25. Kapitel
Aber was sollen wir denn jetzt nur tun?« Ellin saß zusammengesunken auf dem Stuhl in Apollonias Stube und schlug sich die Hände vors Gesicht.
»Hättet ihr nicht gar so gute Geschäfte gemacht, wäre das wahrscheinlich nicht geschehen. Doch so habt ihr Neid und Missgunst geweckt. Es ist alles meine Schuld«, sagte Apollonia.
»Ach was, das ist doch Unsinn!«, erwiderte Berblin. »Hättest du nicht eingegriffen, hätten wir noch hundert Jahre dort stehen können, ohne auch nur eine einzige Kerze zu verkaufen. Dank dir konnten wir jedoch unsere Waren zweimal komplett ausverkaufen. Dumm nur, dass es dabei bleiben wird.«
»Aber gibt es diese Regelung denn wirklich?« Ellin sah die beiden an. Schon die ganze Zeit über war ihr durch den Kopf gegangen, ob es überhaupt stimmen konnte, dass Frauen nur dann auf dem Markt Waren vertreiben durften, wenn sie dies im Auftrag eines Mannes taten.
»Ja, leider«, gab Apollonia zu. »Frauen sind dumm, weißt du. Sie können nicht begreifen, wie man Geschäfte macht, keine Münzen zählen und sind auch sonst zu nichts nutze.«
»Außer dass die Kerle sie bespringen können, wenn ihnen danach ist«, ereiferte sich Berblin.
Ellin zuckte zusammen.
»Entschuldige, Liebes.« Berblin beugte sich begütigend zu ihr hinüber. »Ich bin nur so wütend. Nun, da wir endlich genug Geld haben, um uns etwas aufzubauen, dürfen wir keinen Handel mehr treiben. Was machen wir jetzt nur?«
»Wir brauchen einen Mann«, sagte Apollonia.
»Ich will keinen haben, der mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe«, wehrte Berblin ab.
Ellin schüttelte schweigend den Kopf.
»Auch wieder wahr«, gestand Apollonia ein. »Abgesehen davon, würde euch das jetzt auch nichts mehr nützen. In Hamburg wird man euch nicht mehr in Ruhe lassen.«
»Wie meinst du das?« Ellin sah sie erschrocken an.
»Ich lebe schon mein Leben lang in dieser Stadt. Ihr habt euch unbeliebt gemacht, und das wird man euch spüren lassen.«
»Aber wie soll es denn dann weitergehen?«
»Uns wird wohl nichts anderes übrigbleiben, als weiterzuziehen und uns etwas einfallen zu lassen, damit uns anderswo nicht das Gleiche passiert.«
»Ich habe befürchtet, dass es so kommt«, sagte Apollonia traurig. »Doch Berblin hat recht. Ihr müsst gehen. Womöglich könnt ihr in ein paar Jahren wiederkommen, wenn Gras über die ganze Sache gewachsen ist.«
»Aber ich will nicht weg von hier.« Ellin war den Tränen nahe. »Gerade schien alles gut zu werden.« Sie griff nach Berblins Hand. »Bitte sag, dass wir bleiben können. Du lässt dir etwas einfallen, nicht wahr?«
Langsam schüttelte Berblin den Kopf. »Nein, meine Kleine. Diesmal nicht.«
»Aber ich will nicht mehr davonlaufen.« Es klang verzweifelt. »Hier in Hamburg hatte ich das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Ich will nicht mehr fliehen.«
»Fliehen?« Apollonia sah sie überrascht an.
Ellin warf Berblin einen fragenden Blick zu, den diese mit einem Nicken erwiderte.
»Ja, ich bin auf der Flucht«, begann Ellin zögerlich. »Vielleicht sollten wir zusammen etwas essen und einen Becher Wein trinken. Es ist eine längere Geschichte.«
»Aber ja.« Apollonia stand auf, holte drei Becher, einen Krug Wein samt Käse und Brot und