: Diana Laurent
: Fürsten-Roman 2453 Prinz Florian, der kleine Liebesbote
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783732501991
: Fürsten-Roman
: 1
: CHF 1.80
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: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Seufzend betrachtet Alexander Fürst von Grünhagen die Stellenanzeige, die er soeben aufgegeben hat. Der junge Witwer ist beruflich viel unterwegs und hat kaum Zeit, sich um seinen fünfjährigen Sohn Florian zu kümmern. Bislang hat seine Schwester Sybille diese Aufgabe übernommen, doch nun heiratet die Prinzessin und verlässt Schloss Grünhagen. Also braucht der Fürst eine Erzieherin für Florian. Als sich kurz darauf die hübsche Heike Niklas um den Job bewirbt, ist Alexander unendlich erleichtert. Die gelernte Erzieherin hat hervorragende Zeugnisse, und sympathisch ist sie auch. Jetzt glaubt der Fürst den kleinen Prinzen wieder in guten Händen - ein schwerwiegender Irrtum...

Es war ein strahlender Augustmorgen. Die Sonne, die eben erst aufgegangen war, tauchte Schloss Grünhagen nahe Hannover in goldenes Licht. Der wehrhafte Bau war von einer weitläufigen Parklandschaft umgeben, die an diesem schönen Sommermorgen ihren ganz besonderen Reiz zeigte.

Mächtige Eichen und Buchenüberspannten gepflegte Rabatten und weite Rasenflächen. Wege aus hellem Kies führten durch den Park. An die unmittelbare Umgebung des Schlosses grenzten saftige Weiden und Koppeln, auf denen edle Pferde grasten.

Die Fürsten Grünhagen waren lange Zeit führend auf dem Sektor der Pferdezucht gewesen, ihre edlen Rennpferde hatten die Rennstrecken der ganzen Welt dominiert. In den vergangenen Jahrzehnten hatte man allerdings das Augenmerk mehr auf Freizeitpferde gerichtet.

Der Vater des jetzigen Fürsten war der letzte Pferdezüchter gewesen. Nach seinem frühen Tod hatte Alexander von Grünhagen Titel und Schloss geerbt. Der junge Fürst war Bankier, ein smarter Geschäftsmann, der – zumindest was den Pferdeverstand betraf – aus der Art zu schlagen schien. Fürst Alexander konnte leidlich reiten, hatte aber sonst keine Beziehung zu den edlen Vierbeinern. Die ausgedehnten Stallungen, die zu Schloss Grünhagen gehörten, wurden nun nur noch für die Freizeitpferde der Fürstenfamilie genutzt.

Prinzessin Sybille, Alexanders Schwester, war hingegen eine passionierte Reiterin. Die elegante Brünette hatte heute bereits ihren morgendlichen Ausritt hinter sich und verließ gerade die Stallungen, um hinüber zum Haus zu gehen, wo sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrem kleinen Neffen das Frühstück einnehmen würde.

Sybille war Ende zwanzig, schlank und sehr hübsch. Ihr dunkles, halblanges Haar umrahmte ein ebenmäßiges Gesicht mit wunderschönen tiefblauen Augen. Die Prinzessin war Modedesignerin, hatte sich auf Reit- und Sportbekleidung spezialisiert und arbeitete erfolgreich mit einigen namhaften Herstellern zusammen. In ihrem Atelier in Hannover war sie aber nur selten anzutreffen. Sie liebte das Landleben und hatte ihre besten Einfälle, wenn sie durch die Natur streifte, am liebsten auf einem Pferderücken.

Vor einem halben Jahr hatte sie sich mit Gero von Anselm verlobt, einem jungen Banker, den sie durch ihren Bruder kennengelernt hatte. Gero liebte Sybille abgöttisch, und sie wollten in absehbarer Zeit heiraten.

Sybille betrachtete Gero als den ruhenden Pol in ihrem Leben, als den Gegensatz, der für ein harmonisches Gleichgewicht sorgte. Die Prinzessin hätte also wunschlos glücklich sein können. Doch das war nicht der Fall, denn es gab etwas, was ihr Sorgen bereitete.

Wenn Sybille heiratete, würde sie Schloss Grünhagen verlassen. Sie und Gero hatten sich ein elegantes Stadthaus in der besten Lage Hannovers gekauft. Ihr Bruder Alexander, der seit etwas mehr als einem Jahr verwitwet war, und sein kleiner Sohn Florian blieben dann allein.

Und eben dieser Umstand belastete Sybille. Florian war erst fünf, ein sensibles, anhängliches Kind, dem die Mutter fehlte. Und Alexander war nur selten zu Hause. Er arbeitete viel und war häufig auf Geschäftsreisen im Ausland. Bislang hatte die Prinzessin sich intensiv um den kleinen Jungen gekümmert.

Nach dem Tod seiner Mutter war Prinz Florian lange sehr verschlossen gewesen. Sybille wusste, dass ihre verstorbene Schwägerin keine besonders liebevolle Mutter gewesen war. Dafür hatte sie einfach zu viele andere Interessen gehabt.

In seinen ersten Lebensjahren war Florian wechselnden Kinderfrauen anvertraut worden. Nach Fürstin Andreas Unfalltod hatte Sybille sich dann intensiv um den Jungen gekümmert. Und sie hatte schließlich Erfolg gehabt und Zugang zu der kleinen, einsamen Seele gefunden.

In den vergangenen Monaten war die Prinzessin zu einer Art Ersatzmutter für Prinz Florian geworden. Wenn sie nun fortging, war das Kind wieder sich selbstüberlassen. Und das war auf die Dauer einfach kein Zustand, das wusste auch Fürst Alexander.

Sybille hatte ihren Bruder bereits mehrfach auf dieses Thema angesprochen, und er hatte immer versichert, sich darum zu kümmern. Dabei war es dann aber auch geblieben. Bis jetzt hatte Alexander nichts unternommen. Die Prinzessin nahm sich deshalb vor, ihn beim gemeinsamen Frühstück noch einmal darauf anzusprechen.

Zunächst betrat sie aber die Schlosshalle und eilte die Freitreppe hinauf. Ihre Zimmer lagen im Ostflügel,