: Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (Herausgeber)
: , Karl-Heinz Groth
: So spricht Schleswig-Holstein
: Ellert& Richter Verlag
: 9783831910151
: 1
: CHF 7.10
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: Deutsche Wörterbücher
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wat kiekst du so gnadderich? Bagaluten und Bangbüxen, Growianen und Nödskitjern, Kattunrietern und Tütelbüdeln - ihnen allen und noch vielen anderen typischen Schleswig-Holsteinern begegnet man in diesem kleinen Lexikon der Redewendungen und vergessenen Wörter aus dem Land der Horizonte. Eine Fülle an vergnüglichen und allgemeinen Informationen zu Schleswig-Holstein warten auf Besucher, Eingeborene und Liebhaber dieses wunderschönen Bundeslandes. Nicht nur Redakteure, Heimatforscher und Sprachwissenschaftler sind den regionalen Begriffen auf den Grund gegangen, sondern vor allem Menschen die Schleswig-Holstein kennen und schätzen selbst. Authentischer geht es nicht. So spricht Schleswig-Holstein ist ein Buch zum Erinnern, zum neu Lernen und natürlich zum sofort drauflos schnacken!

D

Da muss ich noch mal bei Haben Handwerker ihre Arbeit nicht ordentlich verrichtet, gibt es kein Vertun, dann müssen sie den entstandenen Schaden umgehend reparieren,„müssen da noch mal bei“ (mööt dor noch mol bi).

 

Da nicht für oder Dafür nicht Das ist eine hochdeutsche Redensart, die aus dem landläufigen plattdeutschen Spruch„Dor nich för“ abgeleitet ist.„Da nicht für“ oder„Dor nich för“ meint, dass eine besondere Leistung (Hilfe oder Handlung) selbstverständlich ist und es keines besonderen Dankes bedarf. Wenn man sich bei einem Schleswig-Holsteiner, vor allem einem Flensburger, für etwas bedankt, kommt als Antwort garantiert:„Dafür nicht.“ Das ist typisch, in kaum einem anderen Bundesland wird so auf einen Dank reagiert. Eine nette Begebenheit: Zwei Touristen kamen auf der kanarischen Insel La Gomera in ein voll besetztes Lokal. Die Leute an einem Tisch rückten auf ihrer Bank sofort zusammen, damit sie auch noch mit sitzen konnten. Sie bedankten sich, und da kam dieses„Dafür nicht“. Einer von beiden meinte dann:„Na, Sie sind doch bestimmt aus Flensburg?“ Großes Erstaunen:„Woher wissen Sie das denn?“

 

Dack (Reet) Wenn Schleswig-Holsteiner von„Dack“ sprechen, meinen sie zunächst das hochdeutsche Wort„Dach“. In Küstenbereichen, vorwiegend an der Westküste, auf den Halligen und den Nordfriesischen Inseln, ist„Dack“ die spezifische Bezeichnung für Reet, mit dem heute immer noch viele Häuser gedeckt werden. Reet ist getrocknetes, gebündeltes Schilfrohr, das heute vor allem an und in süd- und osteuropäischen Seen geschnitten wird, in geringem Umfang auch bei uns. Es wird nach dem Schnitt und dem Trocknen zunächst imprägniert und dann auf eine bestimmte Länge hin gebündelt. Die so entstandenen Bündel werden mit Draht und dicken Nadelnübereinandergenäht, bis schließlich eine 40 Zentimeter dicke Schicht die Sparren des Dachgerüstes bedeckt. Reet ist ein gutes Isolierungsmittel. Die Haltbarkeit eines Reetdaches bestimmt sich nach Wind- und Wetterseite sowie fachgerechter Bearbeitung und der Qualität des Materials. Ein solches Dach kann zwischen 20 und 100 Jahre alt werden. Da Reetdächer leichter brennen als konventionell hergestellte, ist die Gebäudeversicherung um einiges teurer. Auch müssen beim Bau zusätzliche sicherheitsrelevante Auflagen wie zum Beispiel ein bestimmter Abstand zu Waldgebieten bedacht werden.

 

Damm, Op’n Damm Wenn sich Menschen in Schleswig-Holstein begegnen, fragt man einander häufig, wie es einem denn so gehe, und erhält nicht selten die Antwort:„Ach, fraag nich, ik bün nich goot op’n Damm“ (Ach, frag nicht, ich bin nicht gut auf dem Damm = es geht mir nicht gut). Wenn jemand„ni recht op’n Damm is“, dann ist er nicht recht bei Trost, und„is he nich op’e Damm“, ist er offenbar nicht auf dem Laufenden.

Mit„Damm“ bezeichnet man keinen Deich, vielmehr einen leicht aufgeschütteten Erdwall. Das kann auch ein erhöhter Fahrweg, Bahndamm oder eine Chaussee sein.

 

Das kann ich nicht ab Eine mit einem Schwaben verheiratete Schleswig-Holsteinerin erzählt:„Geboren und aufgewachsen in Schleswig-Holstein, ist mir sehr geläufig, wenn jemand sagt:‚Das kann ich nicht ab.‘ Seit 16 Jahren bin ich mit einem Schwaben verheiratet, der seit dieser Zeit auch in unserem schönen Schleswig-Holstein lebt. Er fing früher an zu schmunzeln, wenn er diese Ausdrucksweise hörte. Nun hat er sich offenbar daran gewöhnt und erklärt Freunden aus seiner alten Heimat, die bei uns zu Gast sind, dass wir es nicht ertragen (abkönnen), wenn man schlechtüber uns redet.“ Nicht„ab“ können selbst viele Landbewohner den Güllegestank, obwohl die gute Landluft doch so gepriesen wird.

 

Das tut nicht nötig Diese hochdeutsche Redensart ist abgeleitet von dem plattdeutschen„Dat deit nich nödig“ oder„Dat harr nich nödig daan“. Diese Redensarten bezeichnen einen sympathischen, bescheidenen Wesenszug des Schleswig-Holsteiners.

Dabei kann es zu dem folgenden Dialog anlässlich einer Konfirmationsfeier auf dem Lande kommen: Lenchen Peters steht vor dem Konfirmanden und will ihm als Geschenk ein Kuvert mit einem Zehneuroscheinüberreichen. Der Junge will freudig zugreifen, da ruft die daneben stehende Mutter:„Aver Lenchen, dat deit doch nich nödig!“ (Aber Lenchen, das tut doch nicht nötig!)„Ganz as du meenst, Berta“ (Ganz wie du meinst, Berta), ruft die Angesprochene, macht auf dem Absatz kehrt und verschwindet mit dem Kuvert.

 

dazwischenfahren Wo es andernorts„pendeln“ heißt, spricht man insbesondere in Flensburg und anderen Landesteilen von„zwischenfahren“, wenn regelmäßig eine Wegstrecke zwischen Wohn- und Arbeitsort zurückgelegt wird. Es bedeutet aber auch, dass jemand sich einmischen, dazwischenfahren sollte, wenn eine verfahrene Situation dies erfordert. Im Plattdeutschen heißt es dann:„Dor mutt een mol twüschenfohrn“ (Da muss einer mal dazwischenfahren).

 

Deerns, Jungs, Knechten Viele Menschen arbeiteten früher auf dem Bauernhof. Zum Gesinde ge