: Marion Alexi
: Fürsten-Roman 2447 Es war wie eine Himmelsmacht
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783838757605
: Fürsten-Roman
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Als die Baronin Valeria von Callenbach ankündigt, dass die Hochzeit ihrer Tochter Charlotte auf Schloss 'Schau ins Land' stattfinden soll, ist die Schlossherrin Louisa Fürstin von Wittern erleichtert: endlich ein Auftrag, der Prestige, Werbung und vor allem Geld verspricht! Denn nach misslungenen Börsenspekulationen des Fürsten steht die Familie von Wittern finanziell vor dem Abgrund. Nur das Schloss ist ihnen noch geblieben - und das auch nur, weil die Fürstentochter Catharina die Idee hatte, es zum Hotel umzufunktionieren. Der Auftrag der Baronin soll die Fürstenfamilie retten, doch Prinzessin Catharina ist strikt dagegen, dass Charlottes Hochzeit auf Schloss 'Schau ins Land' gefeiert wird - und das nicht ohne Grund...

Prinzessin Catharina lehnte in träumerischer Haltung am Fensterrahmen, als die Stimme ihres Bruders sie aus ihren Gedanken riss.

»Märchenhaft schön, nicht wahr?«

Bis eben war die Prinzessin in den Anblick des ausgedehnten Schlossparks versunken gewesen, das ovale Gesicht mit den feinen Zügen entspannt, den enzianblauen Blick verloren im Flimmern des Mittags. Sie drehte erst den Kopf zur Seite, als ihr Bruder zu ihr trat.

Die vielen Spiegel des weitläufigen Festsaals ließen verwandelten die beiden Geschwister wie eine Menschenmenge wirken.

»Du siehst aus, als würdest du nach jemandem Ausschau halten«, stellte Prinz Florian unbekümmert fest.

Die schlanke junge Frau straffte sich unmerklich, ihr Gesicht nahm einen kummervollen Ausdruck an.

Verflixt! Schon verwünschte Florian seine Unbesonnenheit.

»Hast du eben anihn gedacht?«, setzte er leise, sensibler hinzu.

»Nein!«, kam es kategorischüber Catharinas schmale Lippen, obwohl nicht mal ein Name gefallen war.

Prinz Florian begriff und nickte verständnisvoll. Er verzichtete darauf, Catharinas schroffes»Nein!«, zu kommentieren. Stattdessen blickte auch er aus dem Fenster, ebenso wie Catharina fasziniert von der wahrlich großartigen Farbenpracht.

Ende des siebzehnten Jahrhunderts hatte ein Vorfahr der Geschwister nach der Fertigstellung des imposanten vierstöckigen Schlossbaus im eleganten, streng barocken Stil einen damals berühmten Gartenarchitekten mit der Gestaltung der Landschaft beauftragt. Ein französischer Garten war angelegt worden, und man hatte exotische Bäume gepflanzt, um die prachtvolle Umgebung um Schloss»Schau ins Land« noch zu verschönern.

»Müsstest du nicht in der Uni sein?«, erkundigte sich Catharina, während sie den Flug einer Lerche verfolgte, die eben aus einer der schon dicht belaubten Baumkronen aufstieg, um pfeilgerade in den lichtblauen Frühlingshimmel zu fliegen.

»Ich habe heute keine Vorlesungen.« Er legte den Arm um sie und zog sie an sich.»Arme Catharina«, murmelte er.

Sie senkte den Blick, und ihre Lippen zuckten.

»Du musst mich nicht bedauern«, stieß sie trotzig hervor.»Ich habe ihn ja längst vergessen. So, wie er mich vergessen hat.«

»Hat er bestimmt nicht.«

Die Prinzessin drehte sich ein wenig zur Seite und umfasste mit einer weit ausholenden Handbewegung die barocke Pracht des Festsaals.

»Hier haben Niclas und ich getanzt. Nur einen einzigen Walzer.« Sie seufzte.»Und ich habe mich für das glücklichste Mädchen der Welt gehalten.«

»Ihr seid ein bezauberndes Paar gewesen.«

»Damals habe ich geglaubt, ich könnte unser Glück festhalten … So ein Absturz tut furchtbar weh.«

Ihr wehmütiger Blick wanderte durch den pompös, aber keinesfalls kitschig ausgestatteten Raum. Mit Marmor, Goldverzierungen und kostbaren Hölzern war vor nahezu vierhundert Jahren nicht gespart worden.

»Ich sollte nicht mehr hierherkommen«, stellte sie mit tränenerstickter Stimme fest.

»Ja. Man darf kein Salz in offene Wunden streuen.«

»Manchmal meine ich,über alles hinweggekommen zu sein. Aber sobald mich irgendetwas an ihn erinnert, ist alles wieder da und unerträglich … Nerve ich dich?«

»Weil du ein wenig mit deinem Schicksal haderst? Das darfst du, Catharina. Du musstest Schlimmes durchmachen.«

»Noch grausamer als der ewige Schmerz um das verlorene Glück ist die niederschmetternde Erkenntnis, dass es mir an Mut gefehlt hat.« Catharinas Blick ruhte auf dem sonnigen Rosengarten.»Das werde ich mir nie verzeihen!«

»Du warst gerade erst siebzehn geworden, Catharina. Nun sei nicht so streng mit dir.« Er lächelte ihr zu.

»Ich hätte kämpfen müssen, Flori. Aber ich war feige.«

»Ich doch auch. Ich hätte dir beistehen müssen.«

Verblüfft sah sie ihn an.

»Du warst viel zu jung, um den edlen Ritter zu geben. Nicht mal im Traum würde ich dir vorwerfen, mir nicht beigestanden zu haben«, stellte sie klar.»ImÜbrigen hätte es mir nichts genützt.«

Er nickte.»Unsere Eltern waren entschlossen, Niclas abzulehnen.«

»Weil er weder vermögend war nochüber die richtigen Beziehungen verfügte.« Ihre Stimme klang verbittert.»Und ein kleiner Baron mit einem wenig spektakulären Stammbaum war kein ebenbürtiger Ehemann für eine hochwohlgeborene Prinzessin von Wittern, zu deren Vorfahren ein berühmter Kaiser zählt.«

»Vergiss nicht Mamas Verbindung zum englischen Königshaus«, warf Prinz Florian mit feiner Ironie ein.»Noch immer – selbst jetzt, da ihre Situation sich durch ihre eigene Schuld leider drastisch verändert hat – sehen sie die Fäden nicht, an denen sie hängen und von denen sie nicht einmal wissen, wer sie einmal aufgehängt hat!«

»Wenn ich damals volljährig gewesen wäre, wäre ich mit ihm durchgebrannt!« Sie lachte, doch es klang wie ein Schluchz