Cobi verzichten, aber sie hat sich total zickig aufgeführt und so getan, als ob ich das schlimmste Verbrechen der Welt begangen hätte. Doch allmählich ist Joey wohl klar geworden, dass Cobi nur mich mag und sie sowieso keine Chance bei ihm hat. Als ich mich dann auch noch mit Junia angefreundet habe, sind bei ihr sämtliche Sicherungen durchgeknallt und sie hat mir d