: Sissi Merz
: Alpengold 177 Geliebt - und doch betrogen
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732502424
: Alpengold
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Solange Gerti denken kann, neidet ihre Schwester Susanne ihr auch das allerkleinste Glück. Alles, was Gerti besitzt, das will Susanne haben - vor allem die Burschen, in die Gerti sich verliebt! Und mit List und Tücke gelingt es Susanne, sie in ihr Netz zu locken.
Doch als Gerti ausgerechnet am Tag ihrer Verlobung ihren Liebsten in Susannes Armen findet, ist es schlimmer, viel, viel schlimmer! Dieser Verrat soll dem hübschen Madel das Herz brechen...

»Grüß dich, Gerti! Bist heut besonders früh aus den Federn gehüpft, oder warst du gar net erst schlafen?« Lukas Fink, der fesche Großknecht vom Seitz-Hof, musterte die Hoftochter anerkennend.

Fleißig war sie, die Gerti, und ein Pfundskerl noch dazu. Im Grunde das einzige Madel, das ihm, dem unverbesserlichen Schürzenjäger, den Schneid abgekauft hatte.

Nachdem die blonde Gerti mit den himmelblauen Augen energisch die Grenzen zwischen ihnen abgesteckt hatte, waren sie gute Freunde geworden. Auch etwas ganz Neues für Lukas, denn dass er mit einem hübschen Dirndl nur befreundet war, das hatte es bislang noch nie gegeben. Aber Gerti war eben etwas Besonderes.

»Ich hab bei der Milli gewacht. Du schuldest mir übrigens einen Zehner; das Kalb ist nämlich in der Nacht noch gekommen.« Sie gähnte verhalten und schenkte dem hochgewachsenen, feschen Burschen ein freundschaftliches Lächeln. »Auf meinen Instinkt kann ich mich allerweil noch verlassen.«

»Respekt!« Lukas beglich seine Wettschulden prompt und meinte dann fürsorglich: »Jetzt gehst aber besser ins Bett, damit du noch ein bisserl Schlaf abkriegst. Sonst kippst du uns noch um.«

Davon wollte die gelernte Landwirtin aber nichts wissen.

»Ich wasch mich rasch und geh dann in die Ernte. Du weißt doch, es gibt Kräuter, die muss man direkt nach Sonnenaufgang schneiden, dann haben sie das beste Aroma.«

Lukas lachte auf, doch seine Stimme klang beeindruckt, als er zugab: »Deinen Elan sollte ein jeder hier auf dem Hof haben, dann wäre manches anders …« Dass sein Blick bei diesen Worten zur Schlafkammer von Gertis jüngerer Schwester Susanne hinaufwanderte und sich beim Anblick des geschlossenen Ladens verfinsterte, war kein Zufall.

Gerti hob nur lächelnd die Schultern und verschwand im Haus.

Der Großknecht aber dachte einmal mehr über die Ungerechtigkeiten im Leben nach, während er die ersten Arbeiten des Tages im Stall erledigte.

Seit drei Jahren war Lukas nun auf dem traditionsreichen Erbhof im Berchtesgadener Land angestellt. Er hatte sich gleich in die herrliche Landschaft rund um Taufenstein verliebt und ein wenig auch in Susanne Seitz, wie das seiner Veranlagung entsprach.

Lukas war ein fleißiger Angestellter, zuverlässig und ehrlich. Doch was die Liebe anging, da konnte er einfach keiner treu