Kapitel 2
In meinem Kopf ist aus dem »Okay, vielleicht« ziemlichschnell ein »Okay« geworden. Was soll ich auch den ganzenNachmittag alleine zu Hause rumhängen? Und mir dazunoch Mamas blöde Fragen anhören? Warum also nicht solange Fußball spielen, bis mir etwas Besseres einfällt?Die Frage ist nur, was man dazu überhaupt so anzieht.Turnschuhe sind sicher nicht ganz verkehrt. Und ein T-Shirt. Aber Jeans? Ich renne hinüber ins Wohnzimmer.»Mama, kann ich deine rote Radlerhose ausleihen?«Normalerweise ist es ein Fehler, sie ausgerechnet beimLesen zu stören! Aber sie lächelt.»Sonst vielleicht noch was? Ich freue mich wirklich, dassdir in letzter Zeit meine Sachen so gut gefallen.«»Nein«, sage ich. »Mehr wirklich nicht.«Sie schiebt ihre Beine vom Sofa herunter, stapft in die Diele und holt einen Zwanziger aus ihrem Portemonnaie.»Hier, kauf dir gleich selber eine. Ich unterstütze nämlichalles, was du tust, um dich von Joana zu unterscheiden.«»Kannst es ruhig für dich behalten, wenn du sie nichtmagst.«
»Unsinn. Ich kann euch ja verstehen. Aber es gibt nun malkeine zwei vollkommen gleichen Menschen. Zum Glück.«»Doch, Zwillinge.«»Nee, die sind auch nicht gleich. Und ich glaube, irgendwann finden die es sogar schrecklich, dass ihre Mütter sieimmer so nett identisch angezogen haben.«Ich lasse Mama reden, nehme das Geld und gebe ihr zumDank einen kleinen Kuss.»Die werden auch immer mickriger«, sagt sie.Ich zucke die Schultern, sage: »Tschüss, Mama.« Und sieguckt mir ganz komisch hinterher.
»Hallo!« Saskia rennt gleich vom anderen Ende des Platzes auf mich zu. »Find ich ja klasse.«Sie zieht mich am Arm hinter sich her.»Jetzt lass mich doch erst mal gucken.«»Ne, ich habe dem Diebutz doch schon gesagt, dass duvielleicht kommst.«Der Diebutz ist ihr Trainer. Er ist jünger als Papa undsieht ziemlich nett aus.»Tag«, sagt er und gibt mir die Hand. »Bist du Miriam?«Ich nicke. »Ja, Miriam Schleher.«»Schon mal gespielt?«»Ne, eigentlich bin ich unsportlich.«Er lächelt. »Das kann ich mir kaum vorstellen.«
Er steckt etwas in den Mund und kurz darauf ertönt ein schriller Pfiff. Ich zucke zusammen und Saskia lacht. »Du wirst dich schon noch daran gewöhnen.« Ich fühle ich mich ziemlich dämlich. Die erwarten hier alle etwas, das ich sowieso nicht hinkriegen werde. Und wenn es tausendmal nett gemeint ist von Saskia. Die Mädchen, die eben noch auf dem Rasen hin und her gelaufen sind, kommen nun auf uns zugerannt. Ein paar Jungen sind auch dabei und einen davon kenne ich sogar. Den kleinen Florian aus der Blumensiedlung. Na, der ist doch allerhöchs