»Und du meinst, dass ihm die Karte auch ganz bestimmt gefällt?«
Jasmin saß auf der großen Untersuchungsliege im Behandlungszimmer der Kinderarztpraxis von Dr. Werner Bergen und schlenkerte mit den Beinen. Mit großen Augen sah sie ihren Vater gespannt an.
»Auf jeden Fall«, versicherte dieser nickend. Jan Hansen war ein Mann Ende dreißig, muskulös, stets von der Sonne gebräunt, und sein Drei-Tage-Bart ließ ihn ein wenig verwegen aussehen.»Schließlich hast du sie ja gebastelt, mein Schatz. Und so einen tollen Bauernhof hat Werner ganz bestimmt noch nicht gesehen, da bin ich sicher!«
Auf Jasmins Gesicht breitete sich ein zufriedenes Lächeln aus. Sie hatte sich beim Malen des Bauernhofs viel Mühe gegeben, und die winzigen Hörner der kleinen Ziegen auszuschneiden war ganz schön schwierig gewesen. Sogar echtes Heu hatte sie auf das bunte Tonpapier geklebt.
Liebevoll streichelte Jan seiner Tochterüber die dunkelblonden Haare. Seit dem Tod seiner Frau zählte für ihn nur noch Jasmin. Sechs Jahre war der tragische Unfall nun her. Doch trotz seines guten Aussehens und seines unschlagbaren Charmes hatte sich Jan seitdem auf keine neue Beziehung mehr eingelassen.
»Hallo, ihr zwei«, begrüßte Dr. Werner Bergen die beiden, als er das Behandlungszimmer betrat.»Schön, euch mal wieder zu sehen! Wie geht es euch?«
Dr. Werner Bergen reichte Jan die Hand und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. Die beiden Männer waren schon seit einigen Jahren gute Freunde.
»Gut, vielen Dank«, entgegne Jan mit einem Lächeln.»Und dir?«
»Oh, ich kann nicht klagen«, antworte Werner Bergen zufrieden.»Und bei dir, kleine Maus?«
»Suuuper!« Jasmin lächelte und ließ wieder aufgeregt ihre Beine baumeln.
»Das hört man doch gerne. Aber was führt euch denn dann in meine Praxis?«
»Die U-10-Vorsorgeuntersuchung«, sagte Jan.»Die ist ja jetzt fällig.«
»Ja, genau. Wenn ich mich recht erinnere, gehst du auch seit letztem Herbst in die Schule, oder?«, wollte Dr. Bergen wissen.
Jasmin nickte begeistert.
»Und gefällt es dir?«
Wieder nickte Jasmin.
»Ich kann sogar schon ein bisschen schreiben.«
»Das ist ja toll!«, antwortete Werner und zog sich seinen Drehhocker für die Untersuchung heran.
»Ich hab dir was mitgebracht!« Sie zog die selbst gebastelte Karte hervor undüberreichte sie ihrem Kinderarzt.
»Einladung zur Hoferöffnung«, las Werner die ordentlich geschriebenen Buchstaben vor. Und als er die Karte aufklappte, las er weiter:»Lieber Werner, liebe Andrea, wir möchten euch ganz herzlich zur Eröffnungsfeier unseres Hofes einladen. Wann? 15. März, ab 15 Uhr. Wo? Natürlich auf dem Ferienhof Sonnental. Wir freuen uns auf euch! Jasmin, Christine und Jan.«
»Donnerwetter!«, sagte Werner anerkennend.»Hast du das ganz alleine geschrieben?«
»Nee, Papa hat geholfen«, gab Jasmin mit einem Lächeln zu.»Aber den Bauernhof hab ich selbst gemalt, und die Ziegen hab ich ganz alleine ausgeschnitten. Und das Heu ist sogar von unserem Ziegenstall. Aber es ist natürlich ganz frisches Heu.«
Werner Bergen musste schmunzeln.»Dann kommt ihr mit der Hofrenovierung gut voran?«, fragte er Jan.
»Ja, es läuft sehr gut. Letzte Woche habe ich das Freilaufgehege eingezäunt, und gestern konnten wir den Hasenstall fertigstellen.«
»Ich bin mir sicher, deine Eltern wären sehr stolz auf dich!«
Ein mattes Lächeln huschteüber Jans Gesicht.
»Ja, das wären sie«, sagte er leise.»Es war immer Vaters Traum gewesen, den Hof wieder instand zu setzen.«
Werner Bergen sah, wie sehr Jan die Erinnerung an seine Eltern schmerzte.
»Und wie geht es deiner Schwester Christine?«, erkundigte sich der Kinderarzt deshalb schnell, um seinen Freund auf andere Gedanken zu bringen.
»Oh, sehr gut! Sie blüht durch die Arbeit richtig auf. Wir müssen zwar noch einiges erledigen, aber wenn es weiter so gut läuft, kann die Eröffnungsfeier wie geplant stattfinden. Bis dahin ist es zwar noch ein gutes Stück Arbeit, doch wir haben ja eine besonders engagierte Helferin.«
Jasmin reckte bei dem Kompliment stolz die Brust nach vorne und strahlteübers ganze Gesicht.»Tante Christine hat gesagt, dass ich sogar die Kopfkissen für unsere ersten Gäste beziehen darf!«
»Es haben sich schon Gäste angemeldet?«, fragte Werner Bergenüberrascht.
»Ja. Sie wollen Anfang Aprilüber die Osterferien kommen«, erklärte Jan.
»Wie lange ist das noch?«, fragte Jasmin.
»Das ist noch eine Woche im Januar, plus vier Wochen im Februar, plus vier Wochen im März, plus eine Woche im April«, erklärte Werner Bergen langsam, und wartete gespannt, ob Jasmin das rechnen konnte.
»Das macht dann …« Jasmin zählte für einen kurzen Moment stumm mit den Fingern.»Zehn Wochen!«, sagte sie dann selbstbewusst.
»Sehr gut«, lobte Werner Bergen seine kleine Patientin.»Du kannst ja auch richtig gut rechnen!«
»Wir haben schon die Zahlen