: Liz Klessinger
: Notärztin Andrea Bergen 1258 Mariellas Brüderchen
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732501984
: Notärztin Andrea Bergen
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Beim ersten leisen Wimmern ihres kleinen Sohnes ist Natascha auf den Beinen. Nein, nicht schon wieder! Marlons schmale Stirn fühlt sich heiß an, und sein Babykörper glüht! Seit Wochen schon kommen und gehen die rätselhaften Fieberschübe, für die kein Kinderarzt bisher eine Erklärung hat. Als das Thermometer kurz darauf über vierzig Fieber anzeigt, zögert Natascha keine Sekunde länger und wählt mit zitternden Fingern die 110...

Noch in derselben Nacht überstürzen sich auf der Baby-Intensivstation des Elisabeth-Krankenhauses die Ereignisse, als sich Marlons Zustand rapide verschlechtert! In den frühen Morgenstunden kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht, an der Marlons Mutter zu zerbrechen droht: Der Säugling leidet an einer aplastischen Anämie, und nur eine Knochenmarktransplantation könnte ihn noch retten...

Natascha Hain hievte vorsichtig die Babyschale aus dem Wagen. Marlon war endlich eingeschlafen, und sie wollte ihn nicht wecken. Er hatte letzte Nacht viel geweint, und deshalb hatte auch sie kein Auge zugetan. Marlon war ein halbes Jahr alt, vielleicht zahnte er und war deshalb so unleidlich.

Ein Cappuccino bei Marco im Laden würde ihr guttun. Natascha freute sich auf ihn, er war am Wochenende in London auf einer Möbelmesse gewesen und erst heute Vormittag zurückgekehrt.

Sie trat in das Einrichtungsgeschäft. Wie so oft war kein Kunde im Laden. Auch Marco war nicht zu sehen. Seit vier Jahren verkaufte ihr Lebenspartner Marco Kießling erlesene Accessoires für den gehobenen Wohnbedarf. Oder versuchte es zumindest, denn leider waren nur wenige Kunden an seiner ausgefallenen und teuren Deko interessiert.

Natascha stellte die Babyschale hinter dem Verkaufstresen ab und ging nach hinten ins Lager. Der Raum war dunkel. Plötzlich hörte Natascha ein Geräusch. Es kam aus dem Büro. Die Tür war nur angelehnt. Deutlich war heftiges Atmen zu hören, dem ein Stöhnen folgte.

Natascha erstarrte. Sie dachte kurz an Einbrecher. Wieder stöhnte jemand. Es kam von einer Frau. Nataschas Herz pochte, ihre Knie zitterten plötzlich. Sie nahm all ihren Mut zusammen, schlich zum Büro und blickte durch den Türspalt.

Ihr stockte der Atem.

Vor ihr stand ein Paar, eng umschlungen. Eine Frauenhand steckte in der Hose des Mannes, er knetete die Brüste unter ihrer Bluse. Ihre Köpfe bewegten sich heftig, sie schienen sich beim Küssen förmlich verschlingen zu wollen.

Natascha registrierte, dass es Marco war, der Trixi, seine Aushilfe, küsste. Die Frau, die stundenweise im Laden aushalf, die auf die Kinder aufpasste, während Natascha im Laden arbeitete, und die mit ihm zu den Möbelmessen flog.

Es war, als beobachtete Natascha eine Fernsehszene. Erst als Marco laut stöhnte, explodierte die Erkenntnis in Nataschas Kopf.

Im gleichen Augenblick gaben ihre Knie nach. Sie musste sich am Türrahmen festhalten. Natascha beobachtete, wie Marco Trixis Hand aus seiner Hose zerrte und die Tür aufstieß.

»Natascha«, stammelte er, sichtlich entsetz