Gerbert Goslar, Deutschlands Modezar Nummer eins, sah ungeduldig auf seine Cartier-Armbanduhr. Er war einüberschlanker,übersensibler undübereleganter Mann, Anfang fünfzig, sonnengebräunt und das dichte, aus der hohen, schmalen Stirn zurückgebürstete Haar unauffällig blondiert.
Man sah ihm denÄstheten an, was man ihm nicht ansah, war, dass er ein hervorragender und kalt kalkulierender Geschäftsmann war. Das machte die Menschen, mit denen er zu tun hatte, gelegentlich unvorsichtig.
Seit mehr als zehn Jahren waren seine Kreationen von durchschlagendem Erfolg. Die europäischen Prinzessinnen kamen zu seinen Modenschauen ebenso wie die großen Stars aus Hollywood. Wer einen hochkarätigen Namen und ein dazu passendes Bankkonto besaß, legte Wert darauf, pro Saison mindestens ein oder zwei Schöpfungen des Couturiers zu erwerben.
Für diese superexklusiven Damen, die zu versnobt waren, um sich mit gewöhnlichen Sterblichen zusammen eine Modenschau anzusehen, führte der Modezar in seinen eigenen Räumen in München vor der offiziellen Premiere ausgewählte Modelle vor.
Auch heute warteten wieder fünfzehn Film-, Geld- und Blutsprinzessinnen auf dieses Ereignis. Es waren Damen, die nicht zu warten gewöhnt waren und bereits ungeduldig wurden.
Wo blieb sie nur? Wieder ein ungeduldiger Blick auf die Uhr.
Goslar hatte einen Vertrag mit der international renommierten Modezeitschrift»Mylady«, der dahin lautete, dass eine Journalistin des Blattes an dieser unter Ausschluss derÖffentlichkeit stattfindenden Modenschau anwesend sein und darüber berichten durfte,über die vornehmen Gäste ebenso wieüber die Modelle, immer vorausgesetzt, es handelte sich um eine Dame, die zu seiner Kundschaft passte.
Die Dame, die man ihm zum ersten Mal vor drei Jahren geschickt hatte, passte zweifellos zu seiner Kundschaft. Es handelte sich um Arabella Prinzessin von Dornsbergen. Was sie von denübrigen Damen unterschied, war lediglich ihr Bankkonto.
Prinzessin Arabella stammte aus der verarmten Seitenlinie eines uradeligen Geschlechts. Ihre Eltern waren kurz hintereinander gestorben, als sie noch ein Teenager gewesen war, und ihre reichen Verwandten hatten keinen Wert darauf gelegt, dass ein Mädchen von so auffallender Schönheit, dazu begabt und klug, ihren weniger prachtvoll ausgefallenen Töchtern auf dem internationalen Heiratsmarkt Konkurrenz machte. Deshalb hatte man die schöne Arabella, kaum dass sie volljährig gewesen war, in die Modebranche abgeschoben.
Entschlossen, es ihrer wenig liebevollen Familie zu zeigen, hatte sich die Prinzessin in die Arbeit gekniet. Sie hatte zunächst einige Semester die Modeschule besucht. Als sie dann gemerkt hatte, dass ihr das Entwerfen nicht besonders lag, hatte sie sich als Modell Geld verdient und Journalismus studiert. Dank ihrer Erfahrungen in der Modebranche, kombiniert mit diesem Studium, und nicht zuletzt wegen ihresÄußeren war es ihr nicht schwergefallen, in diesemüberlaufenden Beruf unterzukommen.
Und da sich Arabella nicht langsam hochdienen, sondern gleich oben anfangen wollte, hatte sie sich bei dem teuersten Mode- und Gesellschaftsjournal Deutschlands vorgestellt – und war aufgrund ihres Namens empfangen und angestellt worden.
Man hatte nämlich gerade jemand gesucht, der geeignet war, die private Modenschau Goslars zu kommentieren. Warum sollte man es nicht mit einer Hoheit versuchen, die erfreulicherweise sogar noch die notwendige Ausbildung vorweisen konnte?
Prinzessin Arabella hatte einen flüssigen Stil und verstand es, geistreich und charmant im Jargon eben dieser Leute zu plaudern. Natürlich half ihr auch der Umstand, dass sie mit den meisten Familien des Hochadels irgendwie verwandt oder verschwägert war. Sie hörte Dinge, die man jemand anderem nie anvertraut hätte, und brachte sie auf eine Art, dass derjenige sich sogar noch geschmeichelt fühlte.
Dazu war ihr Geschmack hervorragend. Sie konnte die extravagantesten Modelle mit selbstverständlicher Grazie tragen – und sie standen ihr sogar noch!
Und so hatte man sich bald darum gerissen, einen Beitrag der schönen Prinzessin zu veröffentlichen. Arabella schrieb nicht nur für die»Mylady«, sondern auch für andere Hochglanzmagazine dieser Art.
Da die Prinzessin von ihren reichen Verwandten nicht gerade mit Liebe verw&oum