: Ute Krause
: Die Muskeltiere - Einer für alle – alle für einen Die großen Abenteuer mit den Muskeltieren
: cbj
: 9783641142179
: Die Muskeltiere-Reihe: Die großen Abenteuer mit den Muskeltieren
: 1
: CHF 10.80
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein großes Abenteuer mit wagemutigen Helden - nichts für Angsthasen mit Käsefüßen

Klink, klink, klonk! Während der Hamster Bertram von Backenbart etwas gelangweilt in seinem goldenen Käfig auf der Terrasse einer noblen Hamburger Penthousewohnung sitzt, fallen zwei Mäuse und eine weiße Ratte von der Dachrinne in sein Zuhause. Als die drei sich als Picandou C. Saint Albray, Pomme de Terre und Gruyère vorstellen, ist der Hamster begeistert! Die französischen Namen erinnern ihn an die von ihm heißgeliebten Geschichten über die »Muskeltiere«, die er von den Hörspiel-CDs seines Besitzers kennt. Und als Hamster Bertram erfährt, dass Gruyère ihr Gedächtnis verloren hat, ist er wild entschlossen, seinen neuen Freunden zu helfen und aufregende Muskeltier-Abenteuer zu erleben ...

Ute Krauses Dein Spiegel-Bestsellerreihe ist wunderbar warmherzig erzählt und mit zahlreichen opulenten Illustrationen ausgestattet und eignet sich zum Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren und zum Selberlesen ab 8 Jahren. Die mutigen Muskeltiere stehen für Freundschaft, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft - große Themen für kleine Helden!

Alle Bände der Muskeltiere-Reihe zum Vorlesen und Selberlesen ab 8 Jahren:
Die Muskeltiere. Einer für alle - alle für einen (Band 1)
Die Muskeltiere auf großer Fahrt (Band 2)
Die Muskeltiere und Madam Roquefort (Band 3)
Die Muskeltiere retten Weihnachten (Band 4)

Ute Krause, 1960 geboren, wuchs in der Türkei, Nigeria, Indien und den USA auf. An der Berliner Kunsthochschule studierte sie Visuelle Kommunikation, in München Film und Fernsehspiel. Sie ist als Schriftstellerin, Illustratorin, Drehbuchautorin und Regisseurin erfolgreich. Ihre Bilder- und Kinderbücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und für das Fernsehen verfilmt. Ute Krause wurde u.a. von der Stiftung Buchkunst und mit dem Ver.di-Literaturpreis ausgezeichnet und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Kapitel 8

Bertram von Backenbart

Bertram von Backenbart rekelte sich in seinem goldenen Puderbad. Er wälzte sich kurz nach links und kurz nach rechts und betrachtete dann mit halb geschlossenen Augen, wie der Puder um ihn herum aufstob und im Sonnenlicht tanzte. Aus dem Radio kam leise»Killing me softly«, und im Hintergrund hörte Bertram den Staubsauger. Serafina, die Putzfrau, war dabei, die Wohnung sauber zu machen. Sie hatte die großen Glastüren aufgeschoben und Bertrams Käfig auf den breiten Balkon vor dem Kinderzimmer gestellt. Der Balkon lag im obersten Stock. Von hier aus hatte Bertram einen weiten Blicküber die Elbe.

Das Leben ist gut, dachte er und betrachtete seine hübschen, ebenmäßig geformten Krallen. Das Sonnenlicht schimmerte hindurch und ließ sie in reinstem Weiß und Rosa erglühen.

»Sogar sehr gut.«

Er wusste, dass viele Goldhamster in winzigen Käfigen in Baumärkten, in Zoohandlungen oder bei Kindern lebten, die längst nicht so viel Platz hatten wie sein Herrchen, oder besser gesagt, sein Kind. Es trug den wohlklingenden Namen Tassilo.

Bertram konnte von Glück reden, dass Tassilo immer nur das Beste vom Besten geschenkt bekam. Auch Bertram von Backenbart entstammte der edelsten Goldhamster-Zucht. Sämtliche seiner Vorfahren waren preisgekrönt gewesen und hatten sich, wie seine Mutter erzählte, durch ihren Mut und ihre Stärke ausgezeichnet. Und weil Tassilos Eltern an nichts sparten, außer an Zeit für ihr Kind, kam Bertram gleich mit dem XL-de-luxe-Käfig samt elektrischem Laufrad mit verstellbarer Geschwindigkeit als Geschenk auf Tassilos schwer beladenen Geburtstagstisch.

Eine vierstöckige Hamstervilla mit goldener Puderwanne gehörte dazu, ein Minihäcksler, der die Salatblätter für Bertram in mundgroße Stücke schredderte, und eine Bar mit Wasser, das nach verschiedenen Gemüsesorten schmeckte. Bertram besaß das, wovon jeder Hamster träumte.

Dennoch lag ein Schattenüber diesem luxuriösen Leben. Es war ein kleines bisschen eintönig. Um nicht zu sagen: Es war stinklangweilig. Das klang natürlich verwöhnt, wie Bertram sich eingestehen musste. Aber manchmal packte ihn eine so starke Sehnsucht nach etwas»mehr« in seinem Leben. Was das»mehr« genau sein könnte, wusste er selbst nicht genau, aber manchmal hatte er so ein leeres, ziehendes Gefühl im Bauch, und das lag nicht etwa am Hunger.

Das Einzige, was dann half, waren Tassilos Hör-CDs. Die machten Bertram glücklich. Er tat nichts lieber, als Geschichten von wagemutigen Abenteurern, gefährlichen Seereisen und Drachenkämpfern zu lauschen. Seine Lieblings-CD handelte von vier mutigen Freunden namens Athos, Porthos, Aramis und D’Artagnan, die sich mit ihren Degen duellierten und ihr Leben für die Ehre einer Königin aufs Spiel setzten. Am liebsten stellte Bertram sich vor, er wäre D’Artagnan, der Held dieser Geschichte, und würde mit drei Freunden aufregende Abenteuer erleben.

Bertram seufzte. Wenn Tassilo doch nur wieder eine CD auflegen würde. Aber in letzter Zeit sah er den Jungen nur noch selten. Tassilo, das war die bittere Wahrheit, hatte inzwischen jedes Interesse an Bertram und auch an seinen Hörbüchern verloren. Serafina war die Einzige, die daran dachte, den Käfig zu säubern und ihn ab und zu an die frische Luft zu stellen.

Schläfrigöffnete Bertram ein Auge. Sein Blick glittüber die glitzernde Weite der Elbe. In der Ferne lag der Hafen, wo gerade ein großes Containerschiff einlief. Plötzlich fing sein elektrisches Laufrad an zu summen. Bertramöffneteüberrascht beide Augen und lugteüber den Rand seiner goldenen Badewanne. In seinem Laufrad bewegte sich etwas. Das Rad drehte sich so schnell, dass es auf Stufe drei eingestellt sein musste.

Bertram griff seinen goldenen Plastikdegen, der neben der Wanne lag. Tassilos Mama hatte diese Degen früher für ihre Fruchtcocktails benutzt, um Maraschinokirschen und Ananasstückchen aufzuspießen. Als sie irgendwann aufhörte, Cocktails zu mixen, war Bertram eines Nachts aus dem Käfig geklettert und hatte vier dieser Degen erbeutet. So war er allzeit bereit, sollte Gefahr vor der Pforte stehen.

Und nun endlich passierte etwas in seinem Leben! Erwartungsvoll tänzelte er mit dem Degen in der Hand auf sein Rad zu.

»En garde!«, rief er.

Dann hörte Bertram das Wort:»Katzenkleister.« Es war ganz leise, aber deutlich. Und es kam nicht aus dem Laufrad, sondern aus der Regenrinneüber dem Balkon. Bertram schaute hinauf. Serafina hatte nach der Reinigung die Käfigtürüber dem Laufrad offengelassen.

Bevor Bertram sie schließen konnte, waren die zwei Angreifer aus der Regenrinne auf ihn herabgesprungen. Es waren eine dünne, weiße Ratte und eine braune Maus. Beide sahen ziemlich zerrupft und dreckig aus. Mit wem sollte er es zuerst aufnehmen? Mit seinem Degen wirbelte Bertram um sie herum und rasierte der braunen Maus damit fast die Barthaare ab.

»Jetzt hören Sie endlich mal mit dem Unsinn auf«, sagte die Ratte und biss ihm in die Pfote. Mit einem Quietscher ließ Bertram den Degen fallen.

»Wir tun dir doch nix. Wir wollen doch nur unseren Kumpel da wieder rausholen.«

Die braune Maus deutete aufs Laufrad, in dem eine ziemlich dicke graue Maus schwer atmend auf Stufe drei joggte.

Bertram legte einen Hebel um und das Rad blieb stehen. Die Maus sank erschöpft auf den Po.

Bertram warf ihr einenüberraschten Blick zu und hob seinen Degen wieder auf.

»Es ist euer Glück, dass ihr es nur mit einem angehenden Muskeltier zu tun habt, meine Herren«, sagte er förmlich.»Sonst hätte jetzt euer letztes Stündlein geschlagen.«

Er deutete auf Picandou.

»Darf ich fragen, was Euch dazu bewog, mein Laufrad für Eure Gymnastik in Beschlag zu nehmen?«

»Ich– ich bin von der Dachrinne gefallen«, stöhnte Picandou, der noch immer schwer nach Luft rang. Er stand langsam auf.»Und ich habe jetzt endgültig die Nase voll! Ich stehe kurz vor einem Schwächeanfall– und ich will sofort nach Hause!«

»Hmh, ein Unfall also.« Bertram hob langsam eine Augenbraue und schaute der dicken Maus, die ein wenig hysterisch wirkte, tief in die Augen. Diesen Blick hatte er lange vor dem Spiegel geübt.»Und mit wem habe