: Wolfgang Kohlhaase
: Günter Agde
: Um die Ecke in die Welt Über Filme und Freunde
: Neues Leben
: 9783355500142
: 1
: CHF 13.50
:
: Biographien, Autobiographien
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der preisgekrönte Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase ist ein geübter Beobachter und Meister des feinen Dialogs. Drehbücher könne er schreiben wie Billy Wilder, bestätigen ihm Filmkenner und -kritiker. Und was Kohlhaase über die Leute sagt, die seinen Weg kreuzten oder mit denen er an wichtigen Filmen arbeitete, gibt tiefe Einsichten, teilt genaue Beobachtungen mit und liefert manch hintergründig-komische Anekdote. Alle diese Texte füllen ein Buch, das so nah an Wirklichkeit und Geschichte ist und so unterhaltsam und lebensnah wie seine Filme. Texte über Konrad Wolf, Frank Beyer, Andreas Dresen, Bernhard Wicki, Hermann Kant, Renate Krössner, Peter Hacks, Kurt Maetzig, Werner Stötzer, Wieland Herzfelde, Ulrich Plenzdorf, Eberhard Esche und andere.

Wolfgang Kohlhaase, geboren 1931 in Berlin, ist einer der wichtigsten Drehbuchautoren der deutschen Filmgeschichte, u. a. bekannt für 'Berlin, Ecke Schönhauser' (1957), 'Ich war neunzehn' (1968), 'Solo Sunny' (1980) und 'Sommer vorm Balkon' (2005), wurde mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Lubitsch-Preis, dem Goldenen Ehrenbär, dem Deutschen Filmpreis. Er ist verheiratet und lebt in Berlin und Reichenwalde. Günter Agde, geboren 1939, ist Filmhistoriker, Journalist und Autor. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft in Leipzig war er bis 1992 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akademie der Künste. Er verfasste mehrere Werke zur deutschen Filmgeschichte und zur DEFA und veröffentlichte biografische Bücher über Erwin Geschonneck und Kurt Maetzig. Er lebt in Berlin.

Über Film und Leben,
Kunst und Geschichte

Aus dem verbotenen Heft

Antwort auf eine Umfrage

1.Welche Filme der fast 20-jährigenDEFA-Produktion gehören nach Ihrer Meinung zu den national und international repräsentativsten Filmwerken?

Die Mörder sind unter uns, Ehe im Schatten, Affäre Blum, Der Untertan, Sterne

2.Welche Filme aus der sozialistischen Produktion der letzten Jahre gehören für Sie zu den produktivsten Werken?

Neun Tage eines Jahres, Iwans Kindheit, Das Messer im Wasser, Ballade vom Soldaten

3.Welche Filme aus der kapitalistischen Produktion der letzten Jahre haben Sie besonders beeindruckt?

Rocco und seine Brüder, 8½, Hiroshima, mon amour

4.Suchen Sie für Ihr persönliches Schaffen nach Vorbildern?

Ich habe kein bestimmtes Vorbild. Großen Eindruck hat auf mich der italienische Neorealismus gemacht.

5.Was benötigen wir nach Ihrer Meinung als Voraussetzung für die Entwicklung der Filmproduktion am dringendsten?

a)im filmästhetischen Bereich, b) im filmtechnischen Bereich, c) im filmökonomischen Bereich, d) im filmpublizistischen­Bereich

a)Kenntnis unseres Lebens und ständiges Zur-Kenntnisnehmen derästhetischen Entwicklung des Films in der Welt, nur eines von beiden genügt nicht.

b)Unsere Atelier- und Aufnahmetechnik ist veraltet. Ich kenne die Pläne, diesen Zustand zu verändern, nicht.

c)GemeinsameÜberlegungen, ob das Wertgesetz im Sozialismus auch etwas mit der Produktion und dem Verleih von Filmen zu tun haben könnte.

d)Eine Kritik, die die Position unseres Films im In- und Ausland ohne Wunschdenken untersucht und sich zu Detailfragen (Buch, Regie, Kamera, Arbeit des Schauspielers, Musik) mit Sachkenntnisäußert. Das gehört zu den Maßstäben, ohne die Kritik nicht viel nützt.

1965

DerUmfrage war folgende Vorbemerkung vorangestellt:»Die Redaktion hat ausAnlass des 20. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus fünf Fragen an Filmschaffende (Spielfilm) derDDRgerichtet. Sie wollteauf diese Weise mit einem breiteren Kreis von Filmpraktikern insGespräch kommen. Die Erfahrungen, die Sachkenntnis und das persönliche Engagement der Befragten verleihen den Antworten zwar eine bestimmteRepräsentanz, erlauben aber in der Verschiedenheit der Meinungen undFormulierungen nicht, oberflächliche Schlussfolgerungen zu ziehen. DieÄußerungen sind für die verschiedensten Bereiche des Filmwesens vonInteresse. Für die Arbeit der Filmfachpresse enthalten sie wertvolleAspekte und Hinweise. Von 45 Befragten antworteten 22.« In:Filmwissenschaftliche Mitteilungen Nr. 2/1965, S. 281 f. Das Heftwurde infolge des 11. Plenums desZKderSEDvom Dezember 1965 (»Kahlschlag-­Plenum«) verboten und eingestampft.

Das Einzige, was uns hilft: Realismus!

Diskussionsbeitrag auf demII. Kongress des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden

Da ich auf dem Wege vor uns die lichten Höhen ungezählter guter Vorsätze und eine verblüffende Einigkeit sehe– und in der Annahme, dass unser weiterer Vormarsch gesichert ist–, möchte ich in dem, was ich vortrage, ein wenig auf der Stelle treten und hin und wieder einen Blicküber die Schulter werfen, talwärts, wenn man so will.

Erinnert man sich anähnliche Kongresse oder blättert in den Protokollen von Konferenzen aus den fünfziger und sechziger Jahren, dann findet man eine erstaunlicheÄhnlichkeit der Probleme. Ironisch könnte man sagen: eine Kontinuität der nicht gelösten Fragen. Denkt man darüber nach, liegt der Gedanke nahe, dass bestimmte Probleme des Umgangs einer neuen Klasse mit Kunst historischer Natur sind, langwährende Prozesse und Entwicklungen, vielleicht so lange wie das Leben. Das bringt Leistung und Fehlleistung, Erkenntnis und Irrtum in eine andere Logik. Unser Kongress sollte verschiedenen Fragen zu gründlicher Erörterung verhelfen, die eine Weile anstehen und nicht so schnell zu lösen sein werden. Ich nenne einige:

Vor allem brauchen wir im Interesse ihres Zusammenwirkens genauere Vorstellungenüber die unterschiedlichen Möglichkeiten von Kino und Fernsehen. Das soll nicht heißen, dass die Theoretiker nun schleunigst einen Katechismus der Massenmedien verfassen, sondern dass wir eine normale, alltägliche Vernunft walten lassen, Erfolg und Misserfolg prüfen, wissen, dass es dabei um Kunstfragen, letztlich um Erfolg und Misserfolg im politischen Kampf geht. Wir haben es einerseits mit unseren Absichten und andererse