: Katja von Seeberg
: Fürsten-Roman 2449 Blind Date mit einem Prinzen
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783838759074
: Fürsten-Roman
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Ich kann Dich nicht vergessen. Ich denke jeden Augenblick an Dich. Ich sehe Dich vor mir, Dein Lächeln, Deine Augen.

Verwirrt betrachtet die Studentin Gesine Neumann die Worte, die ihr auf dem Bildschirm ihres Computers entgegenleuchteten. Die romantische E-Mail enthält keinen Namen, und als Absender steht dort nur 'Tanngrund'. Gesine fragt sich, wer der Unbekannte ist, der sie mit seinen Worten zutiefst berührt hat. Hat sie einen heimlichen Verehrer?

Ihre Schwester Tanja ist sich sicher: Da erlaubt sich jemand einen üblen Scherz. Doch Gesine ist da ganz anderer Meinung: Die Worte sind so tiefsinnig, sie müssen einfach echt sein. Sie will unbedingt wissen, wer dahintersteckt. Also klickt sie auf 'Antworten' ...

Ich denke jeden Augenblick an Dich.

Gesine Neumann seufzte, als sie an die wundervollen Worte dachte, die ihr heimlicher Verehrer ihr geschrieben hatte. Es waren Worte, die sie zutiefst berührt hatten.

Gesine wusste nicht, wer dieser Mann war, der es vermochte, sie allein durch ein paar wenige Sätze durcheinanderzubringen. Sie hatte nicht einmal einen Verdacht, um wen es sich handeln konnte.

Ein Kommilitone? Ein Nachbar? Ein Freund aus alten Tagen? Sie wusste nur, dass sie diesen Mann sehr mochte, weil er ihr seine Seele in dem Schreiben offenbart hatte. Ein solch intimes Geschenk hatte sie nie zuvor bekommen. Es war etwas Einzigartiges, etwas Kostbares.

Wenn ich endlich bei Dir bin, werde ich mich wieder vollständig fühlen.

Es klang poetisch. Tiefsinnig. Vielleicht war er Schriftsteller? Dichter?

Gesine, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, konnte sich nicht auf die Vorlesung konzentrieren. Ihre Gedanken kreisten einzig um den geheimnisvollen Fremden, dessen E-Mail sie heute in ihrem Postfach gefunden hatte.

Leider hatte er ihr seinen Namen nicht verraten. Es schien, als wäre er schüchtern. Zumindest hatte sie seine E-Mail-Adresse, sodass sie ihm antworten konnte. Wenn sie nur wüsste, was sie schreiben sollte. Sie konnte nicht einmal halb so geschickt mit Worten umgehen wie er.

Endlich beendete der Professor die Vorlesung und schaltete den Overheadprojektor aus, mit dem er einige Tabellen und Grafiken an die Wand projiziert hatte.

Worum es dabei gegangen war, vermochte die dreiundzwanzigjährige Studentin nicht genau zu sagen, obwohl sie dem Dozenten sonst nur zu gern folgte. Doch im Augenblick war ihr alles egal. Alles – bis auf dieses besondere Schreiben.

Ihre Schwester Tanja würde sie für naiv halten. Aber Gesine glaubte ganz fest an die eine große Liebe. Und wer wusste es schon? Vielleicht war sie dieser näher, als sie ahnte?

Sie packte ihre Sachen zusammen und machte sich auf den Heimweg, denn dies war die letzte Vorlesung für heute gewesen. Zum Glück. Auf weitere Seminare hätte sie sich nicht konzentrieren können. In ihrem Bauch tanzten Schmetterlinge.

Gesine verließ den Gebäudekomplex und erwischte gerade noch den Bus, der sie fast bis zu ihrer Haustür brachte.

»Bis morgen«, rief ihr eine Kommilitonin nach, aber Gesine war schon ausgestiegen.

Vor dem Haus, in dem sie wohnte, lief sie zufällig ihrer Nachbarin Helga Gutenbergüber den Weg.

Dieältere Dame mühte sich mit ein paar Einkaufstaschen ab, und Gesine bot ihr freundlich ihre Hilfe an, die die Nachbarin erleichtert annahm.

»Dich schickt der Himmel, Gesine«, sagte sie und gab ihr zwei Taschen, die tatsächlich ziemlich schwer waren.

Gesine lächelte sanft. Sie half gern, wenn sie konnte. Vielleicht hatte sie ein Helfersyndrom. Jedenfalls hatte ihre Mutter diese These schon vor langer Zeit aufgestellt, weil Gesine stets für andere da war. Selbst als Kind hatte sie jedes verletzte Tier, das sie irgendwo aufgelesen hatte, mit nach Hause gebracht, um es gesund zu pflegen.

»Sie haben wohl einen Großeinkauf gemacht?«, mutmaßte Gesine, weil die beiden Taschen auffällig schwer waren.

»Nun ja, so komme ich gut durch die Woche«, erklärte Frau Gutenberg und schloss die Haustür auf.

Zum Glück wohnte die Nachbarin im ersten Stock, sodass Gesine die schweren Taschen nicht mehr allzu weit tragen musste.

»Darf ich dich noch auf ein Stück Kuchen einladen?«, fragte Helga Gutenberg schließlich, und Gesine war drauf und dran, abzulehnen, weil sie sich viel lieber Gedanken darüber machen wollte, was sie ihrem Verehrer antworten sollte.

Doch da knurrte ihr Magen hörbar. Gesine hatte den ganzen Tagüber noch nichts gegessen, und es war fraglich, ob ihre jüngere Schwester und Mitbewohnerin Tanja sich um das Abendessen gekümmert hatte. Noch dazu war Tanja nicht unbedingt eine begnadete Köchin. Die Kuchen von Frau Gutenberg hatte Gesine hingegen schonöfter probiert und für exquisit befunden.

»Komm doch noch mit rein«, bat Helga.

Gesine kam der Verdacht, dass die alte Dame etwas einsam war und Gesellschaft suchte. Frau Gutenberg hatte nie geheiratet und lebte ganz allein. Gesine konnte sich gut vorst