: Liz Klessinger
: Notärztin Andrea Bergen 1249 Endlich seid ihr bei mir!
: Verlagsgruppe Lübbe GmbH& Co. KG
: 9783838757667
: Notärztin Andrea Bergen
: 1
: CHF 1.80
:
: Erzählende Literatur
: German
: 64
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB

Seit Tagen schon wacht Tobias Imhof bei seiner Frau und seinem kleinen Sohn, die nach ihrer Meningokokken-Infektion ins künstliche Koma versetzt worden sind. Nichts erinnert mehr an die vitale, lebensfrohe Maren, und auch der vier Monate alte Leon ist nicht wiederzuerkennen: Seine runden Pausbäckchen sind eingefallen, die rosige Babyhaut ist blass und blau geädert. Zischend hebt und senkt sich Leons schmale Brust unter den Stößen des Beatmungsgerätes, und der Anblick des hilflosen Säuglings treibt Tobias heiße Tränen in die Augen. Nein, er will und kann nicht glauben, dass er Leon und Maren jeden Moment zu verlieren droht! Doch die Ärzte des Elisabeth-Krankenhauses haben ihn längst auf das Schlimmste vorbereitet. In diesen Schicksalsstunden, in denen Tobias zu verzweifeln droht, wächst mit einem Mal in ihm ein Hoffnungsschimmer, und gegen jede Vernunft schließt er einen Handel mit Gott und allen Engeln, um die zu retten, die er liebt...

»Du kleiner Racker!« Tobias Imhof hielt seinen Sohn im Arm und rieb mit seiner Naseüber die Stupsnase des Babys. Leon gluckste, und Tobias lachte ihn an.

»Das gefällt dir, kleiner Mann, was?« Er wiederholte das Spiel, wieder und wieder rieb er mit seiner Naseüber Leons, der jedes Mal vor Freude juchzte.

Maren schüttelte lächelnd den Kopf. Sie stand vor der Garderobe im Flur und hielt Tobias’ Mantel im Arm.

»Ihr seid mir zwei Schmusekater, der eine schlimmer als der andere.«

»Hast du gehört, was die Mama gesagt hat?« Tobias grinste seinen Sohn an und kitzelte ihn weiter an der Nase, während Leon vor Begeisterung quiekte.»Dabei liebt die Mama es genauso wie du, wenn ich mit ihr schmuse.«

Nun musste auch Maren Imhof lachen.»Leider kommen Papa und Mama kaum noch dazu, weil die Mama entweder schläft oder Leon mit Schmusen dran ist.«

»Oh, oh«, sagte Tobias lächelnd zu Leon.»Die Mama beschwert sich, dass sie zu wenig Liebe bekommt.« Er blickte Maren an.»Das werden wir doch gleich maländern.« Während er Leon im rechten Arm hielt, zog er sie mit dem linken zu sich heran und gab ihr einen zärtlichen Kuss.»Dann weiß ich ja, was ich heute Abend zu tun habe.« Er grinste sie an, und Maren lachte.

»Hoffentlich schläft unser Sohn auch tief und fest, wenn du heute Abend zur Tat schreitest.«

»Klar schläft der! Wir Männer halten schließlich zusammen. Nicht wahr, Leon?«

Der Kleine gluckste wieder und griff in die Haare seines Vaters.

»So war das nun nicht gemeint«, stöhnte Tobias mit gesenktem Kopf, während er versuchte, sein Haar aus der kleinen Faust zu befreiten.

»Komm, mein Kleiner, nun lass schon los! Papi muss zur Arbeit.«

Doch Leon hielt die Haarsträhne eisern umklammert.

»Dafür, dass er erst vier Monate alt ist, hat er ganz schön Kraft«, stöhnte Tobias.

Maren hängte den Mantel wieder an die Garderobe.

»Nun halt mal still«, forderte sie ihren Mann lachend auf, während sie versuchte, Leons Klammergriff zu lösen.

»Au! Ihr reißt mir ja das Haar aus!«, rief Tobias. Leon kreischte vor Vergnügen und zerrte heftig an Tobias Haaren.

Schließlich hatte Maren es geschafft, seine kleine Faust zu lösen. Sie nahm das Baby auf den Arm, und Tobias atmete auf.

»Ganz schön stark, der Kleine«, sagte er anerkennend und strich Leonüber die Wange.

Maren nahm Tobias’ Mantel und gab ihn ihrem Mann.»Du musst dich beeilen, sonst kommst du zu spät.«

Tobias nahm seinen Schlüsselbund vom Haken, gab Maren und Leon einen Kuss und ging aus der Tür. Auf der Ablage unter der Garderobe lag noch die Box mit dem Brot, das Maren ihm geschmiert hatte. Schnellöffnete sie die Haustür.

»Tobias, dein Brot!«, rief sie in den Hausflur.

Eilig lief Tobias die Treppe von der Tiefgarage zum Erdgeschoss hoch.

»Wo hab ich nur meinen Kopf?« Er gab Maren einen Kuss auf die Wange.»Heute Abend wird es wahrscheinlich etwas später, warte nicht auf mich!«

»Dann wird’s wohl wieder nichts mit der Liebe«, frotzelte Maren.

Tobias hielt auf dem Treppenabsatz an und warf ihr eine Kusshand zu.

»Bis heute Abend! Und grüß Kirsten von mir!«, rief er und lief die Treppe zur Tiefgarage hinunter.

»So ist das mit euch Männern.« Maren schmunzelte und sah Leon an, der an seiner Faust lutschte.»Erst versprecht ihr uns den Himmel auf Erden, dann sitzen wir zu Hause und warten auf euch.«

Sie legte Leon auf seine Krabbeldecke und gab ihm eine Rassel in die Hand, die er neugierig untersuchte. Dann packte Maren die Wickeltasche, machte ein Fläschchen mit Tee fertig und gurtete Leon in seinem Kindersitz an.

»Jetzt besuchen wir erst die Omi und dann meine Freundin Kirsten. Die ist nämlich schon ganz neugierig auf dich.«

Maren freute sich auf den Besuch bei ihrer Mutter. Dann würde sie in Ruhe frühstücken können, während ihre Mutter ihr den Kleinen abnahm. Christa Römer war Lehrerin und erst im letzten Sommer pensioniert worden. Sie genoss es, endlich Zeit für ihre Tochter und ihren Enkel zu haben. Auch Tobias verstand sich sehr gut mit seiner Schwiegermutter. Christa drängte sich nicht auf, dafür hatte sie zu viele eigenen Interessen, aber sie war immer da, wenn die frischgebackenen Eltern sie brauchten. Leon fühlte sich von Anfang an bei seiner Omi geborgen, sodass Maren und Tobias ihn beruhigt in Christas Obhut lassen konnten.

Als Maren bei ihrer Mutter klingelte, nahm Christa Römer ihr sofort den Kindersitz ab.

»Da ist ja mein süßer Fratz«, begrüßte sie strahlend ihren Enkel.»Die Omi hat schon auf dich gewartet. Jetzt wird erst einmal gefrühstückt.«

»Werde ich auch noch begrüßt?« Maren musste lachen.

»Ach so, hallo, Maren!« Christa drückte sie an sich. Dann nahm sie Leon aus dem Kindersitz und ging mit ihm in die Küche. In der gemütlichen Sitzecke hatte sie bereits den Tisch gedeckt.

»Schenkst du dir selber Kaffee ein?«, bat sie ihre Tochter, während sie mit ihrem Enkel schmuste.

»Möchtest du auch eine Tasse?«

»Nein, danke, sonst wirft er sie mir wieder um.« Christa hielt Leons Hand fest, mit der er nach ihrer Halskette greifen wollte.»Nicht wahr, du kleiner Schatz, du greifst dir alles, was nicht niet- und nagelfest ist.«

»Habt ihr früher eigentlich auch so eine