»Gib dir keine Mühe!«, sagte Achim Prinz von Steinbrücken zu seinem Vetter, dem Gastgeber des heutigen Festes.»Ich bringe Alicia nach Hause!«
Damit legte er der eleganten jungen Dame, die bestimmt noch einige der anwesenden Herren heimbegleitet hätten, ihren ebenso schönen wie teuren Abendmantel aus schwarzem Organza um die bloßen Schultern und schob sie mit sanftem Druck vor sich her.
Sein Vetter zuckte die Schultern und resignierte.
»Keinen Schimmer, was er seinem Gastgeber schuldig ist«, murmelte er laut genug, sodass die beiden es noch hören konnten, und wandte sich dann seinenübrigen Gästen zu, die, der Morgen dämmerte bereits, sich alle zum Aufbruch entschlossen hatten, jedenfalls jene, die nicht in den zahlreichen Gästezimmern des geräumigen Schlosses untergebracht werden konnten.
»Danke, dass du mich gerettet hast!«, meinte Alicia lachend, als sie neben Achim in dessen Sportwagen saß.
Sie war eine sehr aparte, dunkle Schönheit. Das schwarze Haar und den elfenbeinfarbenen Teint hatte sie von ihrer italienischen Mutter, einer Contessa Gabrine, geerbt. Die hellgrünen Augen ihres Vaters, des Fürsten Hochfelden, bildeten dazu einen aufregenden Kontrast.
Freilich blickten Alicias Augen nicht so kalt wie die des arroganten Fürsten und auch nicht so hart wie die derüberaus standesbewussten Mutter. Alicia war schön, klug, selbstbewusst und von einem heiteren Temperament – es war somit kein Wunder, dass die jungen Herren aller Stände ihr zu Füßen lagen, die jungen Damen ihres Standes sie dagegen ablehnten. Ins Gesicht hinein tat man der Tochter des Fürsten Hochfelden natürlich nur schön! Die Mädchen aus weniger vom Glück begünstigten Familien bewunderten und beneideten sie ein wenig.
»Wieso gerettet?«, erkundigte sich Prinz Achim amüsiert. Er fuhr keine fünfzig Stundenkilometer, lenkte mit der Linken und hatte die Rechte wie zufällig auf die Lehne von Alicias Sitz gelegt.»Der Erbgraf Hohenkammer ist doch eine blendende Partie – sogar für jemanden wie dich.«
»Ach, weißt du, ich finde ihn langweilig«, stellte Alicia wenig beeindruckt fest.
»Ich kenne viele, die das nicht stört«, erwiderte Achim schmunzelnd.
»Eben. Soll er eine von denen nehmen«, lautete ihr vergnügter Kommentar, und jetzt lachten sie beide.
»Das macht mir Hoffnung«, begann Achim nach einer kleinen Pause.
»Bitte nicht!«, unterbrach Prinzessin Alicia hastig.»Ich habe heute sage und schreibe drei Anträge bekommen. Das reicht mir!«
»Und? Alle abgelehnt?« Achim warüber die Abfuhr keineswegs gekränkt. Er mochte die schöne Alicia, flirtete fürs Leben gern mit ihr, und er hätte auch nichts dagegen gehabt, sie zu heiraten. Sicher wäre ihre Ehe sogar gut gegangen, schließlich waren sie in der gleichen Umgebung aufgewachsen. Es sprach also alles dafür – bis auf eine Tatsache: Verliebt war er nicht in sie.
Trotzdem interessierte es ihn, wer ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte.
»Um wen handelte es sich? Und auf was wartest du noch? Du bist doch schon achtundzwanzig!«
»Klar. Eine alte Jungfer!«, erwiderte die Prinzessin ungerührt.»Trotzdem brauchst du dich meiner nicht zu erbarmen. Ich fühle mich ganz wohl …«
»Alicia, wenn du keine Heiratsanträge willst, dann darfst du dich auch nicht so verführerisch anziehen.«
Er spielte damit auf das aufregende Modellkleid an, das die Prinzessin trug. Es war aus auberginefarbenem Seidentaft. Ein schulterfreies, eng anliegendes Oberteil mit Spaghettiträgern, ein modisch kurz geraffter Tulpenrock. Zwei Rosen aus schwarzem und auberginefarbenem Organza lenkten den Blick auf ihre bemerkenswert hübschen Knie, und zwei kleinere Rosen in den gleichen Farben schmückten ihr hochgestecktes, dunkles Haar.
Dazu trug die Prinzessin schlichte Brillantboutons in den Ohren, passende Ringe an den schlanken Fingern und ein Armband aus Brillanten. Der Clou war aber zweifellos ihre Perlenkette. Erbsengroße Orientperlen mit traumhaftem Lüster lagen um ihren Hals. Jede Einzelne von ihnen war ein Vermögen wert.
»Ich ziehe mich zu meinem eigenen Vergnügen an!«, behauptete Alicia.»Und ich kann nicht wie eine Vogelscheuche herumlaufen, nur weil sich irgendwelche bleichsüchtigen Knaben sonst in meine Perlen oder Diamanten vergaffen.«
»Na-na-na!«, wehrte Achim ab.»Außer deinen Klunkern hast du auch sonst noch ein paar ganz nette Dinge zu bieten!« Er hielt den Wagen an und parkte ihn am Straßenrand, um sich seiner aufregenden Begleiterin besser widmen zu können.
»Ach, Achim«, seufzte Alicia. Aber es klang nicht unbedingt abweisend, nur halbherzig. Schließlich war die Sommernacht so herrlich lau – geradezu italienisch! – der Himmel war mit Sternen wie mit Diamanten besetzt.
So wehrte sich auch Alicia nicht, als Achim nun näher rückte und sie in die Arme nahm und erst vorsichtig und abwartend, wie sie wohl reagierte, zu küssen begann.
Da der Prinz diese Kunst beherrschte und auch beim besten Willen nicht als bleichsüchtiger Knabe bezeichnet werden konnte, gab sich Alicia dem Augenblick hin und erwiderte seine Küsse. Achim wurde drängender und zärtlicher, Alicia gab nach – bis plötzlich mit einem Ruck durch eine unges