Alfred Fleissner
Wie sich menschliches Erleben und Verhalten zeigt und was sich unter Mobbing verändert
Jeder Mensch muss seine eigenen Erfahrungen machen
Menschen entwickeln in der langen Zeit ihres Heranwachsens eine höchst individuelle Weltsicht. Mittels Gesten, Mimik und Sprache versuchen sie, sich mit ihren Mitmenschen abzustimmen. Gewöhnlich gehen sie davon aus, dass ihr Gegenüber dasselbe wahrnimmt wie sie. Bei Meinungsverschiedenheiten finden sie in der Regel gute Gründe für die Richtigkeit ihrer persönlichen Anschauung. Daher fällt es ihnen immer wieder einmal schwer, gegenteilige Ansichten zu akzeptieren. Missverständnisse behindern auf diese Weise ein einvernehmliches Vorankommen. Die Bildung rivalisierender Gruppen, deren Mitglieder einander gut verstehen und vermeintliche Rivalen ausgrenzen, ergibt sich als nachvollziehbare Konsequenz.
Niemand ist davor gefeit, in eine Mobbingsituation zu geraten. Je weniger man damit rechnet, umso leichter wird man gegebenenfalls böswilligen Widersachern zum Opfer fallen. Und je friedlicher und wohlmeinender man selber eingestellt ist, umso größer ist erfahrungsgemäß das Risiko. In der Regel rechnet man bei seinen Mitmenschen nämlich mit einem der eigenen Grundhaltung entsprechenden Verhalten, solange man keine gegenläufigen Erfahrungen gemacht hat. Daher nehmen Mobbingbetroffene ihre Probleme gewöhnlich erst wahr, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
Geistige Fähigkeiten
Die hier angebotenen Erläuterungen zum menschlichen Denkvermögen sollen dazu beitragen, Stressmechanismen zu durchschauen und geeignete Gegenmaßnahmen zu kennen. Dabei ist es hilfreich, unterschiedliche Auffassungen grundsätzlich zuzulassen und Andersdenkende zu verstehen, ohne ihre Meinung gutheißen zu müssen. Das menschliche Gehirn erlaubt, eine ungeheure Vielfalt an Vorstellungen einzubeziehen.
Die Beantwortung folgender Fragen (siehe Kasten) wird den meisten Lesern leichtfallen. Wer aber die Probe aufs Exempel macht und seine Antworten notiert, wird sichüber den einen oder anderen Fehler, der ihm wider Erwarten unterlaufen ist, sehr wundern.
Interessanterweiseärgern sich viele Menschenüber gemachte Fehler dermaßen, dass sie ihnen nicht ein zweites Mal passieren. Andere fallen beiähnlichen Fragen wiederholt auf die gleichen Tücken herein. Das macht einen deutlichen Unterschied in Intelligenztests aus, soweit diese auf derartigen Fragen aufgebaut sind.
Fragen, bei denen man ein wenigüberlegen sollte, um nicht auf den Leim zu gehen (ein Beispiel: 13 Spatzen sitzen auf einer Stromleitung, von denen ein Jäger mit einer einzigen Schrotladung acht erschießt. Wie viele Spatzen sitzen noch auf der Leitung? Keiner, denn die fünfÜberlebenden sind fortgeflogen):
1. Wenn hier dreiÄpfel sind, und du nimmst zwei weg, wie viele hast du dann? (1; 2; 3)
2. Du nimmst an einem Wettlauf teil undüberholst den Zweiten– an welcher Position befindest du dich jetzt? (Position 1; Position 2; Position 3)
3. Ein paar Monate haben 31 Tage. Wie viele haben 28? (1; 2; 3; 6; 9; 12)
4. Wie viel mal kannst du eins von zehn abziehen? (0; 1; 3; 5; 9; 10)
5. Ist es in Kalifornien einem Mann möglich, die Schwester seiner Witwe zu heiraten? (Ja; nein; nein, aber in Deutschland wäre es möglich).
6. Wie viele Geburtstage hat ein Mensch im Durchschnitt? (1; 2; 35; 78).
7. Wie viele Zwei-Cent-Briefmarken sind in einem Dutzend? (1; 3; 6; 9; 12).
8. Gibt es ein Tier, das höher springen kann als der Kölner Dom? (Ja; nein).
9. Ich zeige dir meine Hände. Es sind zehn Finger. Wie viele Finger haben zehn Hände? (50; 100; 200).
10. Im Keller sind drei Lichtschalter, einer davon schaltet das Licht im ersten Stock ein– du weißt aber nicht, welcher. Du darfst nur einmal in den ersten Stock gehen, um nachzusehen, ob die Lampe brennt. Wie findest du heraus, welcher der drei Schalter die Lampe schaltet?
Sofern man dieAntworten weiß, erscheinen alle Fragen sehr leicht, ansonsten wird man aber ganz schön ins Schwitzen kommen.
Wie arbeitet das Gehirn?
Rückkopplungsprozesse der Nerventätigkeit im Gehirn verstärken im ununterbrochenen Abgleich mit deräußeren Wirklichkeit alles Passende. Störende Unvereinbarkeiten bleiben entweder unbeachtet oder sorgen für eine behutsame Annäherung der Auffassungen. Während der Evolution des Menschen haben sich neben den Reflexen aufwendigere Denkprozesse bewährt, die zu wohlüberlegten Entscheidungen führen. Indem die Analyse der jeweiligen Situation frühere Erfahrungen einbezieht, kann aus kleinen Missgeschicken gelernt werden. Schwerwiegende Fehler lassen sich so weitestgehend vermeiden. Bedeutsame Signale aus dem Reizangebot finden Beachtung, andere werden als unpassend verworfen und bleiben außen vor. Gelangen Gedächtnisinhalte ins Bewusstsein, scheinen die auslösenden Sachverhalte wichtig zu sein. Dabei spielen Erinnerungen aus der Kindheit in Form von Gefühlen eine wesentliche Rolle. Die Gefühlslage bestimmt (ganz im Sinne des Wortes Stimmung), wie die einwirkenden Reize interpretiert werden.
Die Möglichkeit der Einflussna