: Thomas Schmid
: Die Wilden Küken 10. Let's dance! Band 10
: Dressler Verlag GmbH
: 9783862727926
: Die Wilden Küken
: 1
: CHF 8.90
:
: Kinderbücher bis 11 Jahre
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wenn Bandenmädels sich in Schale werfen Aufgestylt und undercover schummeln sich die Wilden Küken auf den Oberstufenball. Und dann tauchen dort die Grottenolme auf - das kann ja nicht gut gehen! Danach haben die Küken die Nase voll von Tanzevents. Jedenfalls, bis Leo und Antonia, die beiden Neuen in der Klasse, einen Unterstufenball ins Leben rufen wollen. Und beim Anblick von Leos samtbraunen Augen tanzen in Lillis Bauch die Schmetterlinge Tango. Wie Ole das wohl findet? wildekueken.de

Thomas Schmid, 1960 in Landshut/Bayern geboren, wollte als Kind entweder Stuntman oder Schriftsteller werden. Dann studierte er Literatur-, Theater- und Kommunikationswissenschaften und ist heute als freier Autor tätig. Außer Büchern für Kinder und Jugendliche schreibt er auch Drehbücher fürs Fernsehen, u.a. für 'Marienhof', und für den Hörfunk, u.a. für das satirische Kindermagazin 'Sonntagshuhn' des Bayerischen Rundfunks. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Niederbayern.

 

Lilli war wieder einmal viel zu früh dran. Sie wickelte sich die Hundeleine fester ums Handgelenk und betrat mit Sneaker im Schlepptau das Kaufhaus. Leise Musik und die parfümierte Luft der Kosmetikabteilung empfingen sie. Erneut warf Lilli einen Blick auf die Uhr. Schon komisch, in die Schule schaffte sie es nur mit knapper Not rechtzeitig, aber wenn sie mit denWilden Küken verabredet war, traf sie fast immer als Erste am Treffpunkt ein. DieWilden Küken – das waren Lilli, Bob, Very und Enya. Die besten Freundinnen der Welt und eine Bande. Lilli war das Oberküken, aber in einer echten Bande spielte es keine Rolle, wer der Chef war. In einer echten Bande hielten alle zusammen und gingen miteinander durch dick und dünn.

Sneaker zerrte an der Leine und Lilli ließ sich von ihm zur Rolltreppe ziehen. Sie fasste ihren Hund am Halsband und betrachtete, während sie nach oben schwebten, abwechselnd die eleganten Frauen auf den großen Werbeplakaten und dann wieder sich selbst in den vorbeiziehenden Spiegelwänden. Würde Lilli als Erwachsene auch so aussehen? Schickes Kostüm, rot glänzende Lippen und hochgesteckte Haare? Sie drehte den Kopf und starrte ihr Spiegelbild an. Verwaschene Jeansjacke, ungeschminkte grüne Augen und wilde rotbraune Locken. Kurz berührte sie die Hühnerfeder, die an einem Lederband um ihren Hals hing, das Bandenzeichen derWilden Küken.»Passwort:Topmodels undercover!«, murmelte Lilli. Normalerweise dachte sie sich die Passwörter, Decknamen oder Parolen für die Bandenaktionen aus, oft nervte sie ihre Freundinnen auch damit, aber diesmal verhielt es sich anders. Das PasswortTopmodels undercover war nicht Lillis Idee gewesen, sondern auf Verys Mist gewachsen. Lilli durfte gar nicht an den nächsten Abend denken, so peinlich war ihr die ganze Aktion jetzt schon. Aber gemeinsam durch dick und dünn zu gehen, galt auch für Oberküken. Sie straffte kurz ihr T-Shirt unter der Jeansjacke und kontrollierte möglichst unauffällig ihre Oberweite. Na ja, von Weite konnte da kaum die Rede sein. Die Lilli im Spiegel drückte den Rücken durch und riss plötzlich die Arme in die Luft. Um ein Haar wäre die echte Lilli beim Absprung von der Rolltreppeüber Sneakers Leine gestolpert. Rasch sah sie sich um, aber niemand schien ihr kleines Missgeschick bemerkt zu haben. Ohne aufzublicken, wühlten sich Kundinnen durch die Angebote der Damenabteilung. Während eine Verkäuferin Waren nach Größen sortierte, reichte ihre Kollegin verschiedene bunt gemusterte Sommerkleider durch den Vorhang in eine der Umkleidekabinen. Nur die herumstehenden Schaufensterpuppen glotzten Lilli ausdruckslos an. Allesamt zu spitzbusigen Statuen erstarrte Models oder Managerinnen in den Farben der Saison. Lilli wollte entweder Tänzerin werden wie ihre leibliche Mutter Nadja oder Schreinerin. Mit geschlossenen Augen stellte sie sich ein neues Schildüber der Werkstatt ihres Vaters vor.Schreinerei Stefan und Lilli Holler. Und sich selbst in einem leimverschmierten Overall und mit Sägespänen in den Haaren. Auf keinen Fall wollte Lilli Holler Lehrerin werden wie Luisa. Luisa und Lillis Vater hatten vor fast zwei Jahren geheiratet, und inzwischen war Luisa viel mehr Lillis Mutter, als Nadja es jemals gewesen war. Nadja hatte die Familie sehr früh verlassen und war um die halbe Welt gereist – immer von Theater zu Theater. Inzwischen führte sie in Schweden ein Tanzstudio und kam viel zu selten zu Besuch.

Wie ziellos schlenderte Lilli an Kleiderständern vorbei und um Wühltische herum in die Wäscheabteilung. Scheinbar gelangweilt begutachtete sie verschiedeneBHs in der kleinsten Größe.

»Kann ich dir helfen?«, fragte eine Stimme hinter ihr.

Lilli fuhr so erschrocken herum, als wäre sie bei einer Straftat ertappt worden.»Nein, nein, ich …« Sie zuckte desinteressiert mit den Schultern.»Ich seh mich nur um!«

Die Verkäuferin nickte und steuerte auf eine dicke Kundin zu, die ratlos bei denÜbergrößen stand.

Lilli schaute zu Sneaker, der seinen Kopf an ihrem Knie rieb.»Du hast recht«, sagte sie, als würde sie auf einen Vorschlag von ihm eingehen.»Ich probier jetzt einfach einen!«

Rasch nahm sie nicht nur einenBH, sondern gleich mehrere von der Kleiderstange. Die Wäschestücke in der einen Hand und Sneakers Leine in der andern, steuerte sie schnurstracks auf die nächste Umkleidekabine zu und verschwand hinter dem Vorhang. Wie ein Wachhund legte Sneaker sich zu ihren Füßen auf den Boden. Lilli hängte die Schlaufe der Hundeleine und ihr Bandenzeichen an den Kleiderhaken und zog hastig Jacke und T-Shirt aus. Wieder stand sie ihrem Spiegelbild gegenüber. Sie nahm den erstenBH vom Bügel,überlegte es sich aber sofort wieder anders. Mit dem Marienkäfer-Muster sah das Ding aus wie ein Bikini für Kindergartenkinder. Also schlüpfte sie in den schwarz gemusterten Bügel-BH, verrenkte sich, um dieÖsen am Rücken zu schließen, und zupfte die Träger zurecht. Verzweifelt und wütend zugleich schaute ihr Spiegelbild sie an. Lose lagen die schwarzen Spitzenkörbchen in Faltenüber den Bügeln. Lilli nestelte sich