: Ildefonso Falcones
: Das Lied der Freiheit Roman
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641123758
: 1
: CHF 2.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 752
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Sevilla 1748: Die freigelassene Sklavin Caridad findet Zuflucht bei der Zigeunerfamilie Vega. Hier freundet sie sich mit der schönen Sängerin Milagros an. Beide wissen, was es heißt, einem unterdrückten Volk anzugehören – noch dazu als Frau in einer von Männern beherrschten Welt. Ihre von Schicksalsschlägen gezeichneten Lebenswege führen sie von den sonnenverbrannten Ebenen Andalusiens in die prunkvollen Straßen und Theater der Königsresidenz Madrid.

Ildefonso Falcones’ opulenter Roman erzählt von Schmerz und Trauer, Liebe und Freundschaft, Hass und Verrat, Sehnsucht und Hoffnung – und von der Freiheit.

Ildefonso Falcones de Sierra, verheiratet und Vater von vier Kindern, arbeitet als Anwalt in Barcelona. Sein Debütroman „Die Kathedrale des Meeres“ war ein überwältigender internationaler Erfolg. Mit weltweit mehr als fünf Millionen verkauften Büchern hat sich Falcones als der bestverkaufte spanische Autor historischer Romane verewigt.

2

Triana lag auf der anderen Seite des Guadalquivir, außerhalb der Mauern von Sevilla. Diese Vorstadt war mit der Stadt über eine alte maurische Brücke verbunden, die auf zehn Barkassen ruhte, die im Flussbett ankerten und mit zwei schweren Eisenketten sowie mehreren Tauen von Ufer zu Ufer gesichert waren. Triana, wegen seiner Verteidigungsfunktion auch die »Wächterin von Sevilla« genannt, erlebte seine Blüte in der Zeit, in der Sevilla das Monopol für den Handel mit Amerika besaß; doch die nautischen Probleme, die die Versandung des Flusses verursachte, legten es Anfang des Jahrhunderts nahe, die Casa de Contratación, die königliche Behörde, die den Handel und den Schiffsverkehr mit den Kolonien in Amerika kontrollierte, nach Cádiz zu verlegen, was zu einem beträchtlichen Rückgang der Bevölkerungszahl und zum Verfall zahlreicher Gebäude führte. Die etwa zehntausend Bewohner von Triana lebten zum größten Teil auf einer beschränkten Fläche entlang des rechten Flussufers, die auf der anderen Seite von der Cava begrenzt wurde. Dieser Graben hatte zu Kriegszeiten, von den Wassern des Guadalquivir durchströmt, als erste Verteidigungslinie der Stadt gedient und die Vorstadt zur Insel gemacht. Jenseits des Grabens lagen verstreut ein paar Klöster, Einsiedeleien und Häuser sowie die weite, fruchtbare Ebene von Triana.

In einem dieser Klöster, dem Convento de Nuestra Señora de la Salud, lebten die Minimen, die Nonnen eines bescheidenen Ordens, die ein Schweigegelübde abgelegt hatten und ihr Leben in strenger Askese der Kontemplation und dem Gebet widmeten. Hinter dem Kloster, in Richtung der Calle de San Jacinto, lag die kleine Sackgasse Callejón de San Miguel mit dreizehn Gemeinschaftshöfen, in denen etwa fünfundzwanzig Familien lebten. Einundzwanzig dieser Familien waren Zigeunerfamilien, mit Großeltern, Söhnen und Töchtern, Onkeln und Tanten, Cousins und Cousinen, Nichten und Neffen, Enkeln und sogar Urenkeln. Alle diese einundzwanzig Familien betrieben Schmiedewerkstätten. In Triana gab es noch weitere Schmieden, die größtenteils Zigeunern gehörten, die bereits Jahrhunderte vor der Migration nach Europa in Indien oder in den armenischen Bergen aus diesem Beruf eine Kunst gemacht hatten. Doch der Callejón de San Miguel war das Zentrum der Schmiede und Kesselschmiede von Triana. Auf diese Gasse öffneten sich die Gemeinschaftshöfe, die im 16. Jahrhundert, während der Blütezeit der Vorstadt, errichtet worden waren. Einige waren nicht mehr als einfache Sackgassen mit ärmlichen ein- und zweistöckigen kleinen Häusern; andere waren zwei- oder dreistöckige, ineinander verschachtelte Gebäude um einen zentralen Patio, zu deren oberen Stockwerken man über offene Gänge mit Balustraden aus Holz oder Schmiedeeisen gelangte. Fast ausnahmslos handelte es sich um bescheidene Behausungen mit einem oder höchstens zwei Zimmern, wo in einer kleinen Nische auf einem Kohlenfeuer gekocht wurde, sofern es im Patio oder in der kleinen Sackgasse keine Feuerstelle für den allgemeinen Gebrauch sämtlicher Bewohner des Gemeinschaftshofes gab. Die Becken zum Waschen und die Latrinen, falls vorhanden, befanden sich im P