»Ja, mei, so ein Haderlump! Der Hundling hat’s wirklich nur auf den Hof abgesehen. Gut, dass du mich gewarnt hast, Hias!« Das rundliche Madel mit den Flechtzöpfen schmachtete den muskulösen Burschen im Holzfällerhemd an. Der grinste recht selbstzufrieden.
»Gelt, Reserl, jetzt bist schon froh, dass du so einen gewitzten Großknecht auf deinem Hof hast?«
»Freilich!« Sie schenkte ihm einen gekonnten Augenaufschlag.»Und weil ich dir so dankbar bin, Hias, hast was bei mir gut.« Ihr Blick wurde kokett.»Hast einen Wunsch?«
»Da muss ich net langüberlegen!« Er packte sie entschlossen um die Taille.»Die Meine sollst werden. Und ich bin dann der Bauer auf dem schönen Erbhof. Dann wird’s kein gescherter Lump mehr wagen, seinen Fuß auf unser Land zu setzen. Was sagst?«
Sie seufzte glücklich.»Ich sag Ja!«
Das Busserl, das die beiden tauschten, wurde vom begeisterten Applaus des Publikums begleitet. Langsam senkte sich der Vorhang, und wieder einmal hatte das Ensemble des Mittenwalder Bauerntheaters eine Vorstellung erfolgreich beendet.
Im Gemeindehaus von Unterfelden im Berchtesgadener Land ging das Licht wieder an, doch die Zuschauer mochten sich noch nicht so recht von den in zwei Stunden lieb gewonnenen Akteuren trennen. Mit ausdauerndem Beifall lockten sie die Volksschauspieler und den Regisseur hinter dem Vorhang hervor und sogar einige Bravorufe waren zu vernehmen.
Georg Haseler, der ehrenamtliche Ortsvorstand von Unterfelden betrat die Bühne undüberreichte den weiblichen Ensemble-Mitgliedern Blumen. Der korpulente Landwirt glühte richtig vor Eifer, als er im Gegenzug manch süßes Busserl abstauben konnte. Nur die giftigen Blicke seiner besseren Hälfte im Zuschauerraum bremsten ein wenig seinen Enthusiasmus. Tom Wallner, Chef und Regisseur der Truppe bedankte sich routiniert und ließ die Zuschauer noch wissen, dass am nächsten Abend eine weitere Vorstellung stattfinden würde. Wieder klatschen die Leute und freuten sich sichtlichüber die kulturelle Abwechslung in ihrem sonst eher ruhigen Alltag.
Unterfelden lag ein wenig versteckt in einem schmalen Tal abseits der Touristenrouten, es gab nur zwei Pensionen mit einem guten Dutzend Fremdenzimmern. Bislang hatte noch keine Theatertruppe hier Station gemacht. Aber ebensolche Dörfer suchte Tom Wallner für seine Tourneen aus, denn er wusste aus Erfahrung, dass die Zuschauer dort besonders dankbar waren. Und der Erfolg hatte ihm bislang immer recht gegeben.
»Wir haben einen kleinen Empfang im Bürgermeisterhaus arrangiert«, ließ Georg Haseler den jungen Mann nun noch wissen.»Der Rat, meine Familie und ich, wir täten uns sehr freuen, wenn alle kommen.«
»Das ist außerordentlich nett von Ihnen, Herr Haseler«, versicherte Tom liebenswürdig.»Wir kommen gern.«
»Ja, dann will ich mich gleich auf den Weg machen und schauen, ob auch alles hergerichtet ist, wie es sich gehört. Bis gleich!« Er winkte der weiblichen Hauptdarstellerin mit seinen Wurstfingern neckisch zu und eilte dann erstaunlich flink von der Bühne. Tom Wallner klatschte in die Hände.
»Ihr habt’s gehört, Leut, es geht zum Bürgermeister zum Schnabulieren. Na, mir soll’s recht sein, sparen wir für heut Abend die Verpflegungskosten.«
»Ehrlich gesagt, hab ich net viel Lust«, gab Barbara Angermeier, die Hauptdarstellerin, zu.»Bin rechtschaffen müd.«
»Wir müssen ja net lang bleiben«, tröstete Tom sie.
Rosi Zacharias, die in dem Stück»Der falsche Erbe« die Magd Milli gegeben hatte, merkte spitz an:»Ihr wollt wohl lieber unter euch sein, ihr Turteltauberln. Ja, jeder, wie er will.«
Tom legte einen Arm um Barbara und fragte Rosi:»Hast du vielleicht etwas dagegen einzuwenden?«
Die verdrehte die Augen und zog ihr Kopftuch von ihrer roten Lockenpracht.
»Ich werde mich hüten …«
»Komm, Roserl, beeilen wir uns ein bisserl, nachher sind wieder die besten Sachen weggefressen«, meinte Fred Köhler. Er war groß und sehr schlank und schien immer Hunger zu haben. Rosi fand ihn nett, verliebt war sie allerdings in einen anderen.
»Na schön, auf zur heißen Schlacht am kalten Büffet!«, scherzte sie ein wenig lau. Ihre klaren, grünen Augen folgten neidvoll Barbara und Tom, die in Richtung Garderoben verschwanden.
»Schwärmst du allerweil noch für Tom?«, fragte Fred, dem ihr Blick nicht entgangen war.»Schlag ihn dir lieber aus deinem hübschen Köpferl! Er ist es net wert.«
»Woher willst denn du das wissen?«, murrte sie ungehalten.
»Ganz einfach, weil ich Augen im Kopf hab. Und im Gegensatz zu allen weiblichen Mitgliedern dieses Tourneetheaters bin ich net in den Tom verliebt. Deshalb kann ich ihn sachlich beurteilen. Er ist egoistisch, oberflächlich und u