: Dr. med. Hartmut Morgenroth, Annette Kast-Zahn
: Jedes Kind kann richtig essen
: GRÄFE UND UNZER
: 9783833831287
: & Familie
: 1
: CHF 13.50
:
: Familie
: German
: 176
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In dieser aktualisierten und erweiterten Neuausgabe ihres bekannten Ratgebers vermitteln Ihnen die Bestseller Autoren Annette Kast Zahn und Dr. med. Hartmut Morgenroth ihre überzeugend einfache, aber sehr wirksame Spielregel für richtiges Essen. Gerade in den ersten zehn Lebensjahren sorgen sich viele Eltern, dass Ihr Kind nicht richtig isst , und häufig wird dadurch der Esstisch zum Stresstisch. Das muss nicht sein, denn egal, ob ein Kind zu viel, zu wenig oder das Falsche isst, wird die Spielregel konsequent eingehalten, so zeigt sie den Ausweg, ohne Stress für Sie und ohne Druck für Ihr Kind.

Dr. med. Hartmut Morgenroth, geb. 1940, absolvierte bereits seine Facharztausbildung in der Pädiatrie (in Cincinnati, Ohio). Danach war er Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der von Haunerschen Kinderklinik in München. Erst als Vater eines Sohnes und einer Tochter und seit 1982 in eigener Kinderarztpraxis erlebte er, welch großen Leidensdruck es bei den Eltern auslösen kann, wenn Kinder nachts nicht durchschlafen. Einige Jahre lang arbeitete er mit dem Kinder-Schlafbuch des amerikanischen Kinderarztes Ferber. 1990 begann die fruchtbare Zusammenarbeit mit Annette Kast-Zahn, mit der zusammen er Schlafstudien durchführte und ein eigenes Schlafkonzept entwickelte, das man im späteren Bestseller 'Jedes Kind kann schlafen lernen' der Öffentlichkeit vorstellte.

Was macht den Esstisch zum Stresstisch?


In diesem Kapitel erfahren Sie…

?was passiert, wenn Eltern zu viel tun:

Es kann nichts Gutes dabei herauskommen, wenn Sie für Ihr Kind entscheiden wollen, wie viel es essen soll

?was passiert, wenn Eltern zu wenig tun:

Es kann nichts Gutes dabei herauskommen, wenn Sie Ihrem Kindüberlassen, was auf den Tisch kommt und wie es sich beim Essen benimmt

?Wenn Elternzu vieltun


Was auf den Tisch kommt, bestimmen Sie– das wurde im ersten Kapitel genau begründet. Ob und wie viel Ihr Kind von Ihrem Angebot essen möchte, kann und sollte es ganz allein entscheiden. Wenn Sie sich in diesem Punkt einmischen, verstoßen Sie gegen die Spielregel: Sie»mogeln«. Beim Thema Essen kann das leicht zu einem Machtkampf führen, und das bedeutet Stress für Eltern und Kind. Es geht dann nicht mehr um»satt« oder»hungrig«, sondern um die Frage»Wer gewinnt?«. Die Eltern zeigen ihrem Kind:»Du kannst das nicht allein entscheiden.« Sie trauen ihm nicht zu, ein einfaches und wichtiges Grundbedürfnis selbst zu regeln.

Das Kind verlernt, sich in diesem Punkt selbst zu vertrauen. Es verlernt, auf seine innere Stimme zu hören.

Wenn es ganz unglücklich läuft, schleicht sich bei ihm das Gefühl ein:

»Mit meinem Körper stimmt etwas nicht.« Und es verlernt, seinen eigenen Körper zu mögen. Wenn Eltern»mogeln,« bedeutet das bei jüngeren Kindern in den meisten Fällen: Die Eltern bringen das Kind dazu, mehr zu essen, als es selbst möchte. Sie sagen:»Du musst essen, weil du zu dünn bist.« Manchmal bedeutet»Mogeln« das Gegenteil: Die Eltern geben dem Kind weniger, als es möchte. Dann sagen sie:»Du darfst nicht essen, weil du zu dick wirst.«

»Du darfst nicht so viel essen!«


STELLEN SIE SICH BITTE EINMAL FOLGENDES VOR:Eine Mutter verweigert ihrer sechsjährigen Tochter einen Nachschlag an Nudeln, eine weitere Scheibe Brot oder einen Apfel mit den Worten»Du darfst nicht mehr essen, weil du zu dick bist«. Die Kleine würde sich verletzt und unter Druck gesetzt fühlen– zu Recht. Essen sollte nicht den ganzen Tagüber verfügbar sein. Aber während der Mahlzeiten darf das Kind aus der grünen Abteilung der Ernährungspyramide (siehe>) so viel essen, wie es möchte.

Es ist ein schwerer Fehler, seinem Kind Essen vorzuenthalten und ihm sozusagen den Teller wegzuziehen aus Angst, von allein würde es nie aufhören zu essen. Bei Babys und jüngeren Kindern kommt es allerdings nur sehr selten dazu. Eltern, die ihren kleinen Kindern regelmäßig zu wenig zu essen geben– aus Angst, diese würden sonst zu dick– haben wir glücklicherweise nur vereinzelt kennen gelernt. In solchen Extremfällen muss man sich Sorgen um das Kindeswohl machen.

?Streichen von Süßigkeiten und Zwischenmahlzeiten

In der folgenden Geschichte geht es dagegen um ein Thema, das vielen Eltern geläufig ist: das Begrenzen der Naschereien zwischen den Mahlzeiten.

 

Melanie war vier Jahre alt, als ihre Mutter zur Beratung kam. In jeder Beziehung testete Melanie ihre Grenzen aus, auch beim Essen. Bei den Mahlzeiten am Familientisch aß sie eher wenig, quengelte und maulte oft. Manchmal verweigerte sie alles.

Zwischen den Mahlzeiten verlangte sie jedoch immer häufiger nach Essen, besonders nach Süßigkeiten.

 

Melanie schien den ganzen Tag ans Essen zu denken. Ihre Mutter versuchte es mit Diskutieren, gab anfangs aber sehr oft nach– bis sie feststellte, dass Melanie zunahm und nicht mehr in ihre Hosen passte. Melanies Mama bekam einen Schreck und versuchte es mit Konsequenzen: Süßigkeiten wurden gar nicht mehr eingekauft. Zwischen den drei Hauptmahlzeiten wurde nichts mehr angeboten. Was dann passierte, machte Melanies Mutter völlig fassungslos: Sie erwischte ihre Tochter zweimal dabei, wie sie sich im Supermarkt eine Packung Kekse unter den Pullover schob. Melanie hatte geklaut– im Alter von vier Jahren!

Wie konnte es dazu kommen? Melanies Mutter hatte doch konsequent gehandelt! Offensichtlich hatte sie zu stark auf die Essbremse getreten und damit Druck auf ihre Tochter ausgeübt. Nur noch morgens, mittags und abends etwas angeboten zu bekommen und nie etwas Süßes oder richtig Leckeres– das war zu viel für Melanie.

Sie dachte wirklich nur noch ans Essen. Sie musste sich irgendwie etwas Süßes zu essen besorgen, und deshalb griff sie im Supermarkt zu.

Einfach nachzugeben und Melanie unbegrenzt mit Süßigkeiten zu füttern konnte aber auch nicht die Lösung sein. Wir fanden zusammen folgenden Ausweg: Es gab jeden Mittag eine kleine Portio